Die gute Nachricht lautet: Die Galerie Crone muss vor der nächsten Ausstellung nicht frisch ausgeweißelt werden. Und die schlechte? Die Galerie Crone muss vor der nächsten Ausstellung nicht frisch ausgeweißelt werden. Der Otto Zitko ("ich folge der Linie") hat seine Spuren nämlich auf einem abnehmbaren Weiß hinterlassen (auf Papier, Leinwand, weiß beschichteten Aluplatten). Direkt auf der Wand haben sie aber halt einfach mehr Power. Besonders wenn er, der bekannt dafür ist, Gekritzeltes ins Monumentale zu steigern, den Raum mit seiner kinetischen Energie komplett einspinnt wie in einen Kokon.

Nicht, dass man da drin dann eine Metamorphose durchmachen würde (zum Schmetterling). Höchstens beeindruckt ist man. Vom Ausmaß des Ganzen. Oder schockiert. Vom Ausmaß des Ganzen. Doch auch diesmal wird der 1959 in Linz geborene Künstler seinem Ruf als "nichtmalender Maler" gerecht und malt – nicht. Sondern zeichnet. Allerdings mit einer Malerrolle. Einer am Stiel. An einem Teleskoparm. ("Ich arbeite nicht mit Pinseln.") Sein Markenzeichen: die energische Linie, die sich suchend vortastet, verhalten oder enthemmter über die jeweilige Fläche wandert und dabei immer tiefer ins Chaos vordringt, das sie selber gerade erschafft. Anscheinend ist hier der Weg das Ziel. 

Wenn zwei Gemälde heiraten, heißt das Diptychon

Und der Zitko ist eben Maler, kein Anstreicher. Wenn ihm eine blaue Galerie vorschwebt, muss er nicht zwangsläufig das gesamte Weiß niederwalzen. Die Portionen (auf Papier, Leinwand, weiß beschichteten Aluplatten) sind außerdem eh nicht so klein, also die monochromen Bilder, die ein und dasselbe Himmelblau (RAL 5015) in den Räumlichkeiten verteilen, einen übrigens äußerst verführerischen Farbton.

Sehr anpassungsfähig: Otto Zitkos kinetische Energie, gespeichert in der dynamischen Geste, fügt sich mustergültig in die Architektur ein. 
- © Matthias Bildstein, Courtesy: Galerie Crone Wien

Sehr anpassungsfähig: Otto Zitkos kinetische Energie, gespeichert in der dynamischen Geste, fügt sich mustergültig in die Architektur ein.

- © Matthias Bildstein, Courtesy: Galerie Crone Wien

Auf die lediglich gefühlte Malerei zwischen den Bildern kommt es sowieso mindestens genauso an wie auf die offen sichtbare. Die zwei größten Leinwände kommunizieren miteinander gar wie ein Diptychon, sind quasi verheiratet. Die eine Tafel vervollständigt die Gesten der andern. Und auf die architektonischen Gegebenheiten wird durchaus eingegangen. Im niedrigeren Durchgang zieht sich das Bild in die Länge (oder geht eigentlich in die Breite), legt sich quer.

Dass im Hintergrund Existenzielles mitschwingt, der Verdacht beschleicht einen spätestens (oder frühestens), wenn man die einzigen vorhandenen Titel liest. "New Works"? Nein, die andern einzigen. Ein Opus, das nicht weniger abstrakt aussieht als der Rest, heißt immerhin "Geburt", ein anderes "Toter Vogel". Der sich krümmende Piepmatz ist dagegen unschwer zu erkennen. Könnte sich freilich genauso gut um eine pränatale Embryonalstellung handeln. 

Das Leben ist rot, grün, gelb, blau und schwarz

Der "nichtmalende Maler", der das Blau rund um den Vogel aber sehr WOHL gemalt hat, plakativ, flächig, zeigt ins hinterste Kammerl hinein: "Und das ist das Leben dazwischen. Zwischen Geburt und Tod." Nix Unanständiges, bloß bunt. Rote, grüne, gelbe, blaue und schwarze Marker sind auf dem weißen Aluminium wild herumgekurvt, haben es zugekritzelt. Lebendigkeit kann man den Linien definitiv nicht absprechen.

Polychromes Nebenzimmer: Altbewährtes Neues von Otto Zitko. 
- © Matthias Bildstein, Courtesy: Galerie Crone Wien

Polychromes Nebenzimmer: Altbewährtes Neues von Otto Zitko.

- © Matthias Bildstein, Courtesy: Galerie Crone Wien

Was der macht, kann ich auch? Vermutlich. Aber ich würde es nie tun. Schließlich wäre das ein Plagiat. Der Otto Zitko hat nun einmal einen unverwechselbaren Stil. Und das ist schon was. Okay, der Wiedererkennungswert ist in einer Galerie, wo man Kunst erwartet, offensichtlich höher als in freier Wildbahn. Als er sich eines Eisenbahnwaggons angenommen hat, der Zitko, hätte ich jedenfalls spontan auf Vandalismus getippt, erst danach auf ein Werk von ihm.