Treffen sich eine Irin und eine Österreicherin, nein, nicht in einem Witz (obwohl beide durchaus Humor haben), aber dafür an zwei Orten gleichzeitig. Und das wiederum hat nichts mit der Quantenphysik zu tun (oder einer anderen surrealistischen Strömung), vielmehr mit Michaela Stocks Hybridgalerie: dem Salon Real / Virtual, der zwischen den zwei Realitäten hin- und herswitscht.

Der hat immerhin zwei Adressen, eine in Wien (in Naschmarktnähe, in der Schleifmühlgasse) und eine im World Wide Web (https://artspaces.kunstmatrix.com/en/exhibition/8642587/salon-real-virtual-12-evelyn-loschy-laura-fitzgerald). Wer jetzt wenig beeindruckt ist und schon einwenden will: "Na und? Eine Internetadresse hat doch praktisch eh jeder"; es geht hier nicht um eine gewöhnliche Website. Sondern um eine flexible Scheinarchitektur, in der das Sein (die "echte", greifbare Kunst) perfekt in den Schein (der Architektur) integriert wird. Bilder werden dort also nicht aufgehängt, sie werden hochgeladen (nachdem sie ursprünglich allesamt nur in der wirklichen Welt existiert haben). 

Im Vorzimmer vom Cyberspace

Die derzeitige Schau, in der zwei Künstlerinnen ihrer eigenen und der Identität überhaupt auf der Spur sind, verteilt sich entsprechend, mit Überschneidungen, auf Realraum und Kunstmatrix. Und als ob das noch nicht komplex genug wäre, verfügt die physische Galerie ihrerseits über zwei Räume (Büro und Klo nicht mitgerechnet): den eigentlichen Salon Real, bei dem es sich um ein stimmig möbliertes und voll funktionstüchtiges Wohnzimmer im Art-déco-Stil handelt (man kann sich folglich bequem hinsetzen oder auf der Chaiselongue die Beine hochlagern, sich an die Fake-Feuerstelle kuscheln, an der ab und zu Kamingespräche stattfinden, jedoch genauso gut stehen bleiben und die Zeichnungen von Laura Fitzgerald an den Wänden betrachten, sich die Kunst zwischen der häuslichen Gemütlichkeit geben), und nebenan befindet sich quasi das Vorzimmer zum Salon Virtual.

Der "reale" Teil von Michaela Stocks hybridem "Salon Real / Virtual"-Konzept: Wohnzimmer mit den Zeichnungen von Laura Fitzgerald an den Art-déco-Wänden. 
- © Matthias Bildstein

Der "reale" Teil von Michaela Stocks hybridem "Salon Real / Virtual"-Konzept: Wohnzimmer mit den Zeichnungen von Laura Fitzgerald an den Art-déco-Wänden.

- © Matthias Bildstein

Der hängt übrigens als Bild an der Wand (oder als Bildschirm), und mittels Fernbedienung kann man dann nach Lust und Laune in den fiktiven 3D-Räumen herumnavigieren. Nicht, dass man persönlich vorbeikommen müsste und nicht auch am eigenen Computer oder am Handy in die Kunstmatrix einsteigen könnte. Das ist schließlich der Gag an dem Ganzen. Dass der virtuelle Salon rund um die Uhr offen hat.

War der Monitor nicht sonst immer an einer anderen Wand? Stimmt. Diesmal hätte freilich die imposante kinetische Skulptur von Evelyn Loschy die Sicht darauf verstellt. Zwei riesige androgyne PVC-Köpfe, hohl wie Wasserbälle, vereint in einem symbiotischen Ein- und Ausatmen, einem permanenten Geben und Nehmen zwischen Kuss und Mund-zu-Mund-Beatmung, Liebesbezeigung und Erster Hilfe. Siamesische Zwillingsküsser, die sich gegenseitig den Odem des Lebens einblasen und ihn im selben Atemzug inhalieren.

Sie küssen sich, bis ihnen die Luft ausgeht (das Gebläse ausgeschaltet wird): Eine kinetische Skulptur (2022) von Evelyn Loschy, wo sich die symbiotischen Köpfe ziemlich lautstark gegenseitig beatmen. 
- © Evelyn Loschy / Galerie Michaela Stock

Sie küssen sich, bis ihnen die Luft ausgeht (das Gebläse ausgeschaltet wird): Eine kinetische Skulptur (2022) von Evelyn Loschy, wo sich die symbiotischen Köpfe ziemlich lautstark gegenseitig beatmen.

