Blau auf weiß steht da, wie Otto Hans Ressler den Kunstmarkt beurteilt. Blau auf weiß. Auch gut. Grün auf blau wäre schlimmer.

Otto Hans Ressler, 1948 geboren, der Österreicher ist einer der international renommiertesten Kunstexperten, 1986 übernahm er die Leitung der Kunstabteilung des Wiener Dorotheums, 1993 gründete er die Wiener Kunstauktionen, heute Auktionshaus im Kinsky.

Ressler hat Erzählungen und Romane geschrieben sowie Sachbücher, die sich vor allem mit dem Kunstmarkt kritisch auseinandersetzen. Auch sein jüngstes Buch, "Dort endet die Kunst", befasst sich mit dem Wert der Kunst und dem Kunstmarkt, ist, mit Anekdoten aufgehellt, prickelnd amüsant zu lesen und geradezu ein Muss für jeden, der sich für Kunst, und sei es auch nur laienhaft, interessiert - eben, weil es ein echtes Lesevergnügen ist.

Oder "wäre" - denn die Entscheidung des Verlags, konsequent blau auf weiß zu drucken, ist, gelinde gesagt, bizarr. Eine Verlags-Marotte, die nichts bringt.

Doch es wäre unfair, das dem Text anzulasten.

Glänzende Einsichten

Ressler ist brillant: Seine Charakterisierung von Künstlern (Maria Lassnig mit der Verweigerung des Alterns, Hermann Nitsch beim Wein, Anselm Glück als Widersprüchlichkeit auf zwei Beinen) ist glänzend. Gleich will man ihre Bilder sehen! Dann wieder fabelhafte Einsichten in den Kunstmarkt: Wie kommt es zu den teilweise exorbitanten Preisen? Setzt der Experte den Wert von Kunst fest? "Und da heute ,Wert‘ und ,Preis‘ als so gut wie identisch angesehen, zumindest aber ständig verwechselt werden, erzielen die höchsten Preise die Werke jener Künstler, die es geschafft haben, berühmt zu sein." Ein wahrer, aber niederschmetternder Satz für jeden, der die Kunst als letztes Refugium der Wahrheit hielt. Und wie wird man berühmt? - Wie war das doch gleich im Fall von Banksy?

Resslers Handreichung für den Leser, um sich selbst mit Kunst auseinanderzusetzen? - Den Mut haben, sich zur eigenen Meinung zu bekennen, selbst, wenn Experten anders urteilen. Deren Meinungen können aber ein Stimulans sein für die eigene Auseinandersetzung mit einem Kunstwerk.

Und obwohl Ressler sich da nur auf Kunst bezieht, lässt sich diese Erkenntnis auf Literatur und Musik ebenso anwenden.

Welch ein fulminantes Buch! Das hätte glatt auch schwarz auf weiß Freude gemacht.