Mit rechten Dingen geht’s da eindeutig NICHT zu. Das merkt man freilich nicht sofort, dass hier etwas nicht stimmt. Denn zunächst denkt man lediglich: Eine Kaffeemaschine halt, na und? Vermutlich ein besonderes Designerstück und deshalb in einer Vitrine. Bis es dann allerdings echt verrückt wird.

Ein bissl ist’s ja wie Magie, was der Alwin Lay (1984 im rumänischen Lugosch geboren, lebt und arbeitet in Köln) so treibt. Zwar ist er nicht Zauberer von Beruf, sondern Künstler, der vorzugsweise banale Alltagsgegenstände fotografiert und filmt, aber die benehmen sich bei ihm dermaßen unmöglich oder daneben (sprich unalltäglich), brechen sogar die Naturgesetze (zum Beispiel jenes, stets bloß so viel Espresso auf einmal zu machen, wie in eine Tasse passt), als hätte er "Abrakadabra" zu ihnen gesagt.

Der Anfang vom Klebeband stemmt den Rest der Rolle hoch und überlistet die Schwerkraft, ein Stück Kabelbinder wirft den falschen Schatten, nämlich den einer Gabel, und in einem kurzen Video schlüpft auf einem Tischtennisschläger aus einem weißen Ei ein Pingpongball. Und welchen Hokuspokus veranstaltet Lay nun in den Räumen der Untitled Projects? Er bringt eine Espressomaschine, die schwarz ist wie ihr Produkt, zum Verschwinden. Auf eine höchst originelle Weise. David Copperfield würde es sicher anders machen.

Die tödliche Langeweile der Haushaltsgeräte

Plötzlich beginnt das "Gerät zum Brühen von Espresso" jedenfalls . . . Espresso zu brühen. Tut also genau das, was es soll, doch das IST ja gerade das Irritierende, Verstörende. Weil es nimmer aufhört, zur unerschöpflichen, nicht versiegen wollenden Quelle wird, bis die Vitrine voll ist und es sich selbst ertränkt hat. Ein aufwändig als 36-teilige Fotoserie inszenierter Minimalismus. Oder Surrealismus? (Immerhin kommt mehr raus, als drinnen sein kann.) Wurscht. Nein, Kaffee.

Da geht noch was: Alwin Lays Espressomaschine ist noch nicht fertig. 
- © kunst-dokumentation.com

Da geht noch was: Alwin Lays Espressomaschine ist noch nicht fertig.

- © kunst-dokumentation.com

Starker schwarzer Humor ohne Milch und Zucker. Garantiert nicht entkoffeiniert. "mod. CLASSIC (black)": 14 Einzelbilder in "filmischer" Abfolge (die restlichen 22 sind nicht ausgestellt, so viel Platz IST in der Galerie nicht), auf denen der Kaffeespiegel nach und nach steigt und die suggerieren, sie würden ein außergewöhnliches Ereignis schlicht dokumentieren. Ohne Tricks. Selbstmord durch Überdosis? Oder tödliche Langeweile? Ist dem Haushaltsgerät fad ohne menschliche Gesellschaft? Witzig: In einem Interview hat Lay einst auf die Frage: "Eine typische Angewohnheit von Dir?", geantwortet: "Espresso trinken."

Nicht nur der Toaster steht aufs Schwarze Quadrat

Die gegenständliche Kunst tarnt sich am Ende als abstrakte. Zwangsläufig muss man bei der Schlusspointe (geflutete Vitrine) an Kasimir Malewitschs legendäres "Schwarzes Quadrat" (Entstehungsjahr 1915) denken. Nur dass der schwarze Würfel eben nicht flach ist. (Mein Toaster steht anscheinend ebenfalls auf diese Ikone der Moderne. Zumindest wirft er beim Frühstück gern lauter Kopien davon aus. Verkohlte Toastscheiben.) Sein ROTES Quadrat hat der russische Suprematist übrigens "Malerischer Realismus einer Bäuerin in zwei Dimensionen" betitelt. Entsprechend wäre Lays Kaffee-Kubus der "Skulpturale Realismus einer Espressomaschine in DREI Dimensionen".

Die Sicht wird immer schlechter: Benebelte "Top Race Drone" (Video von Alwin Lay). 
- © kunst-dokumentation.com

Die Sicht wird immer schlechter: Benebelte "Top Race Drone" (Video von Alwin Lay).

- © kunst-dokumentation.com

Nebenan dasselbe in Weiß: Schwebende weiße Drohne mit blauen Augen (Lamperln), die nicht vom Fleck kommt, wird im zunehmend dichter werdenden Nebel unsichtbar. Diesmal handelt es sich aber um BEWEGTE Bilder, um ein (kurioses) Filmchen. Hinterfotzige Beschaulichkeit. Unsere Sachen spielen Verstecken mit uns, tauchen ab in die Eintönigkeit ihres Daseins, in die blickdichte Monochromie.