Er existierte nur gut zehn Jahre, war von seiner Gründungsstunde an von heftigen Debatten und Streitigkeiten gezeichnet und prägte die Kunst der Nachkriegszeit dennoch maßgeblich: der 1947 gegründete internationale Art Club Wien. Der verbindende Gedanke war klar: sich absetzen von der Ästhetik des NS-Regimes und internationalen künstlerischen Austausch pflegen.

Welche Rolle spielten Frauen bei diesem Neubeginn? Welchen Einfluss hatten sie innerhalb des Art Club? Aus der Idee zu einer Ausstellung über die Pionierinnen dieser feministischen Avantgarde nach 1945 wurde für Kuratorin Brigitte Borchhardt-Birbaumer und Christian Bauer, Kurator und künstlerischer Direktor der Landesgalerie Niederösterreich, schnell ein Forschungsprojekt. Denn nur wenige der damals prägenden Künstlerinnen haben eine internationale Kariere gestartet. Was die beiden Kunsthistoriker in zwei Jahren Forschungsarbeit über die teils in Vergessenheit geratenen, meist schillernden Frauenfiguren herausgefunden haben, zeigen sie bis März in "Aufbrüche. Künstlerinnen des Art Club" in der Landesgalerie in Krems.

. . . und Susanne Wenger mit ihrem Frühwerk, hier "Traumgeschichte: Rote Spinnen". - © Susanne Wenger Foundation
. . . und Susanne Wenger mit ihrem Frühwerk, hier "Traumgeschichte: Rote Spinnen". - © Susanne Wenger Foundation

Erdige Weiblichkeit

Der lichtdurchflutete Raum im Erdgeschoss ist gänzlich den organisch-erdigen Skulpturen und Grafiken von Maria Biljan-Bilger gewidmet. Selbst im NS-Widerstand aktiv, prägte sie als "Grand Dame der Kleinplastik" einen aufkeimenden kulturellen Feminismus durch die Rückbesinnung auf organische Formen, Techniken und archaische Matriarchatsbilder - ein bewusster Gegenpol zu einer kriegerisch-industriellen Männerwelt.

Die dicht bespielte Ausstellungsfläche im ersten Stock ist da stilistisch deutlich inhomogener, was dem intensiven künstlerischen Austausch dieser Zeit und der daraus resultierenden Experimentierfreudigkeit geschuldet ist. Teppiche, Paravents, Keramik, Grafik, Zeichnung, Öl - die Künstlerinnen probieren (sich) aus. Und sie lassen sich inspirieren: Bei Gerhild Diesner springen Anregungen von Vincent van Gogh ins Auge, bei Hilda C. Polsterer grüßt Picasso, Greta Freist reagiert (unter anderem) auf Eindrücke des magischen Realismus. Maria Szeni sticht mit ihren visionär wilden Farbflächen heraus. Susanne Wenger knüpft aus einer dunklen Phase der Kriegsverarbeitung bei Biljan-Bingers Naturverbundenheit an und geht über schamanistische Themen in die Abstraktion. Sie geht früh nach Afrika, verschmilzt dort ihre europäische Prägungen mit afrikanischen Einflüssen.

Klar von Van Gogh beeinflusst: Gerhild Diesners "Kornernte" aus dem Jahr 1958 - © Privatbesitz, courtesy Galerie Maier, Innsbruck
Klar von Van Gogh beeinflusst: Gerhild Diesners "Kornernte" aus dem Jahr 1958 - © Privatbesitz, courtesy Galerie Maier, Innsbruck

Was die Werke der Frauen verbindet: Sie zeigen (noch) keinen starken Personalstil, sind sehr offen für unterschiedliche Techniken, Materialien und stilistische Inspirationen.

Zwei Positionen fallen besonders auf: Die Rekonstruktion einer Einzelausstellung von Maria Lassnig, die sie 1952 auf Einladung des Art Club im "Strohkoffer" gestaltete, der legendären mit Schilfmatten ausgekleideten Heimstätte des Vereins unter der Loos-Bar, die als Künstlertreff und Ausstellungsraum diente. Die strenge Reduktion und Abstraktion, die Lassnig hier präsentiert, zeigt sie als eine den Zeitgeist prägende Suchende.

Gestaltete eine Schau für den Art Club im "Strohkoffer": Maria Lassnig, "Ausweg nach links"aus dem Jahr 1959. - © Maria Lassnig Stiftung Landessammlungen NÖ
Gestaltete eine Schau für den Art Club im "Strohkoffer": Maria Lassnig, "Ausweg nach links"aus dem Jahr 1959. - © Maria Lassnig Stiftung Landessammlungen NÖ

Eine Entdeckung ist das Werk der US-Amerikanerin Marcia Hopmann. In ihren wenigen Jahren in Wien fungierte sie als eine Art Brücke über den Atlantik. Ihre strengen geometrischen Grafiken sind eine damals zentrale, heute beinahe vergessene Stimme im transatlantischen Dialog.

Der künstlerische Bogen der Ausstellung ist enorm. Die vielschichtigen Wege von der Rückbesinnung auf eine absolut sinnliche Archaik hin zum Aufbruch in die absolute Reduktion der Abstraktion, verbindet die künstlerische Entwicklung, findet sich bei beinahe jeder der Künstlerinnen wieder - und bindet sie damit ein in die Entwicklung ihrer Zeit.

Das Forum Frohner in Krems zeigt zwei künstlerische Gegenpole mit zarten Verbindungen: minimalistisches von Park Seo-Bo und Explosives von Adolf Frohner. - © Raffael F. Lehner
Das Forum Frohner in Krems zeigt zwei künstlerische Gegenpole mit zarten Verbindungen: minimalistisches von Park Seo-Bo und Explosives von Adolf Frohner. - © Raffael F. Lehner

Eruption und Minimalismus

Ästhetisch fokussierter präsentiert sich die neue Schau im Forum Frohner ein paar Häuser weiter: Hier treten ausgewählte Werke von Adolf Frohner und Park Seo-Bo, dem in Europa kaum bekannten koreanischen Minimalismus-Superstar, mit einander in Dialog. Die von Elisabeth Voggeneder kuratierte Ein-Raum-Schau versucht in großformatigen Leinwand-Arbeiten, die Freundschaft der beiden höchst unterschiedlichen Künstler nachzuzeichnen, die einander 1961 in Paris kennengelernt haben. Die künstlerischen Berührungspunkte zwischen dem Werk des reduzierten, kontemplativ arbeitenden Minimalisten Seo-Bo und den eruptiven Arbeiten Frohners aus den frühen 1960er Jahren sind subtil und finden sich schließlich in der Plastizität, die beide ausgewählten Werkgruppen über beinahe gegensätzliche Techniken miteinander verbindet.

Zwei lohnende, absolut sehenswerte Ausstellungen, die jedoch erst in der intensiven Auseinandersetzung ihre volle Kraft und (kunsthistorische) Faszination entwickeln.