Im Jugend-Porträt 1725 von Francesco Solimena noch fast mit melancholischem Ausdruck, zeigen die späteren Bildnisse des Fürsten Joseph Wenzel I. von Liechtenstein (1696 bis 1772), etwa im Ornat des Ordens vom Goldenen Vlies von Hyacinth Rigaud 1740, einen selbstsicheren Charakter mit klarem Blick. Der Zeit gemäß war er mit militärischen Aufgaben, also Kriegen gegen die Osmanen mit Prinz Eugen, den Erbfolgekriegen der Habsburger, aber auch unter Maria Theresia mit der Modernisierung der Artillerie genauso befasst wie mit diplomatischen Reisen. Als Botschafter besuchte er Künstlerateliers in Italien und Frankreich. Dem Leben und der Kunstsammlung des Fürsten ist eine Sonderausstellung gewidmet, die den ganzen März die Liechtenstein Collections wieder für Wiener und Touristen öffnet. Die Sonderschau ist kostenlos zu besichtigen, in der Dauerausstellung werden zu ermäßigten Preisen zusätzlich Führungen angeboten.

Goldener Wagen

Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall, da es Direktor Johann Kräftner gelungen ist, die in den 1950er Jahren verkauften "Liechtenstein-Canalettos", die Bellotto-Ansichten des Gartenpalis Liechtenstein, aber auch die vier kleinen Genrebilder von Jean Baptiste Simenon Chardin aus musealen und privaten Sammlungen, teils in Amerika, zu leihen und mit wieder zurückerworbenen oder noch vorhandenen Werken zu vereinen. Zu drei Sonderausstellungsräumen ist auch der goldene Wagen in der Sala terrena und die Bibliothek mit einbezogen, in der sich Fürst Joseph Wenzel mit seinem Wappen am Buchrücken verewigte; dabei sind Werke der Botanik, Zoologie, Geografie und Geschichte, aber auch vor allem zu neuesten Waffen und Maschinen. Mit dem goldenen und von François Boucher bemalten Wagen wurde Joseph II. die bourbonische Prinzessin Isabella von Parma zugeführt, ein kompliziertes und teures Unterfangen, da in manchen Orten Gebäudeteile wegen ihrer Durchfahrt abmontiert werden mussten.

Francesco Solimena: Fürst Joseph Wenzel I. von Liechtenstein (1725). 
- © Liechtenstein. The Princely Collections, Vaduz-Vienna

Francesco Solimena: Fürst Joseph Wenzel I. von Liechtenstein (1725).

- © Liechtenstein. The Princely Collections, Vaduz-Vienna

Zu den Kunstwerken sind die drei Räume auch chronologisch den Reisen und Missionen des Fürsten gewidmet, dabei gibt es in Vitrinen die eigenhändigen Briefe der Kaiserin, aber auch von Friedrich II., der mit einem extra angefertigten Prunkgeschirr mitgeschickt auch jenen Satz vom "treuen" Fürsten enthält, auch wenn Österreich und Preußen verfeindet waren. Neben den interessanten Schriftzügen dieser Herrscher sind aber auch besondere Dokumente, etwa die auf Pergament geschriebene Aufnahme in den Orden vom Goldenen Vlies durch Kaiser Karl VI. von 1739, sowie Medaillen und Miniaturen zu sehen, auch der erste Sammlungskatalog von Vincenzo Fanti. Damals wurde der Bestand mit Kupferstichen dokumentiert. Neben den berühmten Venedig-Veduten des frühen Canaletto aus der Thyssensammlung kamen 2003 zwei Statuen von Mollinarolo aus der Ausstattung des Schlosses Ebergassing in die Liechtensteinsammlungen zurück. Doch nicht nur Barockkunst wie Ansichten von Bernardo Bellotto, auch eine Reiterstatuette von Giambologna oder die Emailbilder auf Kupfer zur Troja-Sage von Pierre Courteys aus der Spätrenaissance hat Joseph Wenzel damals in Italien und Paris erworben. Pompeo Girolamo Batoni beauftragte er mit zwei Ölbildern zur antiken Mythologie.

Viele Porträts

Da sich der Fürst oft porträtieren ließ, kann man nicht nur das Alter gut nachvollziehen bis in den erbarmungslosen Realismus eines Franz Xaver Messerschmidt von 1773/4, auch Genrebilder wie die Verkleidung als Bäcker von Joseph Baumgartner finden sich neben den repräsentativen Bildnissen in Rüstung oder Ornat. Maria Theresia und Friedrich II. schenkten dem Fürsten auch ihre Bildnisse und es gibt eine Kopie nach dem antiken "Betenden Knaben", die in Schloss Sanssouci stand. Zum 250. Todestag dieses Fürsten gibt es als zusätzliche Öffnung der Liechtenstein Collections auch eine neue Website, erstellt unter der Leitung von Alexandra Hanzl, die über die Schau hinaus derzeit schon 5.500 Kunstobjekte und bis Ende des Jahres 11.000 für alle ständig zugänglich macht.