Er ist einer der wichtigsten Künstler der Gegenwart und einer der lautesten Kritiker Chinas. Jetzt ist Ai Weiweis Autobiografie "1000 Jahre Freud und Leid" erschienen. Im Interview spricht der 64-Jährige unter anderem über Freiheit, die Angst vor einem übermächtigen China, die verschwundene Tennisspielerin Peng Shuai, Corona, warum er Berlin nicht mag, die Ohnmacht der Kunst, Eitelkeit, Geld, Luxushotels, Gott, seinen zwölfjährigen Sohn und er verrät, warum er in Zukunft weniger Kunst machen möchte.

"Wiener Zeitung": Ai Weiwei, was bedeutet Ihnen Freiheit?

Ai Weiwei: (Überlegt lange) Freiheit ist für mich fast wie eine Religion. Zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten kann Freiheit etwas sehr Unterschiedliches bedeuten. Aber ich glaube, dass es in unserem Herzen immer und überall etwas sehr Tiefgründiges, sehr Geheimnisvolles gibt und dass wir begierig darauf sind, herauszufinden, was genau es ist. Dazu braucht man Freiheit. Deshalb ist Freiheit für mich kein Ziel, sondern immer nur eine Richtung. Niemand hat echte Freiheit jemals gesehen. Freiheit erfordert ständigen Kampf.

Bilanz eines Lebens: die Autobiografie von Ai Weiwei.
Bilanz eines Lebens: die Autobiografie von Ai Weiwei.

Führen Sie diesen Kampf?

Der Kampf um Freiheit ist der wichtigste Kampf meines Lebens. Es sollte der wichtigste Kampf in jedem Leben sein. Ich bin mir dessen sehr bewusst und führe deshalb permanent diesen Kampf. Aber viele Menschen haben das Pech - oder das Glück? -, dass sie sich dessen nicht bewusst sind.

Muss die Welt Angst vor China haben?

Es wäre so, als ob eine Eiche Angst vor einer Birke oder einem Ahornbaum hätte. Es sind einfach unterschiedliche Bäume, die gemeinsam wachsen. Ein Problem wird daraus nur, wenn ein Baum so groß wird, dass seine Krone den anderen Bäumen das Licht nimmt und seine Wurzeln das ganze Wasser aufsaugen. Zwischen den Bäumen herrscht deshalb ein ständiger Kampf. Solange man auf seine eigene Identität vertraut, muss man keine Angst vor diesem Kampf haben. Allerdings: China ist heutzutage nicht nur ein Baum, es ist mittlerweile ein ganzer Wald. Und China pflanzt in Afrika, Südamerika und Europa weiterhin fleißig Bäume. Manchmal kommt es vor, dass eine invasive Art einheimische Arten verdrängt.

Also ist Angst vor China berechtigt?

China hat zweifelsohne großes Potenzial und die Fähigkeit zu verdrängen. Wenn die anderen Bäume sich nicht hartnäckig wehren oder einfach aufgeben, dann wird China die Oberhand gewinnen. Das ist klar! Die chinesischen Bäume sind sehr stark. China hat definitiv den klaren Willen, eine Supernation zu werden und die Welt wirtschaftlich und kulturell zu dominieren.

Wäre eine von China dominierte Welt eine bessere oder eine schlechtere Welt?

Das ist eine gute Frage. Mittlerweile gibt es auch im Westen viele Menschen, die der Meinung sind, dass es nicht schlecht sein muss, wenn China den Westen dominiert. Sogar die "New York Times" hat Meinungsartikel veröffentlicht, in denen es heißt: "Vielleicht sollten wir nicht mehr ständig dagegen ankämpfen, sondern Chinas Dominanz einfach akzeptieren." Aber was würden wir da akzeptieren? Um wirtschaftlich mit dem Westen gleichzuziehen, hat China in den letzten 30, 40 Jahren all das getan, was der Westen nicht tun durfte. Es hat sich nicht um Arbeitnehmerrechte, die Gesundheit seiner Bevölkerung, die Umwelt, Menschenrechte und die Redefreiheit geschert. Der Westen und China sind so ein Dreamteam geworden. Der Westen liebt es!

