Das Zürcher Kunsthaus soll bei der umstrittenen Bührle Kunstsammlung besser vermitteln, das fordern nun die Stadt und der Kanton Zürich. So sollen eine unabhängige Evaluation der bisherigen Forschung durchgeführt und der Dokumentationsraum im Kunsthaus erweitert werden. Die Informationen zur Herkunft der Bilder sollen außerdem mehr Gewicht erhalten, wie das Stadtzürcher Präsidial-Departement am Mittwoch mitteilte.

Um dies zu erreichen, wird nun der Beizug unabhängiger Expertinnen und Experten für die Vermittlungsarbeit geprüft. Zudem soll der Subventionsvertrag zwischen Stadt und Kunstgesellschaft neue Verpflichtungen enthalten, welche die umstrittene Sammlung betreffen.

Evaluation der Provenienzforschung

Ehemalige Mitglieder der Bergier-Kommission, die die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg untersucht hatte, hatten sich am Sonntag mit mehreren Forderungen an die Öffentlichkeit gewandt. Darunter waren auch die nun von Stadt und Kanton geforderte Evaluation der bisherigen Provenienzforschung sowie die Einsetzung unabhängiger Expertinnen und Experten. Die aktuelle Situation sei "ein Affront gegenüber potenziellen Opfern von Raubgut", so die ehemaligen Bergier-Mitglieder.

Unabhängige Prüfung

Die Sammlung Emil Bührle teilt mit, sie stünde "einer unabhängigen Evaluation" ihrer bisherigen Forschungsarbeit "positiv gegenüber".

Die Sammlung Bührle steht unter Verdacht, auch Raubkunst zu beinhalten. Emil Georg Bührle war durch Waffengeschäfte während und nach dem Zweiten Weltkrieg zum damals reichsten Mann der Schweiz geworden. Im November 2020 attestierte eine Studie der Universität Zürich seinen Waffenexporten - an beide Kriegsparteien - und dem Aufbau seiner Kunstsammlung eine enge Verflechtung.

Raub- oder Fluchtkunst?

Die Stiftung gibt sich überzeugt, die Abklärung zur Herkunft ihrer Werke "in umfassendster Weise durchgeführt" zu haben. Weiter hält sie fest, dass"sich im Bestand der Sammlung keine ungeregelten Raubkunstfälle finden". Indes finden sich im Bestand fünf Werke, "die unter die Kategorie sogenannter Fluchtkunst" fallen, wie die Stiftung schreibt.

Knacknuss könnte die Begrifflichkeit von "Raubkunst" und "Fluchtkunst" sein. Denn als Fluchtgut gelten Werke von jüdischen Besitzerinnen und Besitzern, die diese während der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 ins Ausland gebracht und dort verkauft haben. Hier stellt sich die Frage, ob die Werke freiwillig oder aufgrund einer Zwangslage verkauft wurden. Wenn eine solche Zwangslage festgestellt wird, wird in der heutigen Praxis sogenanntes "Fluchtgut" als "Raubgut" betrachtet - mit der Konsequenz, dass derartige Werke zurückgegeben werden. Dieser erweiterte Begriff von Raubkunst ist seit 2009 internationale Praxis und wurde in der sogenannten Theresienstädter Erklärung über Holocaust-Vermögenswerte festgeschrieben. Das Dokument hat auch die Schweiz unterzeichnet.

Offen ist indes die eigentliche Frage, wer bei künftigen allfälligen neuen Erkenntnissen das letzte Wort dazu hat, ob ein Werk auch wirklich zurückgegeben wird. Zu den entsprechenden vertraglichen Hintergründen äußern sich in ihren jeweiligen Mitteilungen weder Kanton und Stadt Zürich noch die Stiftung Sammlung E. G. Bührle. (apa)