Die Protagonisten dieser Ausstellung mit einer acht Jahre langen Vorbereitung sind zwei der bekanntesten Männer des 20. Jahrhunderts: der Erfinder der Psychoanalyse, Sigmund Freud, und der katalanische Maler und Exzentriker Salvador Dalí.

Die starke Beziehung zur Psychoanalyse glich einer Obsession. Salvador Dalís "Komposition mit drei Figuren", 1926. - © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / Bildrecht, Wien 2022
Die starke Beziehung zur Psychoanalyse glich einer Obsession. Salvador Dalís "Komposition mit drei Figuren", 1926. - © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / Bildrecht, Wien 2022

Obwohl nicht Wien die Stadt ihrer einzigen Begegnung war, sondern London 1938, hatte Freud auf den Künstler wie auf den Surrealismus insgesamt entscheidenden Einfluss, ja noch mehr, er war ein Angebeteter dieser Gruppe. Dabei hatte er selbst für die neue Kunstrichtung wenig über, erst Dalís fanatisches Temperament und das Gemälde "Metamorphose des Narziss" (1937 und nicht in der Schau) vermochten offenbar seine Meinung zu revidieren, allerdings ist dies ein nicht erstaunlicher Umstand, denn Freud hat oft seine eigenen frühen Theorien verworfen und altersunabhängig Neues angenommen, auch wenn sein Kunstgeschmack eher altmodisch war.

Dalí: "Das düstere Spiel", 1929. - © Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí/ Bildrecht, Wien 2022 / White Images / Scala, Florence
Dalí: "Das düstere Spiel", 1929. - © Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí/ Bildrecht, Wien 2022 / White Images / Scala, Florence

Konzept eines Labors

Der Kurator der Ausstellung, Jaime Brihuega Sierra, ist emeritierter Professor für Kunstgeschichte und spanischer Kulturbeamter, er war schon mit der Verteilung des Dalí-Nachlasses befasst und hat daher die Beziehungen, jene wichtigen Werke der Anfangsphase des Künstlers auch aus Privatbesitz zu bekommen; sensationell dabei die Gemälde "Das düstere Spiel" oder auch "Paranoia", dazu kommen die Porträtzeichnungen, die er von Freud anfertigte, aber auch Objekte wie "Lobster Telephone".

Die Schau ist in roter Wand- und Bodenfarbe und schwarzen Ausstellungsmöbeln mit teils schmalen Durchgängen durch Margula Architects in Richtung eines schulischen oder wissenschaftlichen Labors konzipiert, da die kleinformatigen Gemälde der Jahre 1922 bis 1938 keine großen Wandflächen brauchen. An den Wänden sind die Saaltexte mit Fotografien der fünf chronologischen Kapitel in amorphen Blasenformen situiert, sowie Filmmonitore für Dokumentationen - wie Marie Bonapartes Film über Freuds Flucht; die Kunstfilme von Luis Buñuel, teils unter Mitwirkung Dalís gedreht, sind wie die Bilder in die Möbel eingebunden.

Die Chronologie schildert in den ersten Kapiteln Dalís schwierige Kindheit mit totem Bruder, dessen Namen er als Nachgeborener trug, den frühen Tod der Mutter und autoritären Vater, der danach seine Schwägerin ehelichte.

Als die Bücher Freuds 1923 ins Spanische übersetzt wurden, war dies der Anfang eines Heilungsprozesses für den angeschlagenen Knaben, der an der Akademie und durch ein Studentenheim in Madrid nicht nur Künstlerkollegen, sondern auch den Dichter Federico García Lorca und die histologischen Zeichnungen von Santiago Ramón y Cajal kennenlernte, die hier erhellend einigen neurologischen Skizzen Freuds gegenübergestellt werden.

Die starke Beziehung zur Psychoanalyse kann als Obsession gesehen werden, sie reißt auch symptomatisch erst ab, nachdem er Freud getroffen hat und ihm seine Methode der Bildumsetzung mittels der von ihm schriftlich festgelegten "kritischen Paranoia" vortragen kann (die Freud wenig interessierte). Die Gegensätze prägen das Bild dieser Reise zu einem Treffen, das in Wien 1937 nicht klappte und erst durch Vermittlung des Freudbiografen Stefan Zweig und des Sammlers Edward James zustande kam.

Schmerzlust, Tod und Liebe, Abstoßung und Anziehung sind bei beiden theoretischer Ausgang, die Sublimationstheorie der Psychoanalyse und Freuds letztlich aufklärerische Sicht, vertrat Dalí keineswegs. Er und die Surrealisten wollten bildlich verrätseln, Träume andeuten, so sind diese Gemälde auch Bearbeitungen seiner Ängste, Sexualneurosen und Paranoia, die polymorph-perversen Elemente seiner Analerotik, sichtbar in "Das düstere Spiel", werden später Grund des Ausschlusses durch die Surrealisten.

Neue Erkenntnisse

Interessant auch die Übernahmen der Kastrationsangst etwa in Dalís Gemälde "Anthropomorphes Brot" 1932. Futuristische und auch kubistische Versuche am Anfang, auch seine Neigung zur Neuen Sachlichkeit vor dem Surrealismus sind gut nachvollziehbar, an sich richtet sich die Schau an Spezialisten, stellt einen hohen Anspruch an Besucher und wartet mit einer neuen These auf: Der Kurator hat den Verdacht, dass Dalí bereits 1937 Freuds Sammel-Objekte in der Berggasse sah, darunter eine Hand aus Bronze mit einem Ei, die ihm Anregungen für Bilder gab. In einem Film werden Vermutungen über den Wandel des Psychoanalytikers in Sachen Surrealismus geäußert. Gala, Dalís "Gradiva" kommt als seine "Analytikerin" durch Liebe nur am Rande vor, allerdings gibt es auch zwei Skizzen seines frühen Gefährten Lorca.