Der Westen liebt Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung? Warum glauben Sie das?

Weil der Westen sich keinen besseren Partner als China wünschen kann, um Geschäfte zu machen. Im Westen muss man mit zwei, drei oder fünf Parteien jahrelang diskutieren und kämpfen und erreicht am Ende vielleicht trotzdem nichts. In China kann alles von einem einzigen Führer entschieden werden. In China heißt es: "OK, lasst uns zu Abend essen!" Und am nächsten Tag ist alles geregelt. Dann kann Volkswagen einfach so eine Fabrik bauen. Dann kann man alles machen! Deshalb sagt Deutschland ja auch ganz klar, dass die Zukunft der deutschen Industrie von China abhängt. Das ist zumindest sehr ehrlich. Denn Deutschland ist auf ein Land mit vielen Arbeitskräften angewiesen, das bereit ist, alles zu tun und alles zu riskieren, um sein Ziel zu erreichen, den Westen zu überrunden. Dazu muss China sich Geld und Technologie beschaffen. Und das macht das Land sehr geschickt. Es ist äußerst beeindruckend.

"Rapture" ist Ai Weiweis Kommentar zum Thema Flucht und Migration. - © Ai Weiwei’s Studio
"Rapture" ist Ai Weiweis Kommentar zum Thema Flucht und Migration. - © Ai Weiwei’s Studio

Wer beherrscht die Corona-Krise besser - China oder der Westen?

Das kann ich nicht beantworten. Der Westen geht rationaler mit der Krise um. Natürlich sind im Kampf gegen Corona im Westen Fehler gemacht worden, aber man hat daraus gelernt. China ist von Anfang an sehr autoritär, sehr militärisch mit der Krise umgegangen. Dort werden immer noch Menschen für 14 Tage weggesperrt, wenn sie positiv getestet wurden. Glauben Sie, dass das für eine moderne Gesellschaft der richtige Weg ist? Im Westen ist die persönliche Freiheit das höchste Recht und die darf auch der Staat nicht nehmen.

Aber was ist wichtiger: der Schutz der persönlichen Freiheit oder die Rettung von Menschenleben?

Die Entscheidung, ein Leben zu retten, muss vom Individuum getroffen werden. Wenn ein Mensch sein Leben nicht retten will, hat er das Recht, sein Leben zu beenden.

Auch wenn er damit das Leben anderer Menschen gefährdet?

Ich glaube nicht, dass man die Entscheidung, sich beispielsweise nicht impfen zu lassen, mit dem Tragen oder gar dem Gebrauch einer Waffe vergleichen kann. Auch wenn vielen Staaten das jetzt propagieren. Natürlich sollte man sich isolieren, wenn man positiv getestet wird. Aber für Menschen, die kein Corona haben, sollte man meiner Meinung nach nicht zu viele Einschränkungen machen.

Anfang November warf die chinesische Tennisspielerin Peng Shuai einem ehemaligen chinesischen Ersten Vizepremierminister und hochrangigen Mitglied der kommunistischen Partei auf der chinesischen Social-Media-Plattform Weibo vor, sie sexuell missbraucht zu haben. 20 Minuten später wurde der Post gelöscht, anschließend galt Peng als verschwunden. Machen Sie sich Sorgen um sie?

In China ist jeder Spitzensportler und jede Spitzensportlerin Staatseigentum. Wie ein Soldat, der für sein Land in die Schlacht ziehen muss. Peng Shuai war eine Sportpuppe, die zu einer Sexpuppe für die hochrangigsten Leute wurde. Das ist oft der Fall. Wenn Du ein Star bist, wollen die Obersten, dass Du mit ihnen spielst.

Ist sie in Gefahr?

