Kennen Sie die McCloskeys? Fotografien von Marc und seiner Frau Patricia sind im Juni 2020 um die Welt gegangen. Sie zeigen das weiße Pärchen auf ihrem Grundstück stehend, mit Waffen in der Hand. Er mit einem Maschinengewehr, sie mit einer kleinen Pistole. Die Aufnahmen aus St. Louis im US- Bundesstaat Missouri sind bereits zu einer Ikone geworden: Der weiße Anwalt und Besitzer des Hauses, der mit dem selbst geschriebenen Recht auf seiner Seite keine Sekunde zögert, seinen Besitz gegen einen marodierenden Mob von Großteils Farbigen zu verteidigen.

Dass sich der vermeintliche Mob als Demonstranten der "Black Lives Matter"-Bewegung entpuppte, die vor dem naheliegenden Haus des Bürgermeisters in dieser "Gated Community" gegen Gewalt an Farbigen protestierten, steht in einem anderen Kapitel. Die Aufnahmen entwickelten nach kurzer Zeit ikonografischen Charakter: ein Bildnis von weißem Besitzanspruch und blankem Rassismus.

Tania Candiani: "Sounds of Labor. Work Songs". 
- © Miranda Ollin

Tania Candiani: "Sounds of Labor. Work Songs".

- © Miranda Ollin

Luxus-Festungen

Diese Bilder kommen Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung "Whiteness as Property" im Künstlerhaus bei der Installation der südafrikanischen Künstlerin Lungiswa Gqunta "Lawn" in den Sinn: Eine imaginierte Rasenfläche aus zerbrochenen Flaschen, die "als Symbol der besitz-individualistischen Privilegien in der Vorstadt fungieren". Dieses scharfe Symbol kann sowohl als Protest gegen die Besitzverhältnisse gelesen werden, aber ebenso den "wehrhaften" Charakter weißen Besitzstands unterstreichen - das Betreten des Privatbesitzes wird Schmerzen verursachen. Ironischerweise verhindert in der Ausstellung eine Kordel rund um die Installation das "Betreten" des gläsernen Grundstücks. Eine Vorsichtsmaßnahme, wie ein Hinweisschild argumentiert.

Ntombizollile Mosebetsane: "Widows of Marikana" from the Series of Bodymaps. 
- © Künstlerhaus

Ntombizollile Mosebetsane: "Widows of Marikana" from the Series of Bodymaps.

- © Künstlerhaus

Die Kuratorin Ana Hoffner ex-Prvulovic* hat sich einer noch immer aktuellen Thematik angenommen. In ihrer Konzeption hat sie sich an einem 1993 erschienen Text der Juristin Cheryl I. Harris orientiert, der die "Formation von Besitzverhältnissen entlang rassistischer Kategorien" behandelt.

Harris stellt außerdem fest, dass "Rassismus nicht nur schwarze Bevölkerungsgruppen enteignet, sondern auch Eigentum als ein Recht definiert, das nur ‚weißer‘ Identität zugänglich ist". Ihre Abhandlung orientiert sich an der US-amerikanischen Geschichte wie Realitäten. Hoffner ex-Prvulovic* öffnet ihre Konzeption nicht nur einer globalen Perspektive, sondern erweitert ihr Beobachtungsfeld: Die Positionen von 18 Künstlerinnen und Künstlern sowie Kunstkollektiven reichen von Arbeitsliedern kubanischer Zuckerrohrarbeiter (Tania Candiani) zu Wandmalereien aus dem ehemaligen Verwaltungssitz der "Privilegierten Zuckerhandelsgesellschaft zu Triest und Fiume, Rijeka" des Kollektivs Fokus Grupa. Diese Handelsgesellschaft hatte das Monopol auf die industrielle Zuckerproduktion der Habsburgermonarchie. Ein Blick auf die spätbarocken Veduten verdeutlicht, dass hier Sklavenarbeit schöngezeichnet wurde. Die Fotografie-Installation "Moscow / Sunday / Women" der tschechischen Künstlerin Anna Dauciková thematisiert die Absurdität zeitgenössischer Arbeitszeit. Seit Anfang der Arbeiterbewegung wird der Sonntag als freier Tag für den werktätigen Menschen zelebriert. Wobei hier der Mensch dem Mann gleichzusetzen ist. Denn die eindringlichen Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen Frauen: sonntags auf dem Weg zur Arbeit. Meist unsichtbare Arbeit in Sozialberufen. Für Dauciková auch eine Form von Rassismus, Ausbeutung und einseitigen "Besitzverhältnissen".

Einer gewissen Faszination gegenüber der Video-Installation der Künstlerin Angela Anderson kann sich der Betrachter nicht erwehren: Auf der einen Seite des Raumes werden in einem Video Superjachten vorgestellt: Schwimmende Luxus-Festungen, die die absolute Freiheit symbolisieren. Zwischen Staatsgrenzen in internationalen Gewässern herumzuschippern hat etwas. Wenn einmal der Ennui überhandnimmt, wird der bordeigene Helikopter bestiegen und auf einen Aperitif nach Monaco geflogen. Auf der anderen Seite des Raumes sind die Besitzer und Preise der Jachten gelistet. Das versetzt in ungläubiges Staunen: Die Kosten übertreffen das Nationalbudget mancher Staaten. Es muss nicht extra erwähnt werden, dass die Besitzer zu fast 100 Prozent weiß sind und sich ihren Reichtum im waghalsigen Turbokapitalismus, oft in Russland, erworben haben. Ausbeutung, inklusive.

Die Ausstellung "Whiteness as Property" ist visuell spannend orchestriert und inhaltlich naturgemäß fordernd. Fordernd auch, was das Zeitbudget betrifft: Denn das Lesen der Ausstellungsbroschüre wird unbedingt empfohlen.