- © Evelyn Loschy / Galerie Michaela Stock

Okay, aufgepumpt werden sie in Wahrheit nicht voneinander, das macht ein unüberhörbares Gebläse. ("Es sind ja Maschinen", meint Loschy, "und die machen eben ein Geräusch.") Fäden, die innen an den Wangen ziehen, erzeugen lediglich die Illusion von sanftem Saugen. (Wieder die Künstlerin: "Es war a große Tüftlerei.") Und angetrieben wird der Mechanismus von einem Scheibenwischermotor. Lautstarke Beschaulichkeit. Trotz des Lärms, dieses beständigen enervierenden Brausens, nämlich ungemein beruhigend. (Wer nun neugierig geworden ist: https://vimeo.com/669434478.) 

Das Papier lacht trotzdem nicht

"Tickling Cyberspace" heißt die Doppel-Ausstellung. (Tickling: kitzeln auf Englisch.) Tschuldigung, falsch: Gekitzelt wird nicht der Cyberspace (oder der irgendwie ebenfalls), sondern "a sensible space". Ein vernünftiger Raum? Eher ein spürbarer. Bzw. empfindlicher. (Ach so, nein, das wäre "sensi-tive".) Wurscht. Laura Fitzgerald "kitzelt" jedenfalls sogar die Fläche, nicht bloß den Cyber- und anderen Space, nicht bloß die dritte Dimension. Konkret: Das Papier kitzelt sie. Mit Filzstiften. (Ergo: Sie fertigt klassische Zeichnungen an.) Die weißen Blätter bringt sie dadurch vielleicht nicht zum Lachen, die Farben andererseits sind sehr fröhlich, heiter.

Blick in den Salon Virtual: In der Kunstmatrix fühlen sich Laura Fitzgeralds bunte Zeichnungen (vorne) sichtlich wie zu Hause. 
- © Galerie Michaela Stock

Blick in den Salon Virtual: In der Kunstmatrix fühlen sich Laura Fitzgeralds bunte Zeichnungen (vorne) sichtlich wie zu Hause.

- © Galerie Michaela Stock

Stricherln, die sie wie Gräser sprießen lässt, die zu Wiesen und Feldern zusammenwachsen, sich zu Flächen verdichten, zu streng und straff komponierten, kultivierten Landschaften und einer fast naiven Buntheit, während sich die Irin selbst (Jahrgang 1983) als Künstlerin am Land behauptet, auf dem Bauernhof der Familie in der Grafschaft Kerry. Was sie in Analogie zur Landwirtschaft tut, die ja ebenso ein Territorium verteidigt, ist gewissermaßen Feldarbeit mit dem Permanentmarker, Landnahme durch Kunst. Im Salon Real inmitten von rein biologischen Lufterfrischern (Topfpflanzen).

Ihr Blick ist dabei panoramisch ausschweifend oder fokussiert aufs Detail, zoomt Letzteres bis zur totalen Abstraktion heran. Das einsame Rad eines Traktors überrollt in der "Too big"-Serie als flacher schwarzer Ring die weiße Leere des Papiers ("Most tractors are too big"), rosarot gefärbte Heuballen, eingefriedet von einem farblich abgestimmten Bilderrahmen, werden zu Pyramiden aufgetürmt, eine saftig grüne Fläche, die alles sein könnte, wird durch das Tor mit den Pferdeköpfen plötzlich zu einem "fancy field". (Google schlägt mir als Übersetzung "schickes Feld" vor.) He, wie bei Agrarprodukten ist überall eine Herkunftskennzeichnung dabei! (Steht auf der Preisliste.) Wo Fitzgerald beispielsweise die Stifte gekauft hat. In welchem Supermarkt. (Weil sie mit dieser Werkgruppe im ersten Lockdown angefangen hat. Als die Künstlerbedarfsgeschäfte zu hatten.)

Laura Fitzgeralds "News from back the road" (an der Wand) passen dem Salon Real wie angegossen. Und die Topfpflanzen sind sowieso tolle Kombipartner. 
- © Matthias Bildstein

Laura Fitzgeralds "News from back the road" (an der Wand) passen dem Salon Real wie angegossen. Und die Topfpflanzen sind sowieso tolle Kombipartner.

