Es ist kaum zu übersehen, dass Elliott Erwitt ein Faible für Hunde hat. Da lugt ein neugieriger Dackel hinter einem Baum hervor, dort rettet sich ein Terrier unter dem Zeitungskiosk in den Schatten und spiegelt damit sein Herrl, dem es auch schon zu heiß ist. Und da sitzt ein Hund allein im Auto am Fahrersitz und wirkt wie ein geduldiger, aber rechtschaffen gelangweilter Chauffeur.

Hunde sind auch Personen: "Paris, 1967". - © Magnum Photos, courtesy of OstLicht. Gallery for Photography / Elliott Erwitt
Hunde sind auch Personen: "Paris, 1967". - © Magnum Photos, courtesy of OstLicht. Gallery for Photography / Elliott Erwitt

"Ich mache keine Fotos von Hunden. Für mich sind Hunde Personen", hat der Magnum-Fotograf einmal gesagt, und in der neuen Ausstellung im Ostlicht in der Ankerbrotfabrik lässt sich gut nachvollziehen, was er damit gemeint hat. Freilich sind die Hunde in dieser Schau auch nicht irgendwelche Köter, es sind nämlich Pariser. Denn die hier gezeigten Fotos zeigen allesamt die französische Hauptstadt durch die Linse des US-amerikanischen Fotografen.

Erwitt hatte zu Paris eine besondere Beziehung, schließlich wurde er 1928 da geboren. 1939 emigrierte seine Familie nach Übersee. Er kehrte immer wieder zurück in seine Geburtsstadt, um sie auf sehr charakteristische Weise zu porträtieren - das Zeitspektrum der ausgestellten Bilder reicht von den 1950ern bis zu den 2000ern. Vor allem ein Bild von ihm hat wohl fast jeder schon einmal gesehen, es ist gleichzeitig klischeehaft, poetisch und witzig: Ein Mann mit einem Regenschirm hüpft wie ein Balletttänzer durchs Bild, im Hintergrund steht erhaben der Eiffelturm und rechts zwischen den beiden umarmt sich ein Liebespaar - die Romantik ist nur getrübt durch ihre kaputten Regenschirme.

Flanieren durch Paris

Erwitt hat über Jahrzehnte die Straßen von Paris mit Leichtigkeit und Witz auf schwarzweißen Fotografien eingefangen. Immer ist eine gute Portion Humor dabei: etwa auf jenem Foto, das vier Frauen zeigt - drei davon in Abendkleidern und mit unterschiedlich genervten Gesichtsausdrücken, eine davon deutlich älter, deutlich informeller gekleidet und deutlich besser gelaunt.

Identifikationspotenzial für wohl jede Familie gibt es bei einem Familienfoto, für das sich fast alle auf eine Parkbank gestellt haben, die Posierungsbereitschaft variiert, aber bei niemandem ist sie so gering wie bei der Dame, die Handtaschl-haltend als einzige auf der Bank sitzt.

Perfektion mit Brüchen: "Paris, 1989". - © Magnum Photos, courtesy of OstLicht. Gallery for Photography / Elliott Erwitt
Perfektion mit Brüchen: "Paris, 1989". - © Magnum Photos, courtesy of OstLicht. Gallery for Photography / Elliott Erwitt

Viele der Fotografien haben eine solche Pointe, das macht den Besuch dieser Ausstellung zu einer willkommenen Unterhaltung. Und ein Spaziergang durch Paris mitten in Favoriten - in reisearmen Zeiten wie diesen ist diese Aussicht recht kommod.