Körperlich wird man ihr nichts antun, aber ihr wurde schon so viel angetan. Sie haben all ihre Social-Media-Verbindungen gekappt und sie gezwungen, wie unter Drogen in der Öffentlichkeit zu erscheinen, um die internationale Kritik zum Schweigen zu bringen. Die staatliche Propagandamaschine führt ein widerliches Spiel auf. Und das Internationale Olympische Komitee ist dabei auf Chinas Seite. Wie bereits zuvor die Weltgesundheitsorganisation während der Pandemie. Diese Organisationen wissen, wer sie füttert.

Vor zehn Jahren wurden Sie in China wegen angeblicher Steuerhinterziehung festgenommen und saßen 81 Tage in Haft. Hätten Sie Angst, erneut verhaftet zu werden, wenn Sie nach China zurückgingen?

Ginge ich zurück nach China, könnte es jederzeit passieren. Ich habe viele Freunde, die dort im Gefängnis sitzen. Die meisten von ihnen haben China viel weniger kritisiert, als ich es getan habe. Dennoch sind einige von ihnen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Vor der Haft an sich hätte ich keine Angst. Selbst während meiner Inhaftierung hatte ich nie Angst.

Wovor haben Sie dann Angst?

Ich glaube nicht, dass sie mich foltern würden. Ich bin kein Spion, der unter Folter etwas gestehen oder preisgeben könnte. Ich habe nichts zu beichten (lacht). Meine Kritik war immer offen. Dafür bin ich vielleicht auch zu bekannt.

Sie haben von 2015 bis 2019 in Berlin gelebt, gearbeitet und gelehrt. Aber in Ihrer jetzt erschienenen Autobiografie "1000 Jahre Freud und Leid" erwähnen Sie Berlin kaum. Warum?

Ich habe ein Buch über meine schlimmsten Erfahrungen geschrieben. Es geht darin hauptsächlich um China, meinen Vater und mich. Und nicht um Berlin.

Haben Sie gerne in Berlin gelebt?

Nein! Alle mögen Berlin. Ich nicht. Ich mag den Sonnenschein, aber in Berlin sind die Winter kalt und lang. Außerdem: Berlin ist zu dreckig und zu faul. Was ist bloß mit dieser Stadt los? Niemand schneidet dort einen Baum oder kehrt die Straße. Alles ist so kaputt! Dabei gibt es in Berlin doch so viele Migranten: Gebt ihnen einfach ein wenig Geld und lasst sie die Arbeit machen. Aber das passiert nicht! Berlin ist eine Stadt ohne Hoffnung. Man kann doch nicht die drittmächtigste Nation der Welt sein, aber eine Hauptstadt wie ein Dritte-Welt-Land haben! Gucken Sie sich doch nur den Flughafen und die Infrastruktur an! Außerdem gefällt es mir nicht, dass die Taxifahrer in Berlin alle aus der Türkei kommen.

Er sei aufgewachsen in einer Gesellschaft, die ihn nicht mochte, sagt Ai Weiwei, hier als Jugendlicher. - © Penguin / Random House / Ai Weiwei Studio
Er sei aufgewachsen in einer Gesellschaft, die ihn nicht mochte, sagt Ai Weiwei, hier als Jugendlicher. - © Penguin / Random House / Ai Weiwei Studio

Was für ein Problem haben Sie mit Taxifahrern aus der Türkei?

Dass sie in dritter Generation in Berlin leben und immer noch Taxi fahren. Das ist für mich kein gutes Zeichen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Sie hart über Berlin und Deutschland urteilen. Als Sie vor zwei Jahren von Berlin nach Cambridge gezogen sind, haben Sie über Deutschland unter anderem gesagt, es sei autoritär, fremdenfeindlich, bigott und intolerant. Viele Deutsche empfanden Ihre Kritik als sehr pauschal und ungerechtfertigt.

Niemand mag mich. Aber das mag ich. Denn ich bin in einer Gesellschaft aufgewachsen, in der mich niemand mochte.

Dass Sie in Deutschland niemand mag, stimmt nicht. Als Sie inhaftiert waren, hat die deutsche Regierung sich zusammen mit deutschen Künstlern, Menschenrechtlern und Wissenschaftlern vehement für Ihre Freilassung eingesetzt. Viele waren auch deshalb von Ihrem Deutschland-Bashing schockiert. Sind Sie ein undankbarer Mensch?

