In der Beethovenausstellung des Kunsthistorischen Museums gab es die Installation "Concert for Anarchy" der 1944 geborenen Multimediakünstlerin Rebecca Horn mit von der Decke verkehrt baumelndem Klavier, das seine Tasten ausspeit, schon als Vorgeschmack auf diese wunderbare Konzentration eines wichtigen Werklaufs. Bettina M. Busse hat als Kuratorin wesentliche Arbeiten ab 1970 nach Wien holen können und das von Papierarbeiten über Foto und Film bis zu den kinetischen Skulpturen und großen Installationen. Horn konnte sich ab 1972, nach der documenta 5 Harald Szeemanns, wo sie als jüngste Künstlerin auftrat, schnell neben Performern wie Joseph Beuys oder Franz Erhard Walther mit eigenständigen Ideen etablieren, sie arbeitete viel im Team, hier in Wien im Theaterpavillon von Steinhof 1986 mit Arte-povera-Star Jannis Kounellis, aber auch mit Schauspielern wie Donald Sutherland und Otto Sander.

Ausloten von Grenzen

Horns Werkvorgang in Schritten beginnt mit Zeichnungen und Collagen nach einer Idee, Erfindung einer Geschichte, also eines Texts, wandert weiter zum Film und erweitert sich zu Skulpturen, performativen Handlungen und Installationen für ganze Räume - so sehr, dass es manchmal um das Ausloten von Grenzen geht. Vielstimmig und ambivalent, ein wenig am "Theater der Grausamkeit" Antonin Artauds orientiert, integriert sie animistische Elemente und Metamorphosen zwischen Mensch und Tier, die mit kleinen und großen Maschinen kombiniert, poetisch Angriffe auf Herz und Nerven starten. Nicht von ungefähr tauchen Ahnherren des Absurden wie Franz Kafka oder Samuel Beckett schon anfangs mit dem anarchistischen Klavier auf. Im Eingang ist die große Installation der Biennale in Venedig 1997, "Concerto die Sospiri", zu finden, ein Haufen von Bauschutt, der mit Kleidern und Luren ähnlichen Instrumenten bestückt einen apokalyptischen Eindruck vermittelt. Daneben weist die zarte Kombination "Die jungfräuliche Empfängnis" nur auf schöne Poesie hin.

Kinetische Liebschaft von Gewehren. - © Gregor Titze / Bank Austria Kunstforum Wien / Rebcca Horn, Bildrecht Wien 2021
Kinetische Liebschaft von Gewehren. - © Gregor Titze / Bank Austria Kunstforum Wien / Rebcca Horn, Bildrecht Wien 2021

Zweischneidig geht es weiter im Hauptraum mit "Die Pfauenmaschine" und "Hydra Piano", dem "Dialog der Hämmer" und dem "Pendulum mit Straußenei", zärtlich-erotische Elemente treffen mit Caput Mortuum-Pigment plus Asche auf Endlichkeitsmythen. Dazu ist im Nebenraum die aggressive, gefährliche Liebschaft zweier Gewehre, die rote Farbe auspusten, gehängt: Nach "High Moon" gerät die Betrachterin zwischen zwei Pistolenläufe vor Spiegeln im "Raum der gegenseitigen Zerstörung" von 1992. Der feministische Aspekt darf nicht vergessen werden, das Schießen von Niki de St. Phalle war auch Reaktion auf die misogyne Kunstszene. Horns "Weißer Körperfächer", die prothesenartigen "Handschuhfinger" und das "Einhorn" aus den frühen siebziger Jahren waren für die feministischen Avantgarde-Künstlerinnen in Wien prägend: Birgit Jürgenssen oder Linda Christanell sind mit ihren zarten Stoffobjekten für Performances ohne das Vorbild Horn kaum zu denken. Horn ist wie Jürgenssen selten vor großem Publikum aufgetreten, sie nutzte die Räume ihres Studios in New York für ihre Inszenierung mit Objekten vor der Kamera. Dabei waren Federn, Haare, aber auch Bandagen wichtig, wobei sie ihrerseits wieder Anregungen von Yoko Ono und den japanischen Fluxus-Künstlern angenommen hat.

Kakadu-Maske

In einem kleinen Filmraum sind Performances, aber auch die Spielfilme der Künstlerin zu sehen, die zu manchem kinetischen Objekt oder Fotocollagen erklärend ergänzen. Ihre Bleistift- und Kakadu-Maske wurde im Innenraum, die den Körper umfangenden roten Wände "Im Dreieck" 1973/74 im Freien getragen. Nach 1980 konzentrierte sich Horn auf die kleinen und großen kinetischen, mit kleinen Motoren angetriebenen Installationen wie jene mit Türen, "Cutting through the Past", 1992/93 oder "Die kleine Witwe" aus schwarzen Rabenfedern von 1988, die im Film "Der Eintänzer" eine wesentliche Rolle spielte. Das Universum Horn endet mit dem akustisch intensiven "Dialog der Silberschaukeln", einem Liebesthermometer und dem Kratzen auf "Peters Geige".