Die in der Kunsthalle versammelten Positionen von 35 Künstlerinnen und Künstlern, auch Kollektiven, aus nahezu der ganzen Welt stellen sich während der Wiener Festwochen unter das Motto "Was, wenn ich mein Leben einer seiner Federn widmete?". Eine weitere ist Maria Hassabi in der Secession gewidmet.

Beim Ausstellungstitel "...and if I devoted my life to one of its feathers" handelt es sich um den Anfang eines Gedichts über einen Kolibri der chilenischen Künstlerin Cecilia Vicuña, die auch die größte, zentrale Installation "Burnt Quipu" in der Aufzeichnungsart der Inka-Geheimsprache mit Konten in bunten Filzstreifen von der Decke bis zum Boden beiträgt.

Bartolina Xixa versteht die Travestie als Gegenposition zu patriarchalen Strukturen: "Dry Twig, The Permanent Coloniality". - © film still, courtesy Maximiliano Mamani /B artolina Xixa
Bartolina Xixa versteht die Travestie als Gegenposition zu patriarchalen Strukturen: "Dry Twig, The Permanent Coloniality". - © film still, courtesy Maximiliano Mamani /B artolina Xixa

Aktivistische Positionen

Diese von den weißen Eroberern verbotene Kommunikation kehrt nun über die Kunst zurück. Obwohl die Schau bereits um ein Jahr verschoben wurde, konnte Kurator Miguel A. López aus Lima, der uns mit vielen, teils aktivistischen Positionen Lateinamerikas vertraut macht, nicht anreisen. Laura Amann von der Kunsthalle hat es übernommen, vom Kellergeschoß über die Gänge bis in die große Halle die 35 Positionen, teils mit mehreren Arbeiten, zu verteilen, wobei Skulptur von der Hausinstallation des Kollektivs Zapantera Negra über weiche Textilcollagen bis zu androgynen Keramikorganen von Sandra Salazar vertreten ist, daneben Teppiche, Videos, Malerei, Zeichnungen, Collagen, eine Marionettenprozession und Fotografie.

Wichtig ist aber die Grundthematik - oder besser die globale Struktur einer postkolonialen Sicht, wobei junge und ältere, schon bekannte Künstleraktivisten mit indigenen Gruppen zusammenarbeiten, die die Aktualität eins neuen Kunstgewerbes verkünden. In naiv anmutenden oder der Art Brut nahen Bildern und collagierten Textilien geht es um die Erhaltung der Natur gegen kapitalistische Interessen, dazu um Festhalten mündlicher Überlieferung der Kosmogonien einzelner, nicht selten vertriebener Stämme aus dem Amazonasgebiet und anderen Staaten.

Jim Denomie malt als Ojibwe-Angehöriger in den USA eindringlich in riesigen Wandbildern die Geschichte des Pipeline Projekts "Standing Rock" durch Sioux-Gebiet, wobei neben den auffahrenden Panzern auch Donald Trump auftaucht. Als riesiges Wandgemälde hält Prabhakar Pachpute in "A Plight of Hardship" gegenüber die Mühen und Nöte der indischen Wanderarbeiter fest, ein wanderndes Monster durch zerstörte Landschaften, das die Gesellschaft auch während der Pandemie in Bewegung hielt.

Zwei Dragqueens aus Peru und Argentinien, Germain Machuca und Bartolina Xixa, weisen auf die Travestie als Gegenposition zu patriarchalen Strukturen hin, wobei die aufgezwungenen Rasse- und Gender-Zuschreibungen durch den Tanz auf der Müllhalde und Zitate der Versehrtheit, frei nach Frida Kahlo, bekannte Muster bieten, während im Kellerbereich die Collagen des "ABC of Racist Europa" von Daniela Ortiz aus Cusco ein antikoloniales Kinder-Alphabet zeigen. Video-Beiträge aus Österreich von Anna Witt und Nilbar Güreş spüren Verbindungen zu Lateinamerika und den weltweiten künstlerischen Aktivisten auf.

Babylonische Sprachverwirrung

Auch das Petersburger Kollektiv Chto Delat, das vor einigen Jahren in der Secession gastierte, hat seine postsozialistische Plattform von Russland nach Mexiko zur Zapatisten-Bewegung erweitert. Für in den 1970er Jahren Sozialisierte kehrt nicht nur die Black-Panther-Bewegung mit einem Video der bereits verstorbenen schwarzen Peruanerin Victoria Santa Cruz zurück, sondern sie kollaboriert heute mit den Zapatisten zum "Würdigen Aufstand" der Zapantera Negra.

Im Eingangsbereich widmet sich der aus Aserbaidschan geflüchtete Babi Badalov der babylonischen Sprachverwirrung in einer Sprachinstallation an Wänden und auf Tüchern, wobei er die kyrillische und lateinische Schrift zu einer universellen Sprache vereint. Vorschläge zu "Detoxing Masculinity" des Ghanesen Amoako Boafo, der an der Wiener Akademie Malerei studierte, trifft auf Ähnliches in Fotografien Vitorino Brasilieros, die sich gegen die exotischen Blicke auf Transgender Spiritualität wenden. Nicht wirklich laut wird der Seitenhieb auf die hierarchischen Weltreligionen.

Die Zeichnungen von Maria Galindo & Danitza Luna proklamieren eine Zeit zu einer Wende für gleiche Bedingungen für Frauen. Die handgenähten Stoffcollagenbilder Sophie Utikals sprechen mit Augen einer Schwarzen in Berlin von "A New World is Coming", wobei alle an einem Strang ziehen. Auch Australien und Neuseeland, Irak, Guatemala oder Kroatien treten im politischen Appell für Diversität auf, der aber doch, bei aller Verwerfung, mit der westlichen Kunstszene korrespondiert. Ob die Methoden der Kunstinstitutionen sich radikal ändern werden durch diese Festwochenschau, bleibt offen.