Die ersten Direktoren des modernen Museums in Wien, Werner Hofmann und Alfred Schmeller, sahen Josef Pillhofer (1921-2010) als den strengsten Bildhauer Österreichs nach 1945, der über Fritz Wotruba hinaus einen eigenen Weg in die Abstraktion fand. Sein "Mann mit ausgestrecktem Arm" 1950 zeigt das Öffnen der Blockhaftigkeit Wotrubas in eine neue Dynamik. Sie kehrt besonders in seinen im gleichen Jahr begonnenen Raumkonzeptionen aus Blech bis ins Jahr 1996 mit "Orkan in Manhattan" wieder. Allerdings geschah diese Wende mehr durch französische Einflüsse als durch Anton Hanak oder Wotruba, bei dem er früh als Assistent arbeitete, bis er eine Professur an der Grazer Kunsthochschule übernahm. Wie viele internationale Kollegen war Pillhofer auch ein außerordentlicher Zeichner, seine Studien aus dem Etruskermuseum der Villa Giulia in Rom oder von Tänzerinnen und Felslandschaften stehen den vielen Experimenten im skulpturalen Schaffen bis in seine späten Jahre um nichts nach.

Anregungen aus der Antike

Das Leopold Museum unternimmt erstmals den Versuch, die internationale Vernetzung Pillhofers durch Gegenüberstellungen von Auguste Rodin bis Henri Laurens, aber auch Wilhelm Lehmbruch bis Maria Lassnig in einem spannenden Rundgang vorzuführen. 190 Exponate stehen einander gegenüber, mischen sich harmonisch und verfolgen eine 70-jährige Schaffenszeit, die auch den Bezug zur Archaik und sogar zur Ur- und Frühgeschichte nicht vernachlässigt, da der Künstler vor allem durch die steinzeitliche Venus vom Galgenberg bei Krems wie auch durch die alten Ägypter, Griechen und Römer starke Anregungen aufnahm. In einer Zeit, als alle nur dem eigenwilligen persönlichen Stil frönten, tadelte Pillhofer die Kollegen dafür, ohne Vorbilder auszukommen. Er widersetzte sich auch der Vorstellung manches Wiener Kollegen, entweder der Abstraktion oder dem Realismus allein seine Aufmerksamkeit zu schenken, und betrieb bereits postmodern beides konsequent nebeneinander. In Sachen Antike steht er seinem griechischen Kollegen Joannis Avramidis nahe, die Freundschaft zu namhaften Kunsthistorikern bewirkte auch die Auseinandersetzung mit der erneuten Rezeption Paul Cézannes - "Vater von uns allen" - nach 1945.

Die Dynamisierung seiner Ideen und Figuren begann durchein einjähriges Staatsstipendium in Paris, wo ihm der Direktor des modernen Museums Zutritt zu den Ateliers von Germaine Richier, Alberto Giacometti und vor allem dem Weißrussen Ossip Zadkine verschaffte. Bei ihm an der Académie de La Grande Chaumière blieb er, um weiter zu lernen. Sichtbares Ergebnis ist die Skulptur "Radfahrerin", die auch die kubistischen Ansätze Pablo Picassos einbringt.

Pillhofer beschrieb seinen Lehrer Zadkine als "krächzenden Hahn" aber "großartigen Lehrer". Er befreundete sich mit dem Dichterpaar Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Im Atelier von Constantin Brancusi, dessen Einfluss in seinen "Einformen" spürbar wird, sah er einen nach der Philosophie Hegels das Absolute Suchenden. So wurde Brancusis Endlossäule und der Wechsel der Materialien auch für Pillhofer zu einem wichtigen Thema, genauso wie der Torso und die unruhige Oberfläche im Werk Rodins oder Medardo Rossos. Pillhofer ist weniger existentialistisch als Giacometti mit seinen unruhigen Chiffren von schattenhaft schlanken Menschenfiguren - auf der Suche nach einem neuen Humanismus nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie aber alle beide. Selbst in den 90er Jahren verließ Pillhofer die Schaffenskraft nicht, er griff mit "Assurbanipal" noch einmal auf die blockhafte Figurensprache Wotrubas zurück, um sie durch schwere Geste des rechten Arms wieder zu aktualisieren; während eines Bildhauersymposiums in Ägypten verwirklichte er 2000 die drei Meter hohe Granitskulptur "Ägyptischer Denker", daneben entstanden im Atelier realistische Akte und Porträts, aber auch die leichten und geschwungenen Bleche. Die größte davon verwirklichte er für das Liaunig Museum in Neuhaus aus Stahl im freien Landschaftsraum noch 2008.