Wann genau das Privatmuseum der Milliardärswitwe Heidi Goëss-Horten im Wiener Hanuschhof eröffnen soll, ist nach wie vor nicht bekannt. Auch in der für Donnerstag angesetzten Ausgabe von Ioan Holenders Sendung "kulTOUR" auf ServusTV (23.30 Uhr) spricht Museumsdirektorin Agnes Husslein vage vom "Frühjahr". Fertig ist hingegen ein von Goëss-Horten in Auftrag gegebenes Privatgutachten, das sich mit der Nazivergangenheit ihres verstorbenen Mannes auseinandersetzt.

Wie das neue Museum, in dem die "Heidi Horten Collection" gezeigt werden soll, nach Fertigstellung der Bauarbeiten aussehen wird, lässt sich aufgrund der 30-minütigen Sendung, in der neben Horten und Husslein auch die Architektin Marie-Therese Harnoncourt-Fuchs vom ausführenden Architekturbüro the next ENTERprise zu Wort kommt, bereits erahnen. Anhand eines Modells zeigt sie die unterschiedlichen Ausstellungsebenen in dem völlig entkernten Palais, dessen historische Fassade allerdings erhalten bleibt. Unter dem (verglasten) Dach wird es auch einen Raum geben, in dem Horten ihr Museum überblicken kann.

Der inhaltliche Fokus des neuen Museums werde zwar auf internationale Kunst des 20. Jahrhunderts mit unter anderem Werken von Pablo Picasso, Edvard Munch, Yves Klein oder Keith Haring gesetzt, heißt es. Ein Rundgang durch Hortens Anwesen in Tirol zeigt aber, dass sich in der Sammlung durchaus auch einige andere Preziosen - von Walde bis Waldmüller - finden, die in der einen oder anderen Sonderausstellung in Wien gezeigt werden könnten, so Husslein. Auch die eigenen Werke der Milliardärin sollen in ihrem Museum präsentiert werden.

Apropos biografisch: Jüngst wurde jenes Gutachten veröffentlicht, das Horten selbst in Auftrag gegeben hat, um die Vergangenheit ihres Mannes Helmut Horten (1909 bis 1987) aufzuarbeiten, der wiederholt mit sogenannten "Arisierungen" während der Gründungsphase seines Kaufhausimperiums in Zusammenhang gebracht wurde. Erstellt wurde das Gutachten vom Historiker Peter Hoeres unter der Mitarbeit von Maximilian Kutzner (Uni Würzburg) und trägt den Titel "Gutachten über den Vermögens- und Geschäftsaufbau von Helmut Horten im Kontext der ‚Arisierung‘ in der Zeit des ‚Dritten Reiches‘".

Von Arisierungen profitiert

Demnach hätte Horten keine Notsituation für jüdische Geschäftsleute herbeigeführt oder diese verschärft. Er sei zwar Nutznießer gewesen, als er Kaufhäuser von jüdischen Besitzern übernahm, habe die "Arisierung" aber nicht vorangetrieben. Die beiden Gutachter betonen auf der Website, von der das Gutachten heruntergeladen werden kann, dass "vertraglich der Primat der Wissenschaft und die wissenschaftliche Unabhängigkeit des Gutachters garantiert" worden seien.

In der Zusammenfassung wird dann vorausgeschickt: "Die Ergebnisse dieses Gutachtens verdeutlichen, dass manche publizistischen und wissenschaftlichen Zuschreibungen an den Unternehmer Helmut Horten von nicht haltbaren Vorannahmen geprägt sind." Ziel dieses Gutachtens sei gewesen, insbesondere die Geschäftsübernahmen aus jüdischem Vorbesitz zu untersuchen. "Horten betrieb intensiv die Übernahme jüdischer Unternehmen und profitierte von der Situation der jüdischen Eigentümer", heißt es weiter. "Aber es wurde deutlich, dass es bei Arisierungsvorgängen eine erhebliche Bandbreite an Handlungsmustern und Aktionen gab." Horten habe "was die Konditionen der Verkäufe anbelangt" "vergleichsweise fair" gehandelt.