Mit den Malern Raden Saleh aus Java, Osman Hamdi Bey aus Istanbul und dem ehemaligen persischen Hofmaler Hakob Hovnatanyan, der 1806 in Georgien geboren wurde, kommen drei in diplomatischen Diensten tätige in ihren Ländern berühmte Künstler zu Wort. Solange die nationale Ausrichtung der Österreichischen Galerie vorrangig war, blieben sie im 20. Jahrhundert Randerscheinungen des Historismus. Ihre großformatigen Gemälde waren ständige Ladenhüter im Depot. Salehs "Kämpfende Tiger" von 1870 waren als Leihgabe im früheren Völkerkundemuseum, da die Tiger um einen getöteten Einheimischen der ehemaligen niederländischen Kolonie kämpfen.

Kurator Markus Fellinger kam nicht nur wegen der aktuellen Umorientierung zu Inhalten der Weltkunstgeschichte auf die drei Künstler, deren Karrieren an den monarchischen Höfen sehr erfolgreich waren, die auch heute wieder, wie Osman Hamdi Bey, auf dem Kunstmarkt eine hohe Stellung einnehmen. Speziell die vielen Anfragen und Leihansuchen der letzten Jahre regten Fellingers Blickrichtung an.

Der gebürtige Armenier Hakob Hovnatanyan malte Naser ad-Din, den Schah von Persien, als großes Porträt zum Zweck der Repräsentation. - © Belvedere, Wien / Johannes Stoll
Der gebürtige Armenier Hakob Hovnatanyan malte Naser ad-Din, den Schah von Persien, als großes Porträt zum Zweck der Repräsentation. - © Belvedere, Wien / Johannes Stoll

Westliche Einflüsse

Saleh hatte in Holland studiert, sich diesen Stil angeeignet, und da es keine Tradition der Ölmalerei in seiner indonesischen Heimat gab, konnte er sich in Java zum ersten Künstler im europäischen Sinn hocharbeiten. Die Verbindung zu europäischen Adelshäusern führte zur Schenkung seines Tierbilds an Kaiser Franz Joseph.

Während der 28 Jahre in Europa gab er sich als Dandy-Typ, später, ab 1852, zurück in Java als orientalischer Prinz: Malerfürsten wie Hans Makart lassen grüßen. Nachdem er in Verdacht geriet, einen Aufstand angezettelt zu haben, kehrte er für drei Jahre nach Europa zurück, um mehr Freiheiten zu genießen.

Der Armenier Hovnatanyan war im Kaukasus geprägt vom Zarenreich, Einflüssen des Osmanischen und Persischen Reichs. Er kam aus einer Künstlerfamilie. Seine lokale Tradition wurde allerdings durch den Realismus europäischer akademischer Prägung abgelöst. Vor allem war er ein bekannter Porträtist. Als Hofmaler des Schahs schuf er dessen überlebensgroßes Repräsentationsbildnis in ganzer Figur, das in Haltung, Kleidung und Hintergrund sehr wohl vergleichbar ist mit jenem des jungen Kaisers in Österreich. Je länger der Künstler in der neu gegründeten Hauptstadt Teheran weilte, desto mehr nahm er von Buchmalerei und Lackbildern aus der Tradition an und entfernte sich von den europäischen Einflüssen.

Osman Hamdi Bey war als Sohn eines adoptierten Sklaven eines Großwesirs der Botschafter des Osmanischen Reichs in Wien. Er studierte in Paris und wechselte von Jus zu Malerei. Ausgebildet wurde er bei Orientalisten wie Léon Gérôme und dem Salonmaler Gustave Boulanger. Sein Gemälde "Über den Koran meditierend" von 1902 zeigt den meist im Anzug gekleideten Diplomaten in türkischer Tracht.

Enttäuschte Erwartungen

1868 kehrte er nach Istanbul zurück, betreute archäologische Ausgrabungen und spielte als Kultursprecher für die Aufteilung antiker Funde mit Europa eine Rolle, aber auch für die Kommission zur Beteiligung an der Wiener Weltausstellung 1873. Wie den anderen Künstlern, ging es auch bei ihm um Ordensverleihungen durch das Kaiserhaus. Die Hoffnung Österreichs, im Gegenzug zum Bildankauf über den Pariser Salon mehr archäologische Funde zu bekommen, erfüllte sich nicht. Nach Gründung der ersten Kunstakademie und auch eines Museums, erarbeitete Hamdi Bey 1884 ein Gesetz zum Schutz der Ausfuhr antiker Kulturgüter. Nach Beteiligung an der Ausgrabung des Alexandersarkophags in Sidon und vielen Aufenthalten in Wien malte der Künstler mit "Der Schildkrötenerzieher" das heute berühmteste Werk eines türkischen Künstlers überhaupt, bevor er 1910 in Istanbul starb.

Die ehemaligen Monarchien in Ost und West zeigten sich erstaunlich offen gegenüber dem Austausch von Weltkunst im heutigen Sinn; ihre drei Vermittler sind jedenfalls spannende Weltbürger des 19. Jahrhunderts, einer Epoche, die dem Belvedere sicher auch noch andere Dialogblicke aus den Tiefen seines Depots ins Licht der Ausstellung ermöglicht.