- © Matthias Bildstein

Und? Was wird auf der elterlichen Farm angebaut? – "Rocks." (Steine.) Die Antwort war natürlich nicht ganz ernst gemeint. Das Land ist halt ziemlich rau. Und es regnet viel. Ansonsten blöken da Schafe. Auf den Bildern ist allerdings kein einziges drauf. Vermutlich weil das keine authentischen Naturstudien sind. Dafür hab ich ein anderes, unscheinbares Detail gesichtet: Asphalt. An den unteren Bildrand gedrängt. Eine desillusionierende Durchzugsstraße. Die ist zwar leer, normalerweise fahren auf ihr aber offenbar Schuldgefühle herum, vorbei an der Idylle mit frisch geernteten rosaroten und hellblauen Rundballen. "I feel guilty about the petrol" (ich fühle mich schuldig wegen des Benzins), gesteht zumindest eine Buntstiftzeichnung, auf der ein Auto gerade tankt. Und anscheinend nicht Strom. 

Die ausgewilderte Milchkuh nicht melken!

Keine Angst, es gibt ein Gegenmittel, mit dem man die Benzinscham wieder wegkriegt. Ein Elektroauto? Oder man sucht im Salon Virtual die "Hiding Places for Hot Monks", die den frühgeschichtlichen steinernen Bienenkorbhütten auf den Britischen Inseln nachempfunden sind, und meditiert sie weg, die Benzinscham. Verkriecht sich am besten nacheinander in jedem dieser drei "Verstecke für heiße Mönche", die Fitzgerald wie ihre Papierarbeiten aus der Linie entwickelt hat.

Gut, verstecken kann man sich in diesen luftigen räumlichen Drahtskizzen, in denen ein paar Stofffleckerln hängengeblieben und die hier aus der analogen Kunstwelt in die digitale transferiert worden sind, sowieso nicht. Nicht einmal reinsetzen kann man sich, sich auf dem einladenden Meditationskissen niederlassen, weil keiner an Avatare gedacht hat. Na ja, das ist eine Online-Galerie, kein Computerspiel. Lustig wär’s trotzdem. Moment: Hot Monks? Eine Anspielung auf Andy Puddicombe, einen ehemaligen buddhistischen Mönch und nunmehrigen Meditationstrainer ("hot" wie: "sexy").

Kommt man beim Spaziergang durch den Salon Virtual  diesen "beehive huts" mit dem Cursor zu nahe, nein, dann schwirren nicht ganz viele wütende Bienen heraus, es kommt nicht einmal ein heißer Mönch raus, obwohl das "Hiding Places for Hot Monks" sein sollen, aber dafür hört man die besänftigende Stimme von Laura Fitzgeralds Mutter. 
- © Galerie Michaela Stock

Kommt man beim Spaziergang durch den Salon Virtual  diesen "beehive huts" mit dem Cursor zu nahe, nein, dann schwirren nicht ganz viele wütende Bienen heraus, es kommt nicht einmal ein heißer Mönch raus, obwohl das "Hiding Places for Hot Monks" sein sollen, aber dafür hört man die besänftigende Stimme von Laura Fitzgeralds Mutter.

- © Galerie Michaela Stock

Kaum nähert man sich, wird man von entspannenden Sphärenklängen ruhiggestellt und eine besänftigende Stimme ("I am Laura’s mom" – und die kennt sich mit dem Beruhigen aus, therapiert andere gern energetisch) nimmt einen mit auf eine Gedankenreise, entführt den Zuhörer in die Utopie einer alternativen, umweltverträglichen, unhektischen Lebensweise, die im Gegensatz zu jener, die den Klimawandel mitverursacht hat, nicht geprägt ist von ständigem Wachstum und dauernder Bewegung, im speziellen Fortbewegung, Alltagsflucht (Tourismus). Imaginiert ein rurales Paradies auf Erden, einen friedlichen Ort, wo die ausgewilderten Milchkühe unter Naturschutz stehen und die einzige Gefahr für einen darstellen, doch auch nur, wenn man versuchen sollte, sie zu melken. Autobahnen sind Fußgängerzonen, Pilgerwege zur Acht- und Langsamkeit. Und der Name des öffentlichen Verkehrsbetriebes ist Programm: VST ("Very Slow Transport").

