Hermi und Fritz Schedlmayer sammelten bis zu ihrem Tod nicht nur die Werke des Architekten und Designers Otto Prutscher (1880-1949), sondern auch deutsche und österreichische Expressionisten. Damit stehen sie dem Sammlerpaar Elisabeth und Rudolf Leopold nahe, auch weil sie ihre 1989 in Baden bei Wien gekaufte Villa zu einem neuen Salon umwandelten, den sie für Kunstinteressierte öffneten. Nach großzügigen Schenkungen von Werken Prutschers, anlässlich dessen Personale im MAK 1997, hat Hermi Schedlmayer bis zu ihrem Tod 2018 an der 2020 erschienenen doppelbändigen Monografie Prutschers mitgearbeitet. Ihr Sohn, Martin Kopatschek, hat nun mit Kurator Ivan Ristić an der Schau im Leopold Museum mitgewirkt. Im Katalog schreiben zudem die Experten Rainer Metzger und Daniela Gregori über die Villa und die Ausstattung Prutschers.

Keine Rekonstruktion

Diese Villa, deren Geschichte der erste Saal gewidmet ist, gehörte ehedem dem Kaufmann Moriz Rothberger und seiner Frau Karolina Tremmel, die sie 1912/13 von Prutscher umgestalten ließen, wobei aus einem banalen Nutzbau ein Schmuckstück wurde. Denn die großen Vorbilder waren das von Josef Hoffmann im Sinn des Jugendstil-Gesamtkunstwerks gestaltete Palais Stoclet oder die Villa Primavesi. Nachdem Rothberger 1938 enteignet wurde und auswandern musste, kam das Haus an Zwischenbesitzer, das Inventar wurde verkauft und unauffindbar verstreut. Auch wenn Fotos existieren, ging es den Schedlmayers nicht um eine Rekonstruktion, sondern sie versuchten dem Gebäude mit neuen Sammlungsstücken zum alten Glanz zu verhelfen.

Anton Faistauers "Damenbildnis" (1929). - © Leopold Museum / Thumberger
Anton Faistauers "Damenbildnis" (1929). - © Leopold Museum / Thumberger

Sie kauften einerseits Lampen, Vasen, Gläser, Uhren und Möbel, aber auch Schmuck wie den besonderen grünen "Geflügelten Skarabäus", von Prutscher, aber auch Werke von Hoffmann, Michael Powolny, Eduard Klablena oder Berthold Löffler. Von Prutscher waren es Hauptwerke unter den Ausstattungstücken wie Kamintüren aus Metall, eine Ausstellungsvitrine, die schon in der Kunstschau von 1908 Aufsehen erregt hatte, gefüllt mit wunderbaren Glasarbeiten und Keramik, aber auch die "Große Vase auf Säule II". Diese besonderen Werke sowie weitere aus dem Umfeld der Wiener Werkstätte und all der Firmen, die mit den Professoren der ehemaligen Kunstgewerbeschule wie Prutscher zusammenarbeiteten, nehmen den Hauptsaal der Ausstellung ein.

Eine Ausstellungsvitrine von Otto Prutscher aus dem Jahr 1908. - © Mak - Museum für angewandte Kunst
Eine Ausstellungsvitrine von Otto Prutscher aus dem Jahr 1908. - © Mak - Museum für angewandte Kunst

Ergänzt werden die über Jahrzehnte erworbenen Jugendstilwerke durch Bilder und bekannte Druckgrafik, gekauft hat das Ehepaar auf internationalen Auktionen, wobei Prutscher für Hermi Schedlmayer auch ein privates Forschungsprojekt wurde, da sie beobachtete, dass sehr wenig über sein Werk bekannt war. So konnte sie mehr und mehr als Expertin für Ausstellungen herangezogen werden, wie auch im Belvedere 2008 zum hundertjährigen Jubiläum der Kunstschau. Einige Porträts von Broncia Koller-Pinell werden ergänzt von der zweiten Sammelschiene der Schedlmayers, die wiederum mit Rudolf Leopold Übereinstimmung zeigt: Ölbilder und Grafik, sowie einige Plastiken des österreichischen und deutschen Expressionismus. Herbert Boeckl, Anton Faistauer, Jean Egger, Alfons Walde, Anton Kolig und Franz Wiegele hängen im letzten Saal neben Plastiken von Otto Eder und Georg Kolbe.

Wiener Kinetismus

Von den deutschen Expressionisten sind Christian Rohlfs, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Max Pechstein mit besonderen Papierarbeiten zu finden. Einen Schwerpunkt bildet Otto Müller mit besonderen Ölbildern und Gouachen, Lyonel Feininger und Franz Radziwill sind interessante Ausreißer, aber auch ein Aquarell von Ernst Wilhelm Nay. Er eröffnet die Nachkriegszeit mit den Österreichern Wilhelm Thöny, Gerhart Frankl und Hans Fronius. Der Wiener Kinetismus mit der Hauptmeisterin Erika Giovanna Klien, aber auch die bunten Keramiken von Vally Wieselthier und Susi Singer bilden neben Carry Hauser weitere Varianten eines vielfältigen Blicks auf die klassische Moderne in der Sammlung eines Pharmaindustrie-Unternehmers.