Kaiser Franz II./I. pflegte eine derart innige Beziehung zu seinen Affen, die er in einem Garten auf der Burgterrasse hielt, dass er ihnen Namen gab. Schüchtern, beinahe verschämt mit der Pfote am Mund, blickt die Meerkatze Janettl aus einem Bild heraus. Wer durch die Ausstellung "Des Kaisers schönste Tiere" schlendert, erfährt noch andere Kuriositäten über die Habsburgermonarchen und ihre Tiere. 1551 etwa empfing Kaiser Maximilian II. ein überdimensionales Herrschergeschenk vom spanischen Hof: Ein prächtig geschmückter Elefant verbreitete bei seinem Einmarsch in Wien Panik. Und Kaiser Ferdinand I. liebte die Tiere eher aus dem Forschergeist heraus und umgab sich zeit seines Lebens mit auf das Tierfach spezialisierten Hofmalern, die ihn bis zu seinem Tod mit etwa 10.000 Blättern an naturalistischen Zeichnungen belieferten.

Nicht nur Tierstudien

Maximilians Elefant, die Meerkatze und die unzähligen Tierstudien aus vier Jahrhunderten finden sich als Lithografien, Aquarelle und Federzeichnungen im Fundus der ehemaligen kaiserlichen Hofbibliothek. Nun hat die Österreichische Nationalbibliothek die Bestände gesichtet und digitalisiert. Monika Kiegler-Griensteidl und Patrick Poch haben die Ausstellung im Prunksaal kuratiert und die Bilder erstmals einem breiten Publikum präsentiert.

In drei Kapitel gegliedert - Reisen, Menagerien, Tierstudien - erzählt die Schau von Forschung, Kunst, Unterhaltung und Machtdemonstration. Viele exotische Tiere gelangten durch Übersee-Expeditionen im kaiserlichen Namen nach Wien. Die berühmteste davon ist die von Kaiser Franz II./I. organisierte Brasilienexpedition 1817. Zoologen und Botaniker, aber auch Maler brachten lebende und ausgestopfte Tiere, darunter Affen, Jaguare und Nagetiere, nach Wien. Die Tiere wurden meist in Menagerien untergebracht, später gelangten viele nach Schönbrunn, seit 1752 der bis heute älteste bestehende Tiergarten der Welt. Er befindet sich dabei in guter Habsburger Tradition: 200 Jahre früher baute Maximilian II. in Kaiserebersdorf für seinen Elefanten die erste Menagerie in Wien.

Diese grüne Meerkatze hieß Janettl. - © Österreichische Nationalbibliothek
Diese grüne Meerkatze hieß Janettl. - © Österreichische Nationalbibliothek

Von Wissenschaftsanspruch und Forscherdrang erzählt der dritte Teil der Ausstellung, wo eine Auswahl aus den von Ferdinand I. in Auftrag gegebenen Tierstudien gezeigt wird: Die Tiere sind in ihrem natürlichen Habitat gezeichnet, wie die dynamischen Kleinfleck-Ginsterkatzen, strahlen Lebendigkeit aus, wie der in Weingeist eingelegte Oktopus aus dem Hof-Naturalienkabinett, oder tun sich in erstaunenswerter Detailgenauigkeit hervor, wie die Insekten des Hofmalers Bernhard von Schrötter.

Bei aller Bewunderung für die realistischen und anmutigen Tierporträts werden in der Ausstellung auch tierethische Aspekte beleuchtet: Die Überfahrten von den Expeditionen waren beschwerlich, viele Tiere verendeten in den kleinen Käfigen. Andere kamen mit den Bedingungen in Wien nicht zurecht und starben bald nach der Ankunft. Maximilians erster Elefant etwa lebte in Kaiserebersdorf nur anderthalb Jahre. Und auch die Bevölkerung Wiens begegnete den exotischen Tieren nicht nur wertschätzend, sondern ergötzte sich an dressierten Raubkatzen in Wandermenagerien, die später in der Zirkusbewegung aufgingen. In Hetztheatern, wie jenes unter den Weißgerbern, fanden grausame Schaukämpfe zwischen Bären, Löwen, Wölfen und auch Menschen statt. 1796 fiel das Theater einem Brand zum Opfer und Kaiser Franz II./I. nahm dies zum Anlass, die Hetzkämpfe zu verbieten.

Größere Zusammenhänge

"Des Kaisers schönste Tiere" ist nicht nur eine Rundschau zum mitunter unschönen Verhältnis der Habsburger zu Tieren und den fragwürdigen Wissenschaftsmethoden der vergangenen Jahrhunderte, sondern ordnet auch Entwicklungen ein, die bis heute in Tiergärten, naturhistorischen Museen, in der Tierfotografien und in Zirkussen fortwirken. Eine Stärke der Ausstellung ist neben dem Fokus auf diese Ambivalenz sicher auch, dass an einzelnen Tierschicksalen Anteil genommen wird, ohne den Überblick über Tendenzen und Entwicklungen zu verlieren.

Das Spannungsfeld zwischen dem Tier im Allgemeinen als Gegenstand der Unterhaltung, Forschung und Inszenierung von Kaiserwürde und dem einzelnen, sterbenden Tier im Stroh, das die Verschiffung aus Brasilien nicht überleben wird, gibt einen ehrlichen Einblick in diese bisher etwas vernachlässigte Seite der österreichischen Kulturgeschichte.