Nein, ich bin dankbar, für das, was Deutschland für mich getan hat. Aber wenn die Deutschen zu mir sagen: "Wir haben Dein Leben gerettet. Wir haben für Dich bezahlt. Sei gefälligst dankbar", dann höre ich das nicht gerne. Doch das ist mir nicht nur einmal gesagt worden. Als ich in Berlin gelebt habe, mochte ich es nicht, dass ich in Deutschland als jemand gesehen wurde, der etwas zurückzahlen müsse, weil Deutschland ihn angeblich gerettet habe. Hinzu kommt: Ich erwarte niemals Dankbarkeit. Wenn ich etwas gebe, ist es mir egal, ob der andere dankbar ist oder nicht. Mein Vater hat immer gesagt: "Du kannst Dein Bestes geben, und Du wirst es nie bereuen." Aber wenn man Dankbarkeit einfordert, kann jede Interaktion schnell zu einem Vertrag über moralische Überlegenheit werden. Das hasse ich. Das ist falsch. Darum nehme ich auch keinen Gefallen an. Ich glaube an die Härte des Lebens. Und ich glaube daran, dass wir die Gerechtigkeit verteidigen müssen.

Sind Sie Aktivist oder Künstler?

Es ist mir egal, ob man mich primär als Künstler oder Aktivisten sieht. Ich bin beides. Ich bin ein Künstler, der auch Aktivist ist. Und ein Aktivist, der die Mittel der Kunst nutzt.

Welchen Zweck hat Kunst?

Wir haben die große Sehnsucht, Antworten auf die Frage zu finden, was für ein unglaubliches Wunder wir Menschen sind. Das Leben und die Kunst - nicht die Technologie - werden uns der Beantwortung dieser Frage am nächsten bringen. Technologie wird die Menschheit nicht retten. Sie wird uns nur noch verrückter machen. Kunst kann Dich zu einem besseren Menschen machen, aber Technologie kann Dich noch böser machen. Kunst wird der menschlichen Gesellschaft nie etwas Tragisches bringen. Die Technologie hingegen schon.

Aber Technologie kann auch viel dazu beitragen, Probleme zu lösen. Sie kann Wege finden, um die Folgen des Klimawandels abzumildern, sie kann Impfungen gegen Pandemien entwickeln...

Ich denke, Technologie schafft mehr Probleme, als sie löst. Sie kreiert neue Probleme, während sie versucht, bestehende zu lösen. So entstehen Probleme wie der Klimawandel, die so groß sind, dass wir sie nicht wirklich beherrschen können. Pandemien, Kapitalismus, potenzielle Atomkriege - wir stehen vor Herausforderungen, die die Menschheit noch nie zuvor erlebt hat. Ich glaube, die Gefahren sind viel größer als je zuvor.

Kann Kunst autoritäre Regime stürzen?

Das glaube ich nicht. Zwar haben autoritäre Staaten wie China Angst vor der Kunst, weil sie im direkten Zusammenhang mit der Meinungsfreiheit steht. Aber diese autoritären Staaten lassen sich nicht von der Kunst besiegen. Ihre Systeme sind stärker und mächtiger als die Kunst. Genau darum geht es ja auch in meinem Buch.

Aber im Buch schildern Sie, wie Ihr Vater und Sie sich vom System nicht haben unterkriegen lassen. . .

China hat Millionen von Menschen verschwinden lassen. Ich bin eine Ausnahme. Aber ich bin auch nicht wirklich relevant, da ich nicht in China bin.

Genießen Sie es, bewundert zu werden?

Ja.

Warum?

Weil ich sehe, dass ich Licht in das Leben vieler Menschen bringe. Ich erhalte viel Unterstützung von hart arbeitenden Menschen, die nicht zur Kunstwelt gehören. Das können Lastwagenfahrer, Verkäufer, Köche oder Museumswärter sein. Sie kommen zu mir und sagen: "Weiwei, ich unterstütze Deine Kunst. Denn Du drückst etwas aus, was ich nie sagen könnte. Bitte mach weiter so."

