Im Museumsverband mit Theatermuseum und Weltmuseum gab es unter Sylvia Ferino erste Versuche übergreifender Ausstellungen im Kunsthistorischen Museum, etwa zum Thema Masken. Nun hat sich ein Kuratorenforum gebildet, das in Zeiten von Corona zu einem interessanten gemeinsamen Ausstellungsprojekt zusammenfand und zudem partizipativ das Publikum online über eine Schreibwerkstatt, aber auch mit Leihgaben von Glücksbringern, einbezogen hat. Die lange verlangte Niederschwelligkeit im Umgang mit Kunstobjekten trifft auf Expertenwissen, wobei weiters der Versuch stimmig ist, Objekte vieler Kulturen in das Thema "Höhere Mächte" einzuspannen.

Naturgewalten und Götter

Die vier Säle der italienischen Sammlungen sind nach der Beethovenschau ein zweites Mal mit einer ansprechenden Inszenierung durch besondere Architektureinbauten von Johann Moser und BWM Architekten um rund 100 Objekte aus fast allen Sammlungen bespielt. Auch wenn Gerlinde Gruber (Gemäldegalerie), Rudi Rusatti (Theatermuseum) und Claudia Augustat (Weltmuseum) federführend waren, sind auch die anderen Sammlungen eingebunden, der Titel, frei nach Dieter Bonhoeffer, kam von Franz Kirchweger (Kunstkammer).

Wallensteins Horoskop-Amulett. - © KHM Museumsverband
Wallensteins Horoskop-Amulett. - © KHM Museumsverband

Die Beobachtung der an der Pestsäule am Graben abgelegten Votivgaben und Kerzen im Zuge der Corona-Pandemie gab den inhaltlichen Anstoß, Naturgewalten und Naturgötter, alle Religionen und auch die irdischen Mächte, wie die Versuche, durch Rituale Kontakt zu suchen und zu besänftigen, in den Fokus zu nehmen.

Der erste Raum bringt die vier Elemente, Jahreszeiten und Naturkatastrophen mit den Paradebeispielen Peter Paul Rubens (seine Gewitterlandschaft, die eher eine Sintflut zeigt), Pieter Bruegel (Der düstere Tag) und Giuseppe Archimboldo, aber auch einem Kostüm von Ernst Fuchs und Ernst Steiner für die personifizierte Luft (einen Countertenor) im Oratorium "Il Lutto dell’universo" von Kaiser Leopold I., das 1977 wiederaufgeführt wurde.

Es weist auf eine blaue Wand, die schräg den Raum durchschneidet wie eine Barriere aus dunklem Eiswasser. Auch der Sturmdämon O’ma der Tikuna im brasilianischen Regenwald tritt darauf maskiert mit drohendem Phallus auf. Zu den Wettergöttern gehören auch Jupiter, Indra und andere Allegorien, an der Rückseite werden Erde und Feuer in Gemälden und Objekten angesprochen, Erdbeben und sogar Überreste des 2018 in Rio de Janeiro abgebrannten Museu Nacional.

Im zweiten Saal sind die irdischen Mächte mit ihren Insignien und besonderen Kleidungen, vom Idealbild Kaiser Karls des Großen (Albrecht Dürers) bis zu Beamten-Abzeichen und Kronen versammelt, da trifft der Faltenrockharnisch von Markgraf Albrecht von Brandenburg auf das Kriegsgewand eines koreanischen Prinzen, die ägyptische Federnkrone des Pharao auf einen Federkopfschmuck der Luba aus dem Kongo; Waffen, Schwerter und Helme auf das Zepter eines Chiefs in Angola, eine Mitra des Papstes auf einen Tropenhelm aus Zeiten kolonialer Machtausübung.

Glücksbringer aus aller Welt

Einer düsteren Verhörszene von Alessandro Magnasco steht eine Gerichtsverhandlung aus China der Qing-Dynastie um 1893 gegenüber. "Die Schlacht bei Gaugamela" nach Charles Le Brun für Ludwig XIV. gewebt, der sich mit Alexander dem Großen verglich, beherrscht den Raum.

Der Wunsch des Menschen, mit höheren Mächten in Beziehung zu treten, folgt im dritten Saal, wobei nun Altäre und Glücksbringer aus allen Religionen vereint sind, neben einer Kasel, Rosenkränzen, Gebetsschnüren von Japan bis Tunesien sind Schamanenutensilien oder das Horoskop-Amulett Wallensteins zu finden.

Es ist das Logo der Ausstellung, denn: auch wenn es wem anderen gedient haben sollte, dient es wie Hasenpfoten, Fische, Laren oder Ekekos aus den Anden dem Glauben, Leben zu erhalten, wie all die Amulette, die den kranken Infanten Philip Prosper (Diego Velázquez) schützen sollten und zum Gemälde versammelt sind.

Was den Besuchern dieser Schau wichtig ist in Zeiten der Krise, kann in einem vierten Saal notiert und digital versammelt werden, auch die bereits eingelangten Texte zu den Objekten werden hier und im Katalog präsentiert.

Ausstellung

Höhere Mächte.

Von Menschen, Göttern und Naturgewalten KHM bis 15. August