Die Aufforderung hätte prophetischer nicht sein können. Als 1991 der Kärntner Künstler Cornelius Kolig diesen Spruch auf den südlichen Schlussstein seines Refugiums mit dem sprechenden Namen "Paradies" in Vorderberg an der Gail eingemeißelt hat, war von einer Pandemie weit und breit nichts zu bemerken. Heute - 30 Jahre später - beschreibt der Spruch nicht nur sehr treffend die Situation für Abermillionen von Menschen im Lockdown, sondern auch die Lage des internationalen Kunstmarkts - im Besonderen jene der Kunstmessen. Die Behinderungen im globalen Reiseverkehr trifft den Messezirkus besonders hart und zwingt Galerien wie Kunsthändler sich in den Kunstszenen der näheren Umgebung umzusehen, regionaler zu agieren. Ein Trend, der bei Kunstmessen der vergangenen Monate verstärkt zu beobachten war. Wie lange er anhält, werden wohl die kommenden Jahre zeigen.

Flüchtige Schockstarre

Zurück zu Cornelius Kolig: Der kompromisslose Künstler, der im kommenden Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, hat sich in sein "Paradies" (eine architektonisch ausgefeilte Kombination von Werkstatt, Schaulager und Archiv) in Kärnten zurückgezogen und gibt nur mehr selten Werkserien für den Verkauf frei. Der Galerie bei der Albertina ist es gelungen, ein sehenswertes Portfolio von Leinwänden, Malereien auf Sperrholz und Plexiglasobjekten für eine Ausstellung und die Art & Antique zu bekommen (Preise ab 4.800 Euro).

Für die 52. Art & Antique in der Hofburg ist es ein Comeback. Noch vor einem Jahr musste die Ausgabe kurzfristigst - genau wie jene zu Ostern und die Art Vienna - abgesagt werden. Nach einer flüchtigen Schockstarre hat Messechefin Alexandra Graski-Hoffmann mit ihrem Team begonnen, die Messe zu einer Ganzjahres-Serviceplattform umzumodeln: Der Netz-Auftritt wurde neugestaltet und regelmäßig wird nun auf Ausstellungen und Veranstaltungen von Messeteilnehmern hingewiesen und ausgewählte Arbeiten präsentiert. Diskussionen und Interviews ergänzen das neue Angebot. Die Art & Antique in der Hofburg selbst wurde auf fünf Tage gestrafft und das Auswahlverfahren für Aussteller strenger gestaltet: "Wir werden qualitative Kriterien viel zentraler formulieren," erklärt Graski-Hoffmann im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Selbst, wenn es uns momentan ein paar Teilnehmer kostet, bin ich überzeugt, dass die konsequente Schärfung unseres Profils der richtige Weg ist - das Ziel ist es, das Kunstmesse-Highlight im Herbst zu sein!", ergänzt sie ihre Pläne für die nahe Zukunft.

Max Weilers "Baum" (1992). - © Galerie Kovacek & Zetter
Max Weilers "Baum" (1992). - © Galerie Kovacek & Zetter

Ein Rundgang über die Messe offenbart deutlich eine "Verjüngungskur": Zeitgenössische Galerien wie Thoman, Artecont, Czaak, Casciaro, Frey, Smolka oder Zimmermann/Kratochwill sind zum ersten Mal oder nach einigen Jahren der Absenz wieder dabei. Der sachte Wandel in der Fokussierung bringt den angenehmen wie aufklärerischen Effekt mit sich, die Entwicklung von Stilen über Jahrhunderte nachvollziehen zu können.

Beim Parcours aufgefallen: die ausgezeichnete Sonderpräsentation Irene Andessners von der Galerie Ruberl. Die fotografischen Selbstinszenierungen der Künstlerin, wie jene bedeutender Frauen zur Zeit der Hochrenaissance Venedigs, werden - je nach Auflage - zwischen 2.500 bis 9.500 Euro angeboten. Bei der Galerie Magnet trifft ein schöner, intensiver Weiler mit Mohnblumen (43.000 Euro) auf beklemmend-beeindruckende Landschaftsmalereien von Zoran Music aus den 1950er Jahren - nachdem er das Konzentrationslager Dachau überlebt hat (138.000 Euro). Der Tod ist auch bei Christoph Bacher Ancient Art prominent vertreten: Der minoische Larnax mit Oktopus ist laut Bachers Informationen der einzig vollständig erhaltene Sarkophag weltweit (1400 bis 1200 vor Christus; 80.000 Euro). Bei Maier aus Innsbruck sind es farbkräftige Preziosen des Malers Klaus Stephan, die ins Auge stechen (Preise zwischen 1.500 und 1.900 Euro).

Bei Giese & Schweiger ist es neben Tina Blaus imposanten "Herbsttag" (280.000 Euro) ihr Kleinformat "Wäscheaufhängen", das das Aufhängen sauberer, weißer Wäsche den ärmlichen, morastigen Lebensbedingungen malerisch fulminant gegenüberstellt (58.000 Euro).