"Deprimiert über die Entscheidung und den Verlauf der gestrigen Pressekonferenz" zeigt sich Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder gegenüber der APA am Tag nach der Bekanntgabe der erneuten Schließung der Museen in der Ostregion von 1. bis 6. April. Die Gleichbehandlung mit dem Handel, die im Februar den Vorteil der Wiedereröffnung gebracht hat, wirke sich nun als Nachteil aus. Bei den geplanten Eintrittstests befürchtet er einen Besucherschwund.

Zwar habe ihn Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) einige Stunden vorab über die Schließung informiert - weshalb er auch die für heute geplante Pressekonferenz zur neuen Ausstellung "Stadt und Land. Zwischen Traum & Realität" zeitgerecht absagen konnte -, in der Pressekonferenz seien jedoch weder die Museen noch die Kultur an sich auch nur erwähnt worden. Natürlich akzeptiere man die Entscheidung, auch die Museen erneut zu schließen, Schröder kritisiert jedoch die fehlende differenzierte Behandlung in Hinblick auf die "sehr unterschiedlichen Voraussetzungen. Wir werden in einen Topf geworfen mit IKEA und ähnlichen Häusern, die Anfang nächster Woche wohl eher zur Steigerung des Infektionsgeschehens beitragen werden als zur Senkung."

Museen sind so leer wie seit Jahrzehnten nicht

Gleichzeitig seien die Museen im ganzen Land "so leer wie seit Jahrzehnten nicht", das wiederholte Auf- und Zusperren wirke sich "verheerend auch auf die Psychologie der Besucher aus". Nach jedem Lockdown habe man - auf ohnehin schon niedrigem Niveau - mit einem erneuten Rückgang um zehn bis 20 Prozent zu kämpfen. Durch die vorgeschriebene Kontingentierung aufgrund der 20-Quadratmeter-Regel sei nur ein "ganz geringer Tagesbesuch erlaubt", regelmäßig würden sich vor der Albertina und anderen Museen Warteschlangen von 100 bis 150 Metern bilden. Gerade in Häusern mit einem großen Angebot würden Besucher verständlicherweise länger im Haus verweilen, was zu Wartezeiten draußen führe. So komme man derzeit auf nur rund 600 bis 1.000 Besucher pro Tag. Durch die Öffnung der "Stadt und Land"-Ausstellung gewinne man nun nochmal einige hundert Besucher dazu, "das macht das Kraut aber auch nicht fett", so Schröder. Den offiziellen Startschuss hat man allerdings auf die Zeit nach dem Lockdown verschoben.

Grundsätzlich sei zu beobachten, dass "eher die jungen Menschen" bereit seien, sich vor dem Museum anzustellen, die älteren Besucher würden oft erst gar nicht kommen, was Schröder auf etwaige Verunsicherung zurückführt. So geht er auch davon aus, dass die geplanten Eintrittstests für ein erneutes Sinken der Zahlen sorgen werden. "Wenn schon Friseure über einen Einbruch von 50, 60 Prozent klagen, weil Kunden keinen Test vorlegen können oder wollen, wird das bei uns nicht anders sein."

Nicht ohne mein Testergebnis

Besucher-Testungen seitens der Albertina sind für die Zeit nach der Öffnung nicht geplant, lediglich für die Mitarbeiter, die schon in den vergangenen Monaten regelmäßig getestet wurden, werde man gemeinsam mit einem der Nachbarn rund um die Albertina eine Teststraße etablieren. Ob die Person, die am Eingang die Anzahl der Besucher dokumentiert, auch noch das Kontrollieren der mitgebrachten Testergebnisse kontrollieren werde können, werde sich zeigen.

Unverständnis zeigt Schröder in Bezug auf die Regelung für Kirchen, "die ja gerade jetzt zu Ostern wohl stärker frequentiert werden als im restlichen Jahr". Skeptisch ist der derzeitige Vorsitzende der Bundesmuseenkonferenz auch in Hinblick auf das Zeitfenster des Lockdowns. Der 1. April sei "sehr spät, die Öffnung möglicherweise zu früh", so Schröder. Die Sorge um die Entwicklung ist ihm deutlich anzuhören: "Die Erholung der Kulturbranche zögert sich immer weiter hinaus und wird immer mehr erschwert. Das verunsichert und deprimiert alle."