Was ursprünglich als kleine Präsentation eines restaurierten Ädikula-Altars der Belvedere-Sammlung aus der frühen Renaissance aus Österreich unter der Enns um 1520 geplant war, ist offenbar im Zuge der erfreulichen Wiedervereinigung mit einer im Depot gefundenen zentralen Schrein-Figur zu einer größeren Ausstellung angewachsen. Bei der aus gleichem Holz geschnitzten und mit passendem Dübelloch versehenen Figur weist vieles auf eine Katharina hin, geringe Reste farbiger Bemalung (Fassung) und die insgesamt komplizierte Ikonografie der Seitenflügel hatten die Wiedervereinigung lange verzögert. Malerei und Holzrelief weisen eine für die Zeit innovative Note auf, der Einfluss größer Meister wie Albrecht Altdorfer, Michael Pacher und Wolfgang Huber ist in expressiven Gesten und auch realistischen Naturdetails ablesbar.

Neue Zeiten

Kurator Björn Blauensteiner hat daher das Unterfangen erweitert auf eine Einbindung des wichtigsten Bestandes der Mittelaltersammlung im Belvedere, die erst 1953 aus der kaiserlichen Sammlung des Kunsthistorischen Museums ans Haus kam und mit dem publikumsträchtigen Titel "Dürerzeit" versehen. Er gliedert Österreichs Eintritt am Tor der Spätgotik zum neuen Stil der Renaissance in Kapitel wie Porträt, Antikenrezeption, Entdeckung der Natur und das neue Interesse an der ästhetischen Betrachtung von Kunst. Damit Hand in Hand geht die Emanzipation der Künstler vom Handwerk und auch die neue Raumauffassung durch die wissenschaftliche Zentralperspektive. Der Bestand wird durch viele prominente Leihgaben aus den großen Wiener Museen, aber auch Linz, Innsbruck oder Budapest bereichert.

Albrecht Dürer selbst ist durch Österreich nur im Westen durchgereist, von Nürnberg über Innsbruck Richtung Venedig fertigte er Aquarelle an, einige verraten seinen Aufenthalt in Kärnten.

Hat der Tiroler Paul Dax angesichts solcher Umstände das erste Porträt hierzulande angefertigt? - Wohl kaum. Aber die internationale Reisetätigkeit brachte neue Impulse in die Werkstätten der hiesigen Künstler. Der schon früher von prominenten Kunsthistorikern geprägte Begriff "Donauschule" wird in der Schau erweitert. Das Interesse für den neuen Realismus - egal ob menschliche Körper oder Auffassung der Landschaft oder Städtedarstellungen (Veduten) - geht einher mit einem neuen Rückblick auf die antike Kunst (und daher datiert auch die Fälschung des Jünglings vom Magdalensberg in diese Epoche).

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Huber und der Meister IP oder die vielen Münzprägungen unter Kaiser Maximilian I. sprechen eine deutliche Sprache: Das Selbstbewusstsein der Künstler stieg enorm. Malerei war nun eine Wissenschaft und nicht mehr nur ein niedriges Handwerk. Neben religiösen Themen tauchen auch nackte Krieger, Mythologien und Göttersagen auf.

Ausdruck ist alles

Dennoch ist der tote Christus aus Klosterneuburg, der dem Meister von Mauer um 1498 zugeschrieben wird, wie auch dessen Johannesschüssel (mit dem abgeschlagenen Haupt des Täufers) im Oktogon einer der stärksten Eindrücke dieser Ausstellung, vielleicht auch weil dort die unruhige Wandgestaltung mit teils grellen Streifenmustern weggelassen wurde und die künstlerische Expressivität für sich wirken kann.

Der Monogrammist H kommt Altdorfer im Minenspiel seiner Protagonisten einer Passionsgeschichte sehr nahe, dazu passt auch der Ausdruck der heiligen Bischöfe des Holzschnitzers Andreas Lackner. Maximilians Bildhauer, Leonhart Magd, Jörg Kölderer oder Gilg Sesselschreiber, die für sein Grabmal im Innsbrucker Dom tätig waren, zeigen Versuche, auch die Psyche der Dargestellten wirksam zu machen. In Ambrogio de Predis Profilbildnis des Kaisers von 1502 ist die Charakterisierung das Wesentliche. En Face blicken uns Domherren und Humanisten, gemalt von Huber oder Marx Reichlich, unmittelbar entgegen, die Grausamkeit der Geißelungen wird durch gemalte Nachtstimmung gesteigert. Diese Veränderungen müssen schockierend gewesen sein für das Publikum, wie die neue Nacktheit und ein theatralischer Einsatz von Blut und Schmerzschilderungen.