Was treibt Sie an, Kunst zu schaffen?

Es geht mir um Ästhetik, Moral und Philosophie. Aber ehrlich gesagt: Ich habe keine große Motivation mehr, Kunst zu schaffen.

Warum?

Weil ich genug gemacht habe. Ich bin der meistausgestellte Künstler der Welt. Niemand hatte mehr Besucher als ich. Andererseits: Es gibt so viele Dinge, die ich noch nie gemacht. Ich könnte jeden Tag sterben, und dann würde ich es sehr bedauern, wenn ich mein ganzes Leben lang nur Kunst gemacht hätte.

Was wollen Sie stattdessen tun?

Vielleicht pflanze ich Bäume oder baue etwas. Oder ich verbringe mehr Zeit mit meinem Sohn. Oder ich schreibe noch ein Buch. Oder ich drehe weitere Filme. Ich weiß nicht. Es gibt so viel, was ich tun könnte.

Schon jetzt werden Millionen für Ihre Werke gezahlt. Halten Sie die Preise für angemessen?

Die Preise für meine Kunst sind zu niedrig (lacht).

Glauben Sie an Gott?

Ja. Ich glaube, es gibt etwas jenseits unserer Rationalität. Wir verstehen sehr wenig, und vielleicht macht uns das glücklich. Ich glaube an einen Gott, der alles erschaffen hat. Menschen, Pflanzen, Insekten, das Wetter.

Ist das der Gott einer der traditionellen Religionen?

Nein. Ich habe nichts mit irgendeiner Tradition oder irgendeiner Religion zu tun.

Was bedauern Sie an Ihrem bisherigen Leben am meisten?

Dass ich lange Zeit so dumm war und mir erst sehr spät über mich und die Welt bewusst geworden bin. Ich habe etwa 40 Jahre in China und fast zehn Jahre im Westen verbracht, aber ich wusste wenig über die Welt. Bis vor kurzem bin ich nicht sehr viel gereist. Ich bin einfach kein besonders kenntnisreicher Mensch. Erst als ich vor knapp 15 Jahren begann, mich intensiv mit der Gesellschaft zu beschäftigen, wurde ich mir dessen bewusst.

In Ihrer Autobiografie schreiben Sie, dass die emotionale Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Vater nicht sehr eng war. Haben Sie zu Ihrem Sohn eine stärkere emotionale Beziehung?

Ja, sie ist viel, viel stärker. Hundertmal stärker. Auch wenn ich an seiner Seite war, hat mein Vater mich nicht beachtet. Er musste immer kämpfen und konnte mir keine Aufmerksamkeit schenken. Aber das ist für mich in Ordnung. Ich bin dankbar, dass er ein aufrichtiger Mann war, sodass ich noch jetzt jemanden habe, zu dem ich aufschauen kann. Ich habe meine Autobiografie auch geschrieben, um eine Aufzeichnung für meinen Sohn zu hinterlassen. Menschen können verrückte Geschichten erfinden und Fakten ändern. Wenn ich morgen sterbe, hat mein Sohn zumindest das Buch. Er wird so wissen, wer sein Vater und wer sein Großvater waren. Ganz gleich, was die Leute sagen.

Ihre Erinnerungen heißen "1000 Jahre Freud und Leid". Gab es in Ihrem Leben mehr Freude oder mehr Leid?

Mehr Freude, fast kein Leid. Ich bin wirklich ein glücklicher, fröhlicher Mensch.

Wie möchten Sie in Erinnerung bleiben?

Auf meinen Grabstein soll stehen. "Dieser Mann hat gelebt und nichts erreicht."

Ist das wieder Ironie?

Nein, dieses Mal ist es keine Ironie. Was hat ein Mann wie ich schon erreicht? Wenn wir uns die Welt ansehen, sehen wir so viele Menschen, die immer noch ohne Licht in der Dunkelheit leben. Also haben wir alle zu wenig erreicht.