Hightech-Mittel für Umwelt und Menschenrechte, Cyber- Arts mit politischen, klingenden Arbeiten und eine Konfrontation mit dem Klimawandel bietet das Festival Ars Electronica, das am Mittwoch zum 34. Mal in Linz eröffnet und heuer unter dem Motto "A New Digital Deal" bis 12. September läuft.

In der Cyber-Arts-Ausstellung im OÖ Kulturquartier werden die mit dem Prix Ars Electronica ausgezeichneten Projekte präsentiert. Zu sehen sind unter anderem politische, anspruchsvoll umgesetzte Klang-Arbeiten. Der Weg gehe "immer stärker weg von Konzeptkunst hin zur Entwicklung von Szenarien", sagte Ars-Electronica-Direktor Gerfried Stocker bei einer Presseführung am Dienstag.

Eine Position zu Beginn der Präsentation ist dem heuer an den Folgen von Covid-19 verstorbenen Ars-Electronica- und Klangwolke-Mitgründers Hannes Leopoldseder gewidmet. Stocker hob dessen Gespür, sich von der Ars Electronica inspirieren zu lassen und die Themen für die Gesellschaft umzusetzen, hervor.

Als "intensive, politische Arbeit mit historischem und selbstgeneriertem Material" beschrieb Kuratorin Genoveva Rückert den Sieger der Prix-Kategorie Computer-Animation. In der Arbeit "When the Sea sends forth a Forest" widmet sich der Chinese Guangli Liu in eindrücklichen Bildern der Geschichte der chinesischen Bevölkerung Kambodschas, die in den 1970er-Jahren von den Roten Khmer verfolgt wurde.

Bewegungen einer Laborratte

Eine lobende Erwähnung in dieser Kategorie erhielt das Werk "Vastum" des niederländischen Künstlerinnenduos L.A. Raven, das nur durch ein Guckloch in der Wand zu betrachten ist. Zu sehen ist die computergenerierte Figur eines Mädchens, das an einem Gendefekt leidet und versucht, sich den Blicken des Publikums zu entziehen, und zwar in seltsam anmutenden Bewegungen, die aus jenen einer Laborratte entwickelt wurden.

"Cloud Studies" der Gruppe Forensic Architecture gewann die Kategorie Artificial Intelligence and Life Art. In einem "Epos in zehn Kapiteln", sagte Rückert, untersuchte das Kollektiv giftige Wolken aus Tränengas und weißem Phosphor, was Herkunft und Auswirkungen betrifft.

Eine lobende Erwähnung bekam hier der für seine provozierenden Projekte bekannte Paolo Cirio für sein Werk "Capture". Es thematisiert die Gesichtserkennung, die laut dem Künstler von Behörden und Unternehmen in Europa ohne klaren rechtlichen Rahmen eingesetzt wird. Cirio filterte Polizisten aus Fotos, die bei Protesten in Frankreich aufgenommen wurden, mittels Gesichtserkennung heraus und plakatierte sie als Street-Art-Poster in ganz Paris.

Die Medienkünstlerin und Naturwissenschafterin Spela Petric lässt in "PL’ai" Gurkenpflanzen und einen Roboter miteinander spielen und dabei ein neuronales Netzwerk aus Drähten mit farbigen Kugeln und den Ranken der Pflanzen entstehen. Ihre Prämisse sei, dass alle Organismen spielen, sagte Petric über ihre Arbeit.

"Convergence", das Siegerprojekt in der Kategorie Digital Musics and Sound Art des deutschen Künstlers Alexander Schubert, bezeichnete Rückert als "großes Bühnenstück". In der Performance spielen menschliche Musiker gemeinsam mit von künstlicher Intelligenz generierten Avataren. Die Musiker werden bei ihrem Auftritt instruiert, die Avatare beginnen, zu interagieren.

Eine Acht-Kanal-Audio-Installation des US-Amerikaners Douglas McAusland füllt den großen Ursulinensaal. McAusland spielt als Elektronik-Performer ein Duett mit dem Kontrabassisten Aleksander Gabrys, der spezielle Handschuhe trägt, die an eine künstliche Intelligenz gekoppelt sind.

Im Keller nimmt Rashin Fahandejs "A Father’s Lullaby" einen Raum ein. Die US-Amerikanerin thematisiert Ungleichbehandlung aufgrund von ethnischer Herkunft im US-Strafvollzugswesen.

Der heuer erstmals ausgeschriebene Isao-Tomita-Spezialpreis ging an "Apotoma" von Khyam Allami und Counterpoint. Es sind "zwei Programme, die über unser westliches Notationssystem hinausgehen", sagte Rückert. Die Preisträgerinnen und Preisträger erhalten ihre Trophäen, die Goldenen Nicas, am Freitag bei den Prix Awards in Linz überreicht.

"There Is No Planet B" heißt eine mit dem Klima- und Energiefonds entwickelte Ausstellung, die in künstlerischen Projekten, Themenstationen und praktischen Beispielen eine Konfrontation mit dem Klimawandel darstellt. "Es gibt keinen Planeten B, aber wir können mit Bewusstsein und Besonnenheit, mit unserem Plan B, mit neuer Herangehensweise notwendige Änderungen einleiten", sagte Stocker bei einer Presseführung.

War das Ars Electronica Festival im Vorjahr pandemiebedingt hybrid, ist es heuer ein duales Festival. "A New Digital Deal" wird von Linz und aus 86 Orten, "Gardens" genannt, auf allen Kontinenten bespielt.