"All eyes on Brigitte, now!" lautet das Motto der diesjährigen Vienna Design Week. Das bezieht sich nicht etwa auf die neue Leitung, denn der künftige Festivaldirektor heißt Roland Gabriel, sondern auf den kommenden Festivalbezirk Wien-Brigittenau. Im Zentrum des heutigen ersten Ausblicks auf das von 24. September bis 3. Oktober stattfindende Festival stand aber die Stafettenübergabe von Gründungsdirektorin Lilli Hollein, die an die Spitze des MAK wechselt, an Gabriel.

Hollein, die als Letzte des Gründungstrios (damals gemeinsam mit Tulga Beyerle und Thomas Geisler) die Design-Week-Leitung in Richtung eines Museums verlässt, bedankte sich bei ihrem Team, wünschte ein herzliches "Auf Wiedersehen im MAK" und bekam von ihrem Nachfolger einen Blumenstrauß überreicht. "Ich hab irrsinnig viel von dir gelernt", versicherte Roland Gabriel und meinte: "Eigentlich wollte ich sagen: Mach's gut - aber du wirst es sicher gut machen..." Davon zeigten sich auch Kunststaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) per Videobotschaft und Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) in einem Live-Statement überzeugt. "Wir sind absolut begeisterte Unterstützer", freute sich Kaup-Hasler auch auf die kommende Design Week.

"Am richtigen Ort"

Mit der Brigittenau könne man in einem sehr diversen Bezirk Station machen, sagte Gabriel. "Das richtige Produkt zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort", nannte Bezirksvorsteher Hannes Derfler (SPÖ) die Vienna Design Week. Hier entstehe nämlich auf dem Nordwestbahnhofgelände in den nächsten Jahren das größte Stadtentwicklungsprojekt Wiens für 15.000 Menschen. Derfler erwartet sich "moderne, für die Menschen geeignete Architektur. Ich hoffe, dass es hier sehr viele Impulse dafür geben wird."

Zur Festivalzentrale werden die 600 Quadratmeter großen Gewerberäume am Sachsenplatz in der Nähe der Wallensteinstraße. Ursprünglich stand hier eine Halle, die dem Lastwagenbau diente, danach wurden die Räume unter anderem vom Springer Verlag und als "Spacelab-Standort" eines vom WUK durchgeführten Jugend-Projekts genützt. Viele Kernprogrammpunkte des Festivals, aber auch Vorträge, Talks und Panels sowie ein Pop-up-Café wird es hier geben. Allzu viele Details über das kommende Festival, das zuletzt bei rund 200 Veranstaltungen an die 40.000 Besucher zählte, wurden am Mittwoch noch nicht verraten, denn "ein Festival wie dieses entsteht sehr spontan und sportlich", wie der neue Leiter verriet. Das vorläufig fehlende Gastland erklärte er mit den durch die Pandemie erschwerten Verhandlungen mit internationalen Partnern, kündigte aber bald dazu Informationen an. Sicher sei: "Das Format Gastland wird nicht gestrichen. Internationale Vernetzung bleibt ein zentrales Anliegen."

Über grundlegende Änderungen unter seiner Leitung könne er "noch nichts sagen. Ich arbeite seit fünf Jahren bei dem Festival und sehe keinen Grund, an der grundsätzlichen Ausrichtung etwas zu ändern." Das Team werde sich im Herbst nach diesem Festival intensiv damit auseinandersetzen, mit welchen neuen Schwerpunkten man den überall stattfindenden Veränderungen gerecht werden könne. Niederschwelligkeit bleibe sicher ein wichtiges Thema. "Lustvolle und schöne Objekte sind nicht alles - das war schon bisher die Botschaft. Die Gesellschaft kann viel von einer aktiven Auseinandersetzung mit dem Begriff Design profitieren. Da müssen wir sicher noch Wände einreißen." (apa)