Ich bin vollkommen verzweifelt vor meinem Computer-Screen gesessen!", erinnert sich die russisch-amerikanische Künstlerin Anastasia Samoylova daran, wie sie vor etwas mehr als einem Jahr die Wiener Kunstszene "kennengelernt" hat.

Präziser formuliert: Die Kuratorin Verena Kasper-Eisert hat sie über Zoom durch die Ausstellung "Nach uns die Sintflut", bei der Arbeiten von ihr zu sehen waren, im Kunsthaus Wien geführt. "Es war schmerzlich, die wunderbar zusammengestellte Präsentation nur online erleben zu können, weil ich aufgrund der Pandemie nicht anreisen konnte," erzählt Samoylova im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Besuch und Präsentation - in reduzierter Form - holt sie in diesen Tagen bei der zweiten Ausgabe der Spark Art Fair nach: Die spanische Galerie von Sabrina Amrani stellt ihre beeindruckenden wie vielschichtigen Fotografien in den Mittelpunkt einer Einzelpräsentation (Preise zwischen 6.500 bis 9.000 Euro). Und zu diesem Anlass kann die in Miami lebende Künstlerin ihren Wienbesuch endlich nachholen.

Originäre Werke

Die Reaktionen auf die erste Ausgabe der Spark vor neun Monaten hat sogar Gründer und Messeleiter Renger van den Heuvel überrascht: "Neben den durchwegs positiven Feedbacks der Galerien, Sammler und Kuratoren war es der Zuspruch der Künstlerinnen und Künstler zu dem neuen Messeformat, der mich und mein Team erfreut und bestärkt hat", unterstreicht er. "Es kommt eher selten vor, dass Künstlerinnen und Künstler Kunstmessen als Präsentationsplattform ihrer Werke wirklich mögen!"

Bedenken, die verständlich sind, da meist zu viel des Guten an den Ständen hängt. Dadurch geht die künstlerische Intention als Gegenpol zu einem breit gefächerten Angebot für Käufer verloren. Das passiert bei der Spark Kunstmesse eben nicht: In der Marxhalle zeigen 80 heimische wie internationale Galerien 99 Solopräsentationen. Die Arbeiten der einzelnen Künstlerinnen und Künstler stehen im Mittelpunkt. Werke, die häufig für die Messe und die originäre Architektur der Stände geschaffen wurden.

Dieser Ansatz ermöglicht eine profunde und direkte Auseinandersetzung von Kunstinteressierten und Sammlern mit den Künstlerinnen. "Wir konnten 24 neue internationale Galerien gewinnen", verweist Heuvel bei der Preview auf das starke Interesse an der Messe in anderen Ländern. Es tut der Kunstmesse qualitativ ebenfalls gut, sich nicht einem Länder- oder Regionenthema unterwerfen und Galerien mediokrer Qualität akzeptieren zu müssen. Dafür hat die Spark Budgetposten, die in kuratierte Sondersektionen investieret werden.

Wie heuer bei "Expanded" - eine Schiene für kommissionierte und vorproduzierte Skulpturen und Installationen, die der Schweizer Kurator und Spezialist für "Kunst im öffentlichen Raum" Christoph Doswald aus 12 Kunstpositionen zusammengestellt hat. Die unterschiedlichsten Positionen sind nicht an einem Platz zu finden, sondern müssen "entdeckt" werden, denn sie verteilen sich über das gesamte Messe-Areal. Was außerdem aufgefallen ist: Die bunt-poppige Installation mit Spiegeln von Dorit Margreiter bei Charim, die farbintensiven Schattenfotografien von Liddy Scheffknecht (4500 Euro) und die pastosen Leinwände abstrahierter medizinischer Gerätschaften wie zarten Collagen der spanischen Künstlerin Mercedes Mangranè bei Gerog Kargl (zwischen 1.200 und 3.600 Euro).

Die Strabag-Preisträgerin Anouk Lamm Anouk zeigt bei Mauroner ihre verspielt-erotische Serie "Lesbian Jazz" (zwischen 4.500 und 12.000 Euro). Die Galeristin Lena Freimüller (Galerie 3 Klagenfurt) widmet der außergewöhnlichen Medien- und Konzeptkünstlerin Margot Pilz eine perfekt inszenierte, fast museal anmutende Retrospektive.

Auf ihre Erfahrungen in Kolumbien und das Naturerleben vor Ort greift die Salzburger Künstlerin Johanna Binder bei ihrer Installation "Toposphere" zurück: Bedruckte Stoffe, feine Papierzeichnungen, käferartige Skulpturen entführen in eine urwaldartige Fauna und leisten einer etwaigen Weltflucht Vorschub (Preise zwischen 1.200 und 7.500 Euro) - zu sehen bei der Galerie Sophia Vonier. Der erste malerische Eindruck bei Maria Brunner täuscht etwas: Die bei der Galerie Thoman zu sehenden großformatigen, verschlungenen Sujets der Künstlerin sind auf zwei Schichten auf Jacquard-Stoffen gedruckt und schaffen es, einen dreidimensionalen Effekt zu generieren (zwischen 14.000 und 17.000 Euro). Sehr schön reduziert und zurückgenommen hingegen das Zusammenspiel von Wachskreidezeichnungen und an die Wand applizierten Kalksteinen der dänischen Künstlerin Sofie Thorsen bei der Galerie Krobath.

Ein nicht unwesentlicher Aspekt einer durchwegs gelungenen Messe: Frauen sind hier in der Mehrheit - 55 der 99 Solopräsentationen wurden von Künstlerinnen geschaffen.