Schon während des Studiums begann die 1957 in Wien geborene Brigitte Kowanz in Kooperation mit Franz Graf in der Avantgarde-Galerie nächst St. Stephan auszustellen. Sie studierte seit 1975 an der Angewandten und erfuhr vor der Grafikklasse Oswald Oberhubers bei Herbert Tasquil und seiner Assistentin Helga Philipp Anregungen zu geometrischen und konkreten Tendenzen, dabei integriert die Geschichte des Bauhauses und der kinetischen Kunst der Zwischenkriegszeit.

Vor allem die Lichtklaviere von Alexander Skrjabin oder Ludwig Hirschfeld Mack, aber auch die Welt der Werbung mit Neonlicht, die neue Fotografie, der Avantgardefilm mit seinen Kadern und Scheinwerfern sowie die kinetischen Objekte der Op Art haben Kowanz Werdegang entscheidend geprägt.
Aus diesem Fundus der innovativen klassischen Moderne mit synästhetischen Erfahrungen zwischen Tönen und Farben, aber auch einer Auflösung des Bildobjekts in den Raum, haben Kowanz, Graf, Peter Kogler, Ernst Caramelle, Eva Schlegel und viele andere in den 1980er Jahren – laut Markus Brüderlin – neben dem "Dauerbesäufnis in Terpentin" der neuen wilden Maler die auch von Wien ausgehende Richtung der "Neuen Geometrie" begründet.

Biennale-Beiträge

Kowanz nimmt ab Mitte der 1980er Jahre mit ihren Lichtinstallationen Abschied von der Malerei, in der sie vor allem aus der Abstraktion Farbe und Licht isolierte und immer mehr mit Architektur verband. Deshalb sind auch heute ihre vielen von der Theorie der konzeptuellen Kunst bestimmten Beiträge für Kunst im öffentlichen Raum, ihre Interventionen in Museen und öffentlichen Gebäuden, Landmarks einer neuen Tendenz, die ihr Lehrer Oberhuber schon 1989 mit der Ausstellung "60 Tage Museum des 21. Jahrhunderts" und seinem Einfluss in der Avantgardegalerie nächst St. Stephan auf den Weg brachte.
Neben Kowanz haben Waltraut Cooper, Evelyne Egerer, Brigitta Malche und Fria Elfen den Weg in die Lichtkunst mit Objekten und Installationen eingeschlagen, jedoch ist es allein Kowanz gelungen, mit vielen Beiträgen zu den Biennalen von Venedig, Paris, São Paulo und Sidney, aber auch in berühmten Galerien und Museen wie der Galerie und dem Museum Beyeler in Basel, über Europa nach New York oder Shanghai die Errungenschaften des Bauhauses fortzusetzen und alle Lichtquellen von Neon über Halogen bis hin zu Leds innovativ einzusetzen. 1997 trat sie an der Angewandten, wo sie studiert hatte, die neue Professur für Transmediale Kunst an, die sie mit viel Einsatz für ihre Studierenden bis vor kurzem ausübte, auf Messen und in Museen initiierte sie immer wieder gemeinsame Auftritte und Diskussionen. 1987 beschrieb Robert Fleck ihre Installation in der Galerie Krinzinger als "Videomonitorinnenlichtraum", Peter Weibel betonte den Umgang mit Echtzeit und Lichtgeschwindigkeit als neue scheinbar kunstlos immaterielle Erfahrung in ihren Lichträumen, die Sprache poetisch, aber auch parataktisch einschließen.

Poesie und Mathematik

Das von Kowanz vermittelte Raumerlebnis ist ambivalent, es schwingt zwischen konkreter Poesie, Mathematik und Logik, sie setzte anfangs Flaschen und Schatten, dann Zahlen, Symbole und Codes, auch das Morsealphabet ein, verwendete aber auch die wilde Linie, Acrylglas, Metall, Spiegel und perspektivische Effekte. Immer werden die Räume durch ihre Interventionen in Halbdunkel getaucht, in denen das Licht für sich wirksam wird. Meist monochrom, verströmen sie dunklen Museumsraum ein im Nächtlichen expandierendes Gefühl von Bewegung durch Lichtgeschwindigkeit. Besonders poetisch kam das in der Secession 1993 oder in Kassel im Wald 2005 mit Lichtobjekten an Baumstämmen zum Ausdruck. Häuser und Interieurs brachte sie durch Licht zum Verwinden, löste Kanten und Ecken auf, damit auch Grenzen. Akzentuierungen wie die zuletzt am Dach des Leopold Museums 2020 gestaltete "Libelle" (mit Laurids Ortner und Schlegel) zeigt die Selbständigkeit der Lichtkunst und ihre Wandlung in ein Gefühl des Schwebens.

1990 hatte Kowanz eine "Lichttreppe" geschaffen, die mit einer Himmelstreppe verglichen wurde, mit "Ad infinitum" und einer "Endlosen Falte", frei nach dem Philosophen Gilles Deleuze, griff sie auch in die barocken Prunksäle des Belvederes ein. Schon 2007/8 konnte sie neben ihrer Lehrerin Philipp Lichtarbeiten im Museum Liaunig in Neuhaus installieren. Nun hat die schwere, sie viele Jahre quälende Krankheit ihrem Schaffen viel zu früh ein Ende gesetz


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kowanz.com

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