Wenig Aussicht auf sichere Jahrespressekonferenzen aufgrund der Corona-Wellen ließ doch viele Museen für die Vorschau auf 2022 ins Internet wechseln. Was heuer wiederkehrt, sind Biennale in Venedig und die 15. documenta in Kassel; bei Ersterer sind Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl ab 23. April eigentlich Garanten, dass Österreich gut wegkommen wird. Queere Sicht der Welt und eine Vorliebe für die 1970er-Nostalgie liegt im Zeitgeist, so kann auch keine neue Direktorin postkoloniale und feministische Ansagen auslassen, doch dazu später.

Wiederkehren wird Ai Weiwei nach Wien, nachdem er 2016 das Belvedere 21 plus Gärten bespielt hat. Diesmal ist er in der Albertina modern zu sehen, die auch seit 2021 eine neue Chefkuratorin hat, die aber in Wien keine Unbekannte ist: Angela Stief. Und Agnes Husslein-Arco wird als Direktorin des neuen Privatmuseums von Heidi Horten-Goess wieder mitmischen in der Wiener Museumslandschaft. Man darf gespannt sein. Eine kleine Wiederkehr für den Monat März gibt es auch im Gartenpalais Liechtenstein mit "Treuer Fürst - Joseph Wenzel Graf Liechtenstein und seine Kunst". Hier wird neben Canaletto und Bellotto auch Chardin präsentiert, den man sonst nur im Städel in Frankfurt neben Renoir findet.

Salvador Dalís "Remorse. Sphinx Embedded in the Sand" (1931) wird im Belvedere zu sehen sein. - © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / Bildrecht, Wien 2021
Salvador Dalís "Remorse. Sphinx Embedded in the Sand" (1931) wird im Belvedere zu sehen sein. - © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / Bildrecht, Wien 2021

Die Albertina modern setzt im Herbst dann mit Valie Export fort, während das Haupthaus im März mit Munch (im Dialog mit Gegenwartskunst) und einer Geburtstagsschau für Alex Katz startet und im Herbst mit Francesco Clemente und Tony Cragg fortsetzt. Auch da sind, sicher das Publikum erfreuende, Wiederkehrende zu finden.

Überraschungen im KHM

Das Kunsthistorische Museum kann mit zwei Überraschungen nach Tizian aufwarten: Das ist nach Spezialschauen wie "Iron Man" (Rüstungen) und "In 80 Münzen um die Welt" im Herbst eine Kooperation mit dem wunderbaren Museum Oskar Reinhart in Winterthur über Lukas Cranachs Anfänge in Wien, bei dem das Ehepaar Anna und Johannes Cuspinian vorübergehend heimkehren wird. Jonathan Fine, neuer Direktor des Weltmuseums, wird erstmals den Theseustempel bespielen, mit George Nuku, dem Mãori-Künstler, der nicht nur mit seinem "Bottled Ocean" bereits zu Biennale-Ehren kam.

Nachdem die "Foto Wien", 9. bis 27. März, ins Atelier Augarten ausgelagert wurde (wo einst Francesca Habsburg ihr TBA21 startete, das nach Córdoba ins ferne Andalusien abgewandert ist), sucht das Kunst Haus zudem eine neue Direktion, kündigt aber eine Schau über Fotografie und Wind für 12. März bis 28. August an, sowie für Herbst "Georg Sailer: Unseen Places". Am Schillerplatz folgt auf die Neubestellung von Sabine Folie im April die Neuaufstellung der Gemäldegalerie an. Ähnlich wie die ins Mumok wiederbestellte Karola Kraus zögert Folie die Jahresvorschau noch hinaus, was Lilli Hollein nicht vor hat. Neben einem Video im Netz hat sie die Schau über die experimentelle Architektengruppe Missing Link ab 27. April und im Herbst Brigitte Felderers Sicht auf Feste seit der Aufklärung bekannt gegeben.

Auch die wiederbestellte Stella Rollig gibt den Blick für alle frei auf Ausstellungen, die in allen Häusern durch die Wiedereröffnung des Unteren Belvederes stattfinden. Am 28. Jänner startet sie mit einem Wiener Thema: Salvador Dali und Sigmund Freud, im Oberen Belvedere kommt Marc Quinns "Emotional Detox", danach folgt der Blick auf Venedig in der bildenden Kunst am 17. Februar, Georg Eisler und Joseph Rebell, im Belevedere 21 wird Rebecca Warren vom 21. Juli bis 16. Oktober Rondinone folgen - neben einem Medienkunstfestival und einer Onlinekonferenz zum Museum im digitalen Zeitalter, bei der Max Hollein Keynote-Speaker sein wird.

Das Leopold Museum blickt ab 25. März mit Gastkurator August Ruhs auf die psychischen Abgründe Alfred Kubins, zeigt Literaten-Porträts aus der Sammlung Klewan. Ab 20. Mai sind Werke von Franz Hagenauer zu sehen sowie die Kooperation mit dem Bonartes Institut über Künstlerkopien des Verlags Otto Schmidt. Im Herbst kehrt der Hagenbund wieder sowie eine Schau über Tilla Durieux, kuratiert von Daniela Gregori.

Erfreulich für viele wird wohl die Schau "Des Kaisers schöne Tiere" im Prunksaal der Nationalbibliothek ab 23. März, bevor Ende Juli wegen Renovierung geschlossen wird. Im Literaturmuseum wird ab 17. November Ingeborg Bachmann den Herbst bereichern, und das Papyrusmuseum bringt einen Blick auf Ägypten von Byzanz bis zu den Arabern ab 3. Juni.

Afrikanische Gegenwartskunst

Das Jüdische Museum muss auf die Ankündigungen der neuen Direktorin Barbara Staudinger bis Juli warten, im Kunstraum NÖ wird am 21. Jänner das Programm bekannt gegeben, während in Krems die Kunsthalle mit Helen Frankenthaler ab 23. April die Grande Dame des abstrakten Expressionismus ankündigt. Hans Kupelwieser wird im Sommer und Herbst die Dominikanerkirche verwandeln, denn dort wird ganz zeitgeistig afrikanische Gegenwartskunst gezeigt. Die neu bestellte Gerda Ridler in der Landesgalerie will sich zwar auf die Sammlungen konzentrieren, bringt aber auch Chiharu Shiotas Installationen nach Krems. Und auch die Kunsthalle Wien kann sich mit Themen wie etwa "Widerständige Museen" ab 7. April und Personalen über Katharina Daschner im Sommer und Sanja Iveković in diesem Umfeld gut behaupten.

Wem es 2022 in und um Wien zu mainstreamig wird: In Salzburgs Museum der Moderne sind im Sommer Medienpionier Richard Kriesche und im Herbst Bill Viola und Die Damen angesagt.