Einige wenige Namen tauchten zuweilen in den Ausstellungen von Kunstgewerbe 1900 bis 1930 immer wieder auf: Die Keramikplastiken von Vally Wieselthier, Gudrun Baudisch und Susi Singer erzielen bereits hohe Preise am Kunstmarkt, die Postkarten von Fritzi Löw, Adalberta Kiessewetter oder Mela Koehler werden wieder gedruckt und auch einige Stoffmuster kopiert, vor allem die von Maria Likarz, Reni Schaschl, Felice Rix, Else Unger und Mathilde Flögl sind zeitlos modern und überragen an Qualität eigentlich alles, was sich heute findet.

Möbeldesign, Metallbearbeitung und Architektur war aber, außer während der Ausbildung an der Kunstgewerbeschule, wo Frauen ab 1868 aufgenommen wurden, weiter Männersache. Immerhin gab es an der heutigen "Angewandten" aber neben Josef Hoffmann, Kolo Moser und Michael Powolny bereits Professorinnen - für Emailmalerei Adele von Stark, für Teppichweben Leopoldine Guttmann und für Textil Rosalia Rothansl.

Pionierarbeit: Wiener-Werkstätten-Stoffmuster "Backfisch" von Rose Krenn (1910/11). - © MAK / Kristina Wissik
Pionierarbeit: Wiener-Werkstätten-Stoffmuster "Backfisch" von Rose Krenn (1910/11). - © MAK / Kristina Wissik

Radikal moderne Formen

Die Kuratorinnen, Anne-Katrin Rossberg und Elisabeth Schmuttermeier, haben sich seit Jahrzehnten mit dem Thema befasst, die Digitalisierung der Exponate des Mak brachte weitere Künstlerinnen zum Vorschein, ein Suchaufruf ergänzte Leihgaben aus privaten Sammlungen und auch viele Lebensläufe konnten so endlich gefunden oder ergänzt werden. Natürlich gab es immer wieder Rückschläge für das Kunstgewerbe, man denke nur an Adolf Loos’ Schmähungen der Wiener Werkstätte, doch heute ist klar ersichtlich, dass es nicht nur um das "verruchte Ornament" ging.

Das Bauhaus und eigentlich noch die Buntheit von Memphis Design profitierten vom Reichtum dieser Zeit des Aufbruchs - gut zu sehen am Stoffdesign "Boston" von Schaschl.

In einer interessanten Ausstellungsarchitektur von Claudia Cavallar werden die besonderen Bereiche der Künstlerinnen erfasst- von Plakaten, Postkarten, Stoffen und Mode über Spitzen, Perlstickerei, Spielzeug, teils großformatige Keramik, Teppiche und nicht zuletzt auch Glas, Schmuck und Geschirr erstreckt sich eine erstaunliche Bandbreite.

Etwa 180 Künstlerinnen und 800 Werke zeigen teils radikal moderne Formen, besonders auf den Fotos von Kostümfesten lässt sich sehen, dass auch Japonismus und Primitivismus als neueste Strömungen Eingang fanden, da sind Kimonos, die gut zur Reformkleidung passten, und Stoffe die nicht nur afrikanisch wirken, sondern auch "Mombasa" heißen (Likarz 1928).

Bubikopf als Pflicht

Viele Entwürfe sind bis heute nicht gedruckt, die Ausstattungen der Verkaufslokale der Wiener Werkstätte in Wien und Berlin verloren, auch Ausstellungen, die Josef Hoffmann gestaltete, waren von den Künstlerinnen mit Wandmalerei, Holzkassetten, Keramikkaminen, Geschirr und Stoffen ausgestattet, egal ob in Paris, Wien oder Deutschland, die Beiträge von Dina Kuhn, Lotte Calm, Eilfriede Berbalk, Kató Lukáts fielen auf.

Teamwork gab es auch zwischen Dagobert Peche und Hilda Jesser, Oskar Strnad arbeitete mit zehn Künstlerinnen in München an der Kunstgewerbeschau 1922. Neben den geometrisch abstrakten Stoffmustern wie "Wetterleuchten" (Rix), "Tulipanen" (Camilla Birke), "Irland" (Likarz) ist das Blätterdesign von Martha Alber bereits durch Gustav Klimts Porträt von Johanna Staude in die Kunstgeschichte eingegangen.

Die neue Frauenrolle ab 1920 wird im Film "Episode" mit der jungen Paula Wessely vorgeführt, aber auch durch die Anordnung, dass die Verkäuferinnen in den Geschäften mit Bubikopf und Reformkleidern der Wiener Werkstätte erscheinen mussten. Auch Pölster, Schirmgriffe, Schals, Zigarrenschränke, Teewärmer, Taschen, Parfümflaschen, Bonbonnieren, Vasen, Tapeten und Packpapier verbunden mit den Namen Rose Krenn, Julia Sitte, Jutta Sika, Lotte Fink oder Lilly Jacobsen erweitern die spannende Pionierarbeit der Kuratorinnen.