Der steirische herbst verfügt über ein umfangreiches Archiv, das im Keller des Palais Attems beinahe dem Verfall preisgegeben war. Mit einer Sonderzahlung von 120.000 Euro seitens des Landes kann das Material nun fachgerecht gereinigt und sicher aufbewahrt werden, hieß es bei einer Pressekonferenz am Freitag in Graz. Eine neue Retrospektive-Website ermöglicht Einblicke in vergangene Festivals und ein Programm für Studierende soll einen praktischen Zugang ermöglichen.

Das Archiv des steirischen herbstes lagerte lange Zeit im nicht unbedingt trockenen Keller des Palais Attems - liegt das Gebäude doch fast am Ufer der Mur. Seit 2018 wurde damit begonnen, das Archiv neu zu strukturieren und internationalen Standards anzupassen. "Man muss nicht alles digitalisieren, aber registrieren und dokumentieren", betonte herbst-Intendantin Ekaterina Degot. Kulturlandesrat Christopher Drexler (ÖVP) sprach von einem "untragbaren Zustand", in dem sich das Archiv befunden habe. In Zusammenarbeit mit der Steiermärkischen Landesbibliothek und dem Universalmuseum Joanneum wurde das Material, welches das Festival seit seinem Beginn 1967 dokumentiert, gerettet.

Präsenzbibliothek und Mediensammlung

Die Akten wurden gereinigt, geordnet, neu indiziert und in einem höheren Bereich des Palais gelagert. In den Archivräumen befindet sich nun eine Präsenzbibliothek mit rund 3.000 Publikationen des Festivals, ein Presse- und ein Aktenarchiv mit Schriftstücken und Drucksorten, die zum Teil derzeit gerade erfasst werden. Weiters gibt es eine Mediensammlung mit ungefähr 800 DVD, 500 Ton-, Video-und Filmaufnahmen sowie 145 Fotoboxen.

Neu ist auch eine zweisprachige Retrospektive-Website, die eine Übersicht über die Programme der Festivals gibt. Sie wurde nach den Intendanzen strukturiert und bietet auch Texte über verschiedene kuratorische Perioden sowie Biografien, Fotos und Videos.

Um die Kluft zwischen Theorie und Praxis zu schließen wurde auch ein Programm für Universitäten ins Leben gerufen. Es handelt sich um eine Zusammenarbeit zwischen dem steirischen herbst und kunst- und kulturwissenschaftlichen Abteilungen österreichischer Unis. Diskussionen und Workshops werden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Festivals angeboten und geben den Studierenden die Möglichkeit, tiefer in den steirischen herbst einzutauchen. Die Veranstaltungen werden ganzjährig angeboten, zusätzlich soll es Stipendien für Forschende und Kunstschaffende geben. (apa)