Der Schweizer Künstler Ugo Rondinone studierte hier in Wien von 1986 bis 1990 bei Oswald Oberhuber und Ernst Caramelle mit Abstechern in Bruno Gironcolis Bildhauerklasse und einer praktischen Mitarbeit als Assistent von Hermann Nitsch in Prinzendorf. Der breite Ansatz erfuhr noch eine Erweiterung durch Rondinones Übersiedelung nach New York im Jahr 1997 und seine räumlich ausufernde Ausstellungspräsentation des Werks von John Giorno, einem Mitarbeiter Andy Warhols. 2007 vertrat Rondinone die Schweiz auf der Biennale in Venedig, und kürzlich war im oberen Barockgarten des Belvederes seine partizipative Ausstellungswand von Regenbogenbildern "your age and my age and the age oft he rainbow" zu sehen, die mit 1085 Bildbeiträgen von Kindern entstanden ist.

Die besondere Herausforderung für den Künstler war die Anpassung seiner Installation "Akt in einer Landschaft" in dem ihm lange als schwer bespielbarer Raum bekannten Glaspavillon von Karl Schwanzer. Die Situation eines zum Garten hin offenen Blicks kann hier Konzepte einer Ausstellung stark beeinträchtigen, wenn nicht sogar auflösen.

Zeitlosigkeit und Ruhe

Deshalb hat Rondinone die Glasflächen mit einer verdunkelnden, grauen Folie versehen, die, wenig spiegelnd, membranartig von drei bunten Glasarbeiten durchbrochen wird: Der Tag draußen erscheint dämmrig bis nächtlich, doch drei Uhren ohne Zeiger, die eigentlich Glasfenster alter Fertigung sind, suggerieren den Wechsel der Zeiten durch hereinfallendes Licht. Die "yellow clock" blickt gegen Osten, lässt morgens Lichtspiegelungen am Boden zu, wie auch die "red clock" im Westen den Sonnenuntergang verstärkt. Nach Norden ist die Uhrscheibe blau und spricht jene ambivalente Stunde an, die zwischen Tag und Nacht liegt.

Zeitlosigkeit und Ruhe vermitteln auch die beiden schräg eingestellten monumentalen "two standing landscapes with sunrise and sunset"; es sind extra vor Ort mit groben Erdmaterialien beschichtete Wände mit Loch zum Durchblicken. Diese skulpturalen Materialbilder erinnern an die Arte-povera-Künstler.

Im Eingangsbereich lenken links und rechts sechzig gerahmte Schriftblöcke, "poems", davon ab, in die Zwischenwelt hinter der vier Meter hohen Erd-Wand einzutreten oder durch das Loch einen Blick zu wagen. Diese "poems" fangen, Haikus nicht unähnlich, Stimmungen ein zwischen Natur und Kunst oder Emotion und Ratio. Zum einen wirken sie wie Lebenserfahrungen, zum anderen wie Zitate.

Erst nach dem Lesen tritt man vor Rondinones eigentliches Landschaftstableau mit vierzehn Akten dahinter. Die lebensgroßen Wachsabgüsse von ruhenden Tänzerinnen und einigen wenigen Tänzern haben Körperteile aus verschiedenfarbigen Erdpigmenten. Diese sind zudem teilweise nur lose angesetzt wie Prothesen. So kommt zur Pose des Ruhens eine Fragilität, die den Diversitäten dieser von der ganzen Welt gesammelten Erden zwar entgegenkommt, das Individuelle aber auch zum Puppenhaften verzerrt. Die "winter cloud" hängt an einer Wand, wie ein informelles plastisches Konstrukt besetzt mit Steinchen, die dem schwebend Leichten der Wolke entgegenwirken.

Neben Gegensätzen und Kunstgeschichte-Zitaten ist an sich die Wiederkehr des Romantischen mit stiller Melancholie ein Verweis auf Anhalten der neoliberalen Geschwindigkeiten. Doch die tröstliche Magie verweigert sich der Eindeutigkeit, ist weder politisch noch mit Zwang für Geschlechterfragen und Postkoloniales offen. Es ist Landschaftliches, keine Landschaft, es ist abstraktes Farbmaterial und damit fast Verweis auf die schwarzen "Iceland Series" von Richard Serra oder jene einsamen Wanderer, die schon bei Caspar David Friedrich gesamteuropäische Krisenphänomene der nachnapoleonischen Ära miteinfingen. Die Auflösung der Formen als Leitmotiv zog schon damals die Grenze zwischen Bildgattungen neu, alles ist nur noch Teilaspekt einer künstlerischen Geste, die heute locker vom Erhabenen ins Populärkulturelle gleiten darf.