Über die skurrile Duschszene in Hütte zwei muss man unweigerlich schmunzeln. Mindestens. Denn um nicht zu viel Wasser zu verbrauchen, soll man dieses exakt drei Sekunden lang aufdrehen, die sich freilich wie eine Ewigkeit anfühlen. Noch dazu schaltet man, um wiederum Strom zu sparen, das Licht nicht ein und kann im Finstern deshalb nimmer Shampoo und Conditioner auseinanderhalten, wenn man sich die Schuldgefühle aus dem Kopf wäscht.

Dieses Bild ("A great weight starts to lift", 2019) hat Laura Fitzgerald noch vor Corona gemalt. Damals hatte sie keine Schwierigkeiten, an Ölfarben ranzukommen. 
- © Lee Welch / Galerie Michaela Stock

Dieses Bild ("A great weight starts to lift", 2019) hat Laura Fitzgerald noch vor Corona gemalt. Damals hatte sie keine Schwierigkeiten, an Ölfarben ranzukommen.

- © Lee Welch / Galerie Michaela Stock

Und beim Zähneputzen spuckt man im Anschluss besagte Schuld mit der Zahnpasta erneut aus, bevor einem "Laura’s mom" die Absolution erteilt. Es sei völlig in Ordnung, in fremde Städte zu fliegen (oder meint sie: solange man dort Kunstmuseen besucht?) oder einen Burger zu essen. ("Sometimes artists eat burgers." Und Nichtkünstler?) Und Künstlerinnen müssen kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie Babys kriegen. ("Sometimes artists have babies. You want a baby and a burger from time to time.")

Sind das womöglich insgeheim Lachyoga-Übungen? Bloß dass man sich nicht zum Lachen zwingen muss, weil Fitzgeralds Visionen tatsächlich komisch sind? Tja, die Lage mag hoffnungslos sein (Erderwärmung und so), aber sie ist sichtlich nicht ernst. Weil da hat definitiv jemand Humor. Galgenhumor. 

Schmirgelpapier kann man nie genug daheim haben

Beruhigt haben sich Evelyn Loschys kinetische Skulpturen und ihre Filme weiter hinten im virtuellen Salon auch. Nein, nicht etwa weil die mütterlichen Worte aus den Meditationshütten sie in Trance versetzt hätten. Die sind schlichtweg zu Fotos erstarrt. Links zu den Videos, die die sehr körperlichen Objekte in Aktion zeigen (respektive den stehengebliebenen filmischen Bildern wieder das Laufen beibringen), finden sich in den Informationen zu den einzelnen Exponaten. Hierzu das i rechts neben dem jeweiligen Opus anklicken.

Heftiges Gesichtspeeling: Schon vom Zuschauen kriegt man eine Gänsehaut. Als hätte dieses Einzelbild aus Evelyn Loschys  Acht-Minuten-Performance "Friction" einen Ton. (Ich muss die Augen zumachen.) 
- © Evelyn Loschy / Galerie Michaela Stock

Heftiges Gesichtspeeling: Schon vom Zuschauen kriegt man eine Gänsehaut. Als hätte dieses Einzelbild aus Evelyn Loschys  Acht-Minuten-Performance "Friction" einen Ton. (Ich muss die Augen zumachen.)

- © Evelyn Loschy / Galerie Michaela Stock

"Friction" (Reibung): eine physisch und psychisch gleichermaßen intensive Performance, in der sich zwei maskierte Frauen, die beide die gleiche Frisur haben (einen Dutt), im scheuerndsten Sinne des Wortes eine Abreibung verpassen. (Loschy: "Auf so a Arbeit kommst nur, wennst viel Schleifpapier daheim hast und schon viel geschliffen hast.") Das unangenehme, scharrende Geräusch, wenn die blonde Künstlerin und ihr brünettes Alter Ego ihre mit Schmirgelpapier überzogenen maßgeschneiderten Masken, denen die Augenlöcher fehlen, blind aneinanderschmiegen und -wetzen, macht Gänsehaut. Schlimmer als eine Kreide, die auf der Schultafel quietscht.

Ein brutal-zärtlicher Zweikampf. ("Du hast an ziemlichen Druck auf dem Gesicht; und du musst an richtig guten Stand haben.") Ein Erkunden der Grenzen zwischen dem Ich und dem Du, zwischen Liebkosung und Gewalt. Nach dieser energiegeladenen Begegnung sind die beiden Zweitvisagen, die jede Berührung, jeden zwischenmenschlichen Kontakt aufgezeichnet, notiert haben, komplett zerkratzt. Zur Zufriedenheit der 1980 in Graz geborenen Künstlerin. ("Es is genau das rausgekommen, was i im Kopf ghabt hab. Aber ich hab’s während der Performance ned sehen können.") 

Streicheleinheiten, die unter die Haut gehen

Beziehungen sind bei der Steirerin, die in Wien, Amsterdam und Berlin studiert hat (transmediale und audio-visuelle Kunst sowie multimediabasierte Skulptur), ohnehin nie friktionsfrei. Streicheleinheiten gehen prinzipiell unter die Haut. Eine Gipshand wischt einem Gipskopf gar die Wange nach und nach weg. (Eine autodestruktive Apparatur, 2015.)

Kinetisch-autodestruktiv: Die ambivalente Skulptur von Evelyn Loschy auf dem Foto rechts vorn streichelt sich mit der beweglichen Gipshand nach und nach die Wange aus dem Gipsgesicht. Okay, nicht komplett. Trotzdem: Die Dosis macht das Gift. 
- © Galerie Michaela Stock

Kinetisch-autodestruktiv: Die ambivalente Skulptur von Evelyn Loschy auf dem Foto rechts vorn streichelt sich mit der beweglichen Gipshand nach und nach die Wange aus dem Gipsgesicht. Okay, nicht komplett. Trotzdem: Die Dosis macht das Gift.

- © Galerie Michaela Stock

Und aus der aufmüpfigen Stummfilm-"Geier-Wally" von 1921 macht Loschy eine multiple Persönlichkeit ("Me And My Selves", 2014), zerreißt sie in mehrere Wallys (in die Angepasste im Dirndl, die Ausgestoßene mit der Sturmfrisur . . .) und lässt diese interagieren, indem sie jene Szenen, in denen die Außenseiterin mit sich allein ist, geschickt zu einer neuen dramatischen Handlung zusammenschneidet, unterlegt von einem Soundtrack, der seinerseits innerlich gespaltenen ist, nämlich zwischen Volksmusik und . . . hm, Psychotechno? (Komponiert von Nicolò Loro Ravenni.) Loschy ist zweifellos eine Meisterin der Ambivalenzen.

Und der konstruktiven Zerstörung. Kein Wunder, dass sie Schlagzeugerin ist. (In der Artrockband "Perlen für die Säue.) Apropos Wunder. Allerdings eines ohne r. Die Wunde, die sie der Galerie 2017 geschlagen hat, als ihre Eisenschaukel beharrlich probiert hat, durch das Mauerwerk zu schwingen, und mit der rhythmischen Wucht einer Abrissbirne (oder nicht ganz so wuchtig) ungebremst gegen die Wand getuscht ist, ist dagegen längst zugespachtelt und vergessen.

Das elektrische Feuer im Kamin brennt nicht mehr lang. Erstens ist bald Frühling und zweitens endet der Salon Real mit dieser Ausstellung. (Zumindest an diesem Standort.) 
- © Matthias Bildstein

Das elektrische Feuer im Kamin brennt nicht mehr lang. Erstens ist bald Frühling und zweitens endet der Salon Real mit dieser Ausstellung. (Zumindest an diesem Standort.)

- © Matthias Bildstein

Dass der Salon Real nach dieser Ausstellung, die mittlerweile die zwölfte ist, ausgeräumt wird und das künstliche Kaminfeuer dann endgültig erlischt, das liegt wohlgemerkt an keiner Triskaidekaphobie (der Angst vor der Zahl 13). Die kommende Schau benötigt einfach mehr Platz. Genau wie die übernächste, die die allerallerletzte an diesem Standort sein und sämtlichen Künstlern der Galerie das anarchische Angebot machen wird: "Macht, was ihr wollt!" Weil Ende Juni ist ein für alle Mal Schluss. Dem Wohnzimmer trauere ich bereits jetzt nach (schnüff). Bleibt zu hoffen, dass es mitsamt dem spannenden Hybrid-Konzept ein neues Domizil findet.