"Das ist eine wunderbare Sommerausstellung, leicht und fröhlich." Nachsatz: "Und die Farben sind schön." Ja, eh. Nichtsdestoweniger kann ich das jetzt nicht einfach so stehenlassen. Schließlich sind das die Worte des Galeristen und der ist wohl nicht ganz unvoreingenommen. Stimmt natürlich: Bei der Hitze VERTRÄGT man keine schwere Kost. Das heißt freilich nicht, dass SALAT-Blätter an den Wänden hängen würden. (Dann hätte der Ernst Hilger vermutlich gesagt: "Leicht und knackig", und: "Schön grün.") Oder dass Skulpturen, besonders aus Stein, nur was für den Herbst und Winter wären. Außerdem hat die Galerie eine Klimaanlage.

Die Blätter sind jedenfalls nicht zum Essen. Und sie sind von jemandem mit einem berühmten Namen: Avramidis. Allerdings handelt es sich nicht um "den" Avramidis, den 2016 verstorbenen Bildhauer, der ständig hinter der puren Form her gewesen ist, die menschliche Figur auf ihre Essenz reduziert hat, sondern um DIE. Seine Tochter. Julia Avramidis.

Blau, Gelb und Pink verdichten sich bei Julia Avramidis zur dynamischen Form. 
- © Copyright: Galerie Ernst Hilger

Blau, Gelb und Pink verdichten sich bei Julia Avramidis zur dynamischen Form.

- © Copyright: Galerie Ernst Hilger

Die Landschaft liegt in der Gegend herum

"Nichts als Bilder mit Licht und Bewegung" verspricht der Titel der Schau. Na ja, Farben helfen ebenfalls mit bei der guten Laune. (Stimmungsaufheller wie Pink, Orange, Gelb . . .) Und sooo unkompliziert ist das selbstverständlich auch wieder nicht. Ölfarbe, Pastellkreide, Grafit, Faserstift, Leinölfirnis und bunte Aerosole aus der Spraydose auf Papier, hallo? "Mischtechnik" klänge simpler. Klänge, wohlgemerkt. Wäre es aber nicht.

Energiegeladene Linien und Gesten wachsen zu geballter Dynamik zusammen, vereinen sich mit zarten Flächen zu lyrischen Stimmungen, zu organischen "abstrakten" Formen, Gewächsen, die ein Vielleicht sind, Assoziationen wecken mit Landschaften, die über den Bildrand blicken, oder mit Figurativem oder beidem gleichzeitig. Eine Landschaft ist doch irgendwie genauso eine Liegende, ein anatomisches Gelände, liegt gemütlich draußen in der Gegend herum. Sonnt sich in einem warmen Kolorit oder kühlt sich mit schattigen Blautönen ab.

Angst vor der Leere hat die Künstlerin eindeutig keine. Das weiße Blatt ist da halt nicht bloß die Bühne, auf der die Malerei ihren Auftritt hat (Blätter, die die Welt bedeuten – die Bildwelt), es spielt selber prominent mit. Weil ein Bild nicht zwangsläufig erst fertig ist, wenn es voll ist. Und manchmal ist sogar ein putziger kleiner Mops mit Glubschaugen in der Galerie. (Die arbeiten echt mit allen Tricks.)