Das Kunstforum erscheint in Rosa und Hellblau, auch sonst sind starke Farbigkeit für David Hockney, einen der bekanntesten Künstler der Gegenwart, geboren 1937 in Yorkshire, wichtiger Faktor seiner so eigenwilligen wie alterslosen Werke. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Tate Collection und empfängt Besucher mit der ikonischen Phase der "Pool Paintings" aus Los Angeles Mitte der 1960er Jahre. Hockney hat damit eine neue Landschaftswelt mit kombiniertem Lebensgefühl geschaffen, sie wird als "Californication" beschrieben. Die Erzählung von "Man in a Shower in Beverly Hills" oder "Two Boys in a Pool, Hollywood" enthält das lockere, aber damals verbotene Treiben homosexueller Männer, doch sind darin damit verbundenen Strafen und Zwänge nicht zu spüren. 1968 kam er damit auf die Documenta 4, und es entstand ein Film über sein ungezwungenes Leben an den Pools, der ihm anfangs zu intim erschien: Im Kunstforum ist er zu sehen, der Wahrnehmung des Lichts am Wasser kommt eine zentralere Bedeutung zu als dem Sex.

Mit iPhone und iPad

Für alle, die meinten, Hockneys Malerei schon gut zu kennen - auch die späten Landschaften um 2008/10 aus der Normandie und Yorkshire inkludierend, die in saftigen Frühlingsfarben fast ein wenig Gift der Umweltproblematik mitschwingen lassen -, finden hier viel Neues, denn der Künstler hat sich seit dem ersten iPhone, jetzt mit iPad, stetig mit neuen digitalen Medien beschäftigt. Das riesige Tableau eines Tintenstrahldrucks aus vielen zusammengesetzten digitalen Bildern zeigt den 80-jährigen Künstler "In the Studio, December 2017". Ein klassisches Atelierbild wie auch seine Schriften den Techniken der alten Meister nachgehen. Auf Screens malen sich die fotografischen Zeichnungen und Bilder vor unseren Augen selbst, die er mittels der Geräte Plein-Air eingefangen hat. Der immer als Dandy auftretende Hockney sieht gegenüber der schmutzigen Malerei den Vorteil der Neuen Medien, im Anzug arbeiten zu können.

David Hockneys "The Arrival of Spring in Woldgate, East Yorkshire in 2011". - © David Hockney
David Hockneys "The Arrival of Spring in Woldgate, East Yorkshire in 2011". - © David Hockney

Nicht chronologisch, sondern nach den Themen und seinen klassischen Wahrnehmungsfragen geordnet, finden sich im Hauptraum die mehr als drei Meter breite Ikone "Mr and Mrs Clark and Percy" 1970/71 in gedämpften Acrylfarben, genau nach der Mode der Kunstfilme Luchino Viscontis dieser Zeit, aber auch das monumentale Ölbild mit dem Porträt seiner Eltern von 1977. Nach vielen Reisen war der Künstler nach England zurückgekehrt, um für die beiden zu sorgen, die ihm mehrere Studien, zuletzt an der Royal Academy um 1960 ermöglicht hatten. Daneben die 2011 entstandene 18-Monitor-Mehrkanal-Filminstallation der Yorkshire-Landschaften, die sich vor uns ständig wandeln. Als Konfrontation sind im kleinen Saal dahinter die frühen Ölbilder um 1962, gemalt auf ungrundierte Leinwand, zu finden, die "Flight to Italy - Swiss Landscape" und die auf ein Erlebnis mit seinem Freund im Pergamonmuseum zurückgehende "First Marriage" eines Mannes mit einer ägyptischen Statue.

Außerordentliche Kunst

Das Porträt "My Parents" (1977) von David Hockneys Eltern. - © Tate / David Hockney
Das Porträt "My Parents" (1977) von David Hockneys Eltern. - © Tate / David Hockney

Ein ganzer Saal ist den grafischen Aktivitäten Hockneys gewidmet, vor allem seine Radierzyklen, die Gedichte des griechischen Lyrikers Konstantin Kavafis illustrieren, oder mit seinen Erlebnissen in New York im Umfeld der Warhol’schen Factory zusammenhängen. Die frühen Werke zeigen viele Beischriften wie "Queer" oder "Queen", Zahlen und Zeichen, die nur für ihn und sein Bohemien- und Homosexuellenmilieu lesbar und wichtig waren. Die 1980er Jahre mit ihren starken Farben und den Rückgriffen auf Pablo Picasso oder Henri Matisse folgen mit der monumentalen Gouache "A Visit with Mo and Lisa, Echo Park, Los Angeles, 1984" oder einem bemalten Paravent, der grellbunt mehrere Techniken zur Lithografie kombiniert: Diese Collagen zeigen die lebenslange Auseinandersetzung von Malerei und Fotografie.

Den Abschluss bilden die an Francis Bacon und Graham Sutherland erinnernden Ölbilder auf Hartfaser wie "The Third Love Painting" (1960) und eine Serie sensibler Aquarelle und Zeichnungen seiner frühen Freunde, aber auch der Wandel zu den mehr an Peter Blake und Ronald B. Kitaj orientierten sogenannten Pop-Bildern, die wenig mit der Pop Art zu tun haben, zeigt sich doch in "Renaissance Head" seine Vorliebe für Antike und Frührenaissance. Am Rückweg lohnt es sich, den "Two Deck Chairs" (1972) einen Abschiedsbesuch zu machen - ein wunderbares Bild einer Hausfassade mit Fenstertüren und Holzjalousien. Es macht einen sicher, mit außerordentlicher Kunst konfrontiert zu sein.