Februar ist der "Black History Month". Allerdings ist das eher eine Tradition in den USA. Bereits 1926 wurde er, damals noch auf eine Woche begrenzt, gegründet, um den Beitrag der Afroamerikaner zur Geschichte des Landes in den Fokus zu holen. Eine Idee, die sich natürlich auch auf andere Länder umlegen lässt, und darum wird der "Black History Month" nun auch in Wien begangen - in einer kleinen Ausstellung im Volkskundemuseum. Dort ist noch bis Juni das Queer Museum Vienna einquartiert. Es sind aber nicht nur queere schwarze Künstler, die sich in der Ausstellung mit dem etwas sperrigen Titel "my/his/her/queer-story wasn’t taught at school" versammeln. Der bezieht sich darauf, dass im englischen Wort für Geschichte schon drinsteckt, dass sie von Männern geschrieben wird.

In der Ausstellung geht es freilich weniger darum, die Geschichtsschreibung zu ändern oder zu erweitern. Zuallererst gehe es darum, den Zusammenhalt der Black Community in Wien und Österreich zu zeigen und zu stärken, sagt Kuratorin Mirabella Paidamwoyo Dziruni. Viele der Arbeiten - es sind Gemälde, Collagen, Installationen, Videos und eine "Sounddusche" - befassen sich mit dem Hochhalten von Traditionen und dem Würdigen von Wurzeln in der Diaspora. In einer Ecke liegt etwa ein Stofftuch auf dem Boden, LED-Kerzen, Muscheln und Fotos bilden die Installation, die ein Versprechen ist: "Mis Ancestras will not be forgotten" - "meine Ahninnen werden nicht vergessen werden" von Lia Kastiyo-Spinósa. Die Arbeit "Yemoja / Yemanja for Lolo" von Edamwen zeigt eine üppige Muttergöttin der Yoruba-Mythologie, eine Meditation über das Bewahren von mythischem Erbe. Faris Cuchi Gezahegn versucht mit einem königlich anmutenden Selbstporträt, äthiopische Wurzeln - eine Schärpe in den Landesfarben - und Queerness - eine rosa Stoffbahn - zu vereinen. Eine schwierige Aufgabe, ist doch die LGBTQ-Situation in Äthiopien prekär.

Einige Arbeiten beschäftigen sich mit der Frage nach der Schönheit, die mit der Erfahrung des "Nicht-Dazugehörens" existenziell zusammenhängt. In einer Ecke hängt ein sogenannter Durag, das ist ein geknoteter Haarschutz, der in den 90ern auch zum Modeaccessoire wurde. In der Ausstellung ist der Durag von Matassa beschriftet mit Gedichten über die Haare, die zum einen Objekt des demonstrativen Andersseins sein können oder - nicht zuletzt mit Chemie traktiert - ein Zeichen der Anpassung an eine dominierende Umgebung ohne Afrokrause. "In den Haaren ist ganz viel Geschichte und Trauma eingeschrieben," bestätigt die Kuratorin. "Haare sind wie eine Krone. Und gleichzeitig hat fast jeder die demütigende Erfahrung gemacht, dass einem Wildfremde in die Haare greifen, wie in einem Streichelzoo." "Learning to love my hair is a process", steht also nicht von ungefähr auf dem Durag.

Welche Folgen das Gefühl, "dass man von Geburt an nicht zu dem Land gehört, in dem man geboren wurde" (Paidamwoyo Dziruni) haben kann, zeigt die beklemmendste Arbeit der Schau: eine Collage von mangoranges aus leeren Medikamentenblistern und Beipackzetteln, viele Psychopharmaka - der Verbrauch von nur einem halben Jahr.