Es war 1960, als in Wien eine Gruppe von realistischen Malern auftrat, die einen Skandal mit ihrer Ausstellung provozierten - neben den abstrakt und fantastisch malenden Avantgarde-Gruppen. Man warf ihnen sofort vor, dem "sozialistischen Realismus" sowie der figuralen Propagandamalerei der Nationalsozialisten nahe zu stehen. Zwar waren die sozial engagierten Künstler Alfred Hrdlicka, Fritz Martinz, Hans Escher und Georg Eisler (1928-1998) in jungen Jahren Kommunisten gewesen, sie traten jedoch durch den Ungarn-Aufstand geläutert aus der Partei aus. Das künstlerische Anliegen, sich sichtbar kritisch mit der Gegenwart auseinanderzusetzen, blieb aber. Das Belvedere besaß bereits neun Gemälde des 1928 in Wien als Sohn des Komponisten Hanns Eisler und der Sängerin Charlotte Eisler geborenen Malers und Grafikers. Nun kam es im Zuge der Kooperation mit der Eisler-Stiftung in der Erstellung der von Susanne Berchtold begonnen Werkmonografie durch Kerstin Jesse zu einer Schenkung von 14 weiteren Gemälden.

Realistische Malerei

Mit der "Im Blick"-Ausstellung "Georg Eisler. Spurensicherung" wird dieser Bestand in der Sammlung hervorgehoben. Dabei zeigt sich, dass Eisler, obwohl er nicht nur durch seine Funktion als Präsident der Secession 1968 bis 1972 eine wichtige Figur in der Kunstszene war, hierzulande wenig Ausstellungen hatte, die letzte war im Belvedere im Jahr 1997. Das lag wohl auch an der kosmopolitischen Ausrichtung des Künstlers, nicht nur an der Sonderrolle, die jene Gruppe der Realisten hierzulande einnahm.

Ausschnitt aus Georg Eislers "Selbstporträt" (1989). - © Bildrecht / Pixelstorm
Ausschnitt aus Georg Eislers "Selbstporträt" (1989). - © Bildrecht / Pixelstorm

Eislers Biografie prägte seinen Stil und die Entscheidung für politisch engagierte und daher realistische Malerei. Als Kind war er Zeuge des Bürgerkriegs in Wien, nach der Scheidung seiner Eltern ging er 1936 mit der Mutter nach Moskau, 1938 landeten sie am Rückweg in Prag und mussten schließlich über Polen und Schweden nach England auswandern, wo er in London, Birmingham und Manchester studierte, 1946 erstmals ausstellte, um dann endgültig nach Wien zurückzukehren.

Seine Ausbildung ist auch ausschlaggebend: In Prag traf er Friedl Dicker-Brandeis als Lehrerin, die politisches Engagement mit dem Avantgardestil der Dadaisten verband, in England kam es neben Kunstschulen zur wichtigen Bekanntschaft mit Oskar Kokoschka, dessen Festhalten an der Figur ihn überzeugte; in Wien lernte er an der Akademie in Herbert Boeckls Abendakt Hrdlicka, Martinz und Schönwald kennen. Reisen und Lehraufträge führten ihn bis in die USA, 1982 lernte er als Österreichs Vertreter auf die Biennale von Venedig den Fotografen Henri Cartier-Bresson kennen. Er selbst brachte mit Otto Breicha nicht nur seine erste Werkmonografie heraus, sie förderten auch die junge Gruppe "Wirklichkeiten", die das Figurenmalen in Richtung Pop trieb.

Bis heute aktuelle Szenen

Werner Hofmann, Erich Fried oder Elias Canetti waren Eislers Freunde; das Buch "Masse und Macht" des Letzteren wirkt in seine Figuren und Kompositionen. Die Aufarbeitung von Unruhen wie in Belfast, Gewalt in den Straßen bis zum kleinen Wiener Banküberfall, Rassenunruhen von Soweto - oft ist es nur die Bedrohlichkeit gedrängter Menschen in der Straßenbahn oder laufend über Plätze, was Eislers Alltagsszenen bis heute aktuell macht. Aber auch seine friedlichen Beobachtungen in Cafés oder Nachtbars bleiben gesellschaftskritisch, die Isolation des Einzelnen, die anonyme männliche Gruppe, die auf eine Striptease-Tänzerin drängt, sind für ihn wichtig. In unzähligen Skizzenbüchern hat er Erlebnisse festgehalten, manche Fotografie als Vorlage verwendet, viel nach Modell gearbeitet. Ein Selbstbildnis zeigt seinen Hang zur Ironie.

Georg Eislers "Straßenbahn" (1972). - © Belvedere Wien / Johannes Stoll / Bildrecht
Georg Eislