Als im November 2017 beim Auktionshaus Christie’s New York ein Bild für 400 Millionen US-Dollar (inklusive aller Gebühren waren es 450,3 Millionen US-Dollar) den Besitzer wechselte, hielt die Kunstwelt kurz den Atem an, bevor das lautstarke Raunen losging: Wer zahlt eine derartige Summe für ein Bild, dessen Urheberschaft nicht gesichert ist? Was wird mit dem Gemälde passieren? Die Rede ist von "Salvator mundi", entstanden um 1500 im Atelier von Leonardo da Vinci. Das 65,6 mal 45,4 Zentimeter große Ölgemälde wird dem Meister höchstselbst zugeschrieben, doch mit hundertprozentiger Sicherheit lässt sich das trotz vieler Untersuchungen nicht belegen.

Das Bild galt lange als verschollen, erst nach 1900 ist belegt, dass das Gemälde in der Kunstsammlung der englischen Textilhändlerfamilie Cook hing. Allerdings hielt man es für ein Werk des Leonardo-Schülers Giovanni Antonio Boltraffio. 1958 versteigerten Nachfahren das Gemälde für 45 Pfund. Es befand sich seither in amerikanischem Privatbesitz; 2005 erwarb es der New Yorker Kunsthändler Robert Simon. Nach Jahren der Restaurierung und Präsentation in verschiedenen Ausstellungen wechselte es 2013 gleich zweimal den Besitzer, um sich schließlich 2017 mit einem mächtigen Paukenschlag zu verabschieden – seither wurde es nicht mehr öffentlich gezeigt. Nachdem der Käufer lange Zeit unbekannt war, sickerte schließlich durch, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman neuer Besitzer des "Salvator mundi" ist. Wo sich das Bild befindet, weiß weiterhin nur der Käufer selbst.

Der Krimi um das bislang teuerste je in einer Auktion versteigerte Bild ist auch Inhalt von zwei Dokumentationen: "The Savior For Sale: The Story of Salvator Mundi" von Antoine Vitkine hatte am 13. April 2021 auf dem Fernsehsender France 5 Premiere. Der Film beleuchtet die Vorgeschichte und Versteigerung des Bildes bei Christie's sowie die Irritationen zwischen dem Louvre, der französischen Regierung und dem Leihgeber des Bildes in Bezug auf die Leonardo-Ausstellung 2019/2020. 2021 drehte der dänische Regisseur Andreas Koefoed unter dem Titel "The Lost Leonardo" eine weitere Dokumentation über die Geschichte des "Salvator mundi".

Gegen die unglaubliche Summe von 450,3 Millionen US-Dollar nimmt sich der Preis für das zweitteuerste Gemälde, das bisher versteigert wurde, geradezu manierlich aus. Für 179,4 Millionen US-Dollar erwarb ein unbekannter Käufer 2015 ebenfalls über das Auktionshaus Christie’s "Les femmes d’Alger (Version O)" von Pablo Picasso. Damit ist die letzte Version der Serie aus dem Jahr 1955 aber immerhin der teuerste je versteigerte Picasso.

Mit 170,4 Millionen US-Dollar schlug ebenfalls 2015 der chinesische Milliardär Liu Yiqian bei "Nu Couché" von Amedeo Modigliani zu. Und wieder war Christie’s das Auktionshaus… Das 92 mal 60 Zentimeter große, 1917 entstandene Ölgemälde befindet sich heute im Long-Museum in Schanghai, das der Selfmademan und Kunstsammler mit seiner Frau gegründet hat, und kann dort bewundert werden.

Auf Platz 4 der teuersten Gemälde der Welt liegt ein weiterer Modigliani: "Nu couché (sur le côté gauche)" aus dem Jahr 1917 wurde 2018 über das Auktionshaus Sotheby's New York für 157 US-Millionen Dollar verkauft. Der Käufer wurde nicht genannt.

"Three Studies of Lucien Freud" von Francis Bacon erzielte bei Christie's eine Summe von 142,4 Millionen US-Dollar und belegt damit den fünften Platz auf der Liste der teuersten Gemälde. 
- © Peter Macdiarmid / Getty Images

"Three Studies of Lucien Freud" von Francis Bacon erzielte bei Christie's eine Summe von 142,4 Millionen US-Dollar und belegt damit den fünften Platz auf der Liste der teuersten Gemälde.

- © Peter Macdiarmid / Getty Images

Den fünften Platz auf der Liste kann "Three Studies of Lucien Freud" von Francis Bacon für sich verbuchen. Die drei aus dem Jahr 1969 stammenden Kunstwerke wechselten 2013 bei einer Auktion von Christie’s für 142,4 Millionen Dollar den Besitzer. Wer das Triptychon erwarb, blieb (und bleibt) ein Geheimnis.

140 Millionen US-Dollar liegt ebenfalls weit unter dem Rekordwert von 450,3 Millionen, ist aber immer noch eine stolze Summe für ein Bild, nämlich für "No. 5, 1948" von Jackson Pollock. Es liegt damit auf Rang sechs der Liste der teuersten Gemälde der Welt. Das im Stil des "Action Painting", einer Richtung des abstrakten Expressionismus, in Drip-Painting-Technik gemalte Bild war lange im Besitz von David Geffen, amerikanischer Musik- und Filmproduzent sowie Philanthrop, bis er es über Sotheby’s verkaufen ließ. Der neue Eigentümer wollte anonym bleiben. Laut einem Bericht der "New York Times" vom 2. November 2006 soll es der mexikanische Unternehmer David Martinez sein, es blieb jedoch ein Gerücht, denn Martinez‘ Anwälte bestritten den Kauf. Es würde jedenfalls gut in die Sammlung passen, denn Martinez hat in der Vergangenheit bereits Höchstsummen für Werke von Pollocks Zeitgenossen Willem de Kooning und Mark Rothko gezahlt.

Womit wir bei Platz sieben wären: "Woman III" aus dem Jahr 1953, das diesen Rang für sich beansprucht, hat einiges mit dem von Platz 6 gemein. Der Künstler Willem de Kooning war ebenfalls einer der bedeutendsten Vertreter des abstrakten Expressionismus und gilt neben Jackson Pollock als Wegbereiter des Action Paintings. Und "Woman III" gehörte ebenfalls David Geffen. Der verkaufte es im Jahr 2006 für 137,5 Millionen Dollar an den US-amerikanischen Unternehmer und Kunstsammler Steven A. Cohen.

Gustav Klimts Porträt "Adele Bloch-Bauer I" war Mittelpunkt eines langjährigen Restitutionskrimis. 
- © Artepics / Imago Images

Gustav Klimts Porträt "Adele Bloch-Bauer I" war Mittelpunkt eines langjährigen Restitutionskrimis.

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Auf Platz acht findet sich ein Gemälde des österreichischen Malers Gustav Klimt: "Adele Bloch-Bauer I" aus dem Jahr 1907 galt zwar stets als bedeutendes Beispiel des Schaffens des bekanntesten Vertreters des Wiener Jugendstils, doch erst die langwierige Geschichte um die Restitution des einstigen Glanzstückes des Belvederes machte es wahrlich berühmt. Die rechtmäßige Erbin Maria Altmann, die Nichte der von Klimt verewigten Adele Bloch-Bauer, verkaufte das Bild letztendlich im Jahr 2006 über Christie’s um 135 Millionen US-Dollar an den US-Unternehmer und Konzernerben Ronald Lauder. Es hängt heute in der Neuen Galerie New York, einem Museum für deutsche und österreichische Kunst des frühen 20. Jahrhunderts, das Lauder gemeinsam mit seinem Freund Serge Sabarsky gegründet hat. Die Geschichte der Adele fand sogar Eingang in die Filmwelt: 2015 kam "Die Frau in Gold" von Regisseur Simon Curtis in die Kinos; Helen Mirren verkörpert darin Maria Altmann, Ryan Reynolds ist als ihr Anwalt E. Randol Schoenberg zu sehen und Daniel Brühl als Verleger Hubertus Czernin. Der Film nimmt sich allerdings einige Freiheiten gegenüber den tatsächlichen Geschehnissen heraus.

Auf Platz neun liegt die Pastellversion des Bildes "Der Schrei" von 1895 des norwegischen Malers Edvard Munch. Es war im Besitz des norwegischen Unternehmers und Kunstsammlers Petter Olsen und wurde 2012 bei einer Auktion von Sotheby’s New York um 119,9 Millionen US-Dollar versteigert. Käufer war der New Yorker Geschäftsmann Leon Black.

Auf dem zehnten Platz findet sich ein weiterer Picasso, nämlich "Fillette a la corbeille fleurie" aus dem Jahr 1905. Peggy und David Rockefeller ließen es 2018 bei Christie’s New York versteigern; den Zuschlag erhielt die libanesisch-monegassische Familie Nahmad, die 115 Millionen US-Dollar für das Gemälde zahlte.

Doch während sich auf der Liste der teuersten verkauften Gemälde noch weitere sieben finden, die Preise über 100 Millionen US-Dollar erzielt haben, gibt es nur wenige Skulpturen, die in diese Kategorie fallen.

Alberto Giacomettis Bronze-Skulptur "L'Homme au doigt" und Pablo Picassos Gemälde "Les femmes d'Alger", ausgestellt nach ihrem Verkauf bei Christie's New York am 11. Mai 2015. 
- © UPI Photo / Imago Images

Alberto Giacomettis Bronze-Skulptur "L'Homme au doigt" und Pablo Picassos Gemälde "Les femmes d'Alger", ausgestellt nach ihrem Verkauf bei Christie's New York am 11. Mai 2015.

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Im Mai 2015 brach "L’Homme au doigt" von Alberto Giacometti alle bisherigen Rekorde und wurde bei Christie's für umgerechnet 141,3 Millionen US-Dollar versteigert. Heute ist die Skulptur das fünftteuerste Kunstwerk, das je bei einer Auktion den Besitzer wechselte. Das 1961 entstandene Meisterwerk Alberto Giacomettis, der lebensgroße "Homme qui marche I", gilt als eines der ikonischsten Werke der modernen Kunst, was seinen 2010 bei Sotheby's erzielten Preis von 104,3 Millionen US-Dollar erklärt. Gezahlt wurde die gigantische Summe von der brasilianischen Philanthropin Lily Safra.

"Chariot", ebenfalls von Alberto Giacometti, wurde von der New Yorker Galerie Pierre Matisse als eine von Giacomettis wichtigsten Bronzen bezeichnet und brachte 2014 bei Sotheby's den dritthöchsten Betrag, der jemals für eine Skulptur bezahlt wurde: 101 Millionen US-Dollar. Der 1966 verstorbene Schweizer Bildhauer ist somit der teuerste bildende Künstler – da kommt nicht einmal Jeff Koons heran: Sein stählerner Hase "Rabbit" von 1986 wurde im Mai 2019 bei Christie's als Teil der Sammlung des verstorbenen Verlegers Si Newhouse Jr. versteigert und wechselte um 91 Millionen US-Dollar den Besitzer.