Das künstlerische Umfeld gab für Elfie Semotan früh, schon bald nachdem sie im Mode- und Werbeumfeld begonnen hatte, die Methoden für ihre Fotografie vor. Ihre Palmers- und Römerquelleplakate hingen in den 1970er Jahren in ganz Wien, fielen und regten auf durch ungewöhnliche Posen und ihre spezielle Auswahl der Modelle; aber auch durch die Inszenierungen und die Geschichten, die sie für Fotostrecken in Mode-Magazinen mit einfing. Schon damals waren karge Landschaften und unabsichtliche Stillleben am Rande des Settings ein wichtiger Teil ihrer analogen Fotografie. Manchmal lehnten die Firmen das Abschweifen vom Produkt ab, doch "Marie Claire" druckte 1990 ihre Bilderzählung "Puszta" mit dem Fotomodell Cordula Reyer samt Hunden, Bauern und weiten Feldern im kalten Herbstregen ab. Für Einblicke in Künstlerateliers liebte Semotan Polaroids in Schwarzweiß, aber auch die Farbfotografie spielt eine wesentliche Rolle.

Im Kunsthaus Wien fiel die Entscheidung, alle Phasen und Serien zu mischen, aber auch Techniken und Rahmungen. Das passt zur Künstlerin wie zur Architektur des Hauses und ergibt eine abwechslungsreiche, teils wilde Mischung.

Weiblichkeit, von Elfie Semotan inszeniert und hinterfragt: "Black Headband". - © Elfie Semotan / Studio Semotan
Weiblichkeit, von Elfie Semotan inszeniert und hinterfragt: "Black Headband". - © Elfie Semotan / Studio Semotan

Stillleben und Inszenierungen

Neue Stillleben sind wie Tapeten geklebt, überschnitten von bekannten Porträts oder Inszenierungen nach Vorbildern wie Jan Soudek, Jeff Wall oder Diane Arbus. Nicht immer sind es berühmte Fotografen, auch die Malerei der Präraffaeliten, von Lucian Freud oder Roy Lichtenstein sind Anregungen. Das passt zur künstlerischen Avantgarde in Amerika und Europa in den Achtzigerjahren, die mit Zitaten die Appropriation Art etablierte, also ist auch sie Teil der Postmoderne. Denn Semotan mischt bis heute scheinbar beiläufig Pathosformeln aus Mode, bildender Kunst, aber auch aus Tanzinszenierungen wie jenen Pina Bauschs - so in der Serie "Floor Dance" 1998. Besonders wichtig ist ihr in der Modefotografie das Aufzeigen von Weiblichkeit als Maskerade. Die Rollenspiele werden von ihr gerne überzeichnet wie im Beispiel der Künstlerin Elke Krystufek, oder auch schon früh verdreht: Männer zeigt sie in weiblichen Posen oder Frauen als Raucherinnen mit scheinbar männlicher Alt-Hollywood-Attitüde.

Die Idylle ist gebrochen: "BGLD". - © ELFIE SEMOTAN / STUDIO SEMOTAN
Die Idylle ist gebrochen: "BGLD". - © ELFIE SEMOTAN / STUDIO SEMOTAN

Aus dieser Serie der Raucherinnen ist wohl das schwarzweiße Porträt von Johanna Dohnal das bekannteste. Daneben sind Elfriede Jelinek, Cecily Brown oder Marina Abramović zu sehen, aber es gibt auch eine Serie "Jennersdorf" mit einer unbekannten Jennersdorferin, deren Foto dezent um die dortige Ausstellungshalle herum platziert wurde.

Der Einbruch des Geheimnisvollen in die Natur: "BGLD". - © ELFIE SEMOTAN / STUDIO SEMOTAN
Der Einbruch des Geheimnisvollen in die Natur: "BGLD". - © ELFIE SEMOTAN / STUDIO SEMOTAN

Die lange Zusammenarbeit mit Modemacher Helmut Lang seit den 1990er Jahren hat Semotan in einer Serie festgehalten, mit Gebäude, Auslagen, Modellen und einem Porträt seines halben Gesichts. Daneben kommen Franz West, Bruno Gironcoli, Christopher Wool und Semotans erster Mann, Kurt Kocherscheidt, vor. Fotodokument für eine Erzählung ist Martin Kippenbergers leerer Betonskelettbau auf einem Hügel im griechischen Syros, genannt Museum of Modern Art. Er hatte jahrelang seine Kollegen dorthin für fiktive (nur erzählte) Ausstellungen eingeladen. Heute ist der Ort für in Wortwolken erträumte Kunst eine Müllverbrennungsanlage.

Abstraktes und Rätselhaftes

Cordula Reyer, in Szene gesetzt von Elfie Semotan. - © IVO KOCHERSCHEIDT / Elfie Semotan / Studio Semotan
Cordula Reyer, in Szene gesetzt von Elfie Semotan. - © IVO KOCHERSCHEIDT / Elfie Semotan / Studio Semotan

Die Planungen an vielen künstlerischen Serien zeigen die achtzigjährige Grande Dame der österreichischen Fotografie mitten in der Arbeit, dabei hat sie auch ein Buchprojekt im Auge, das ihre und Kippenbergers Arbeit vereint zeigen soll. Die analoge Serie der "Wegwerffotografien" war von beiden schon während der gemeinsamen Zeit in den Neunzigerjahren auserkoren worden, das Arbeitsleben zu illustrieren, keine tagebuchartigen Bilder, kein Porträt wie das des Malers im Blumenprintkleid von Issey Miyake, sondern eine Zufallsabweichung ihrer Fotografien in abstrakte Muster, körnige Ausschnitte von Rätselhaftem. Bei Oberflächen ist abweichend von Seide, Spitze, Leinen auch ein besonderer Blick der Fotografin für Plastikfolien, Papiere und Planen zu erwähnen, gleichwertig inszeniert wie die von ihr geliebten Wald- und Grasdickichte, egal ob in Mafra, Texas, oder in Athinai, zwei Orte, an denen weitere großen Serien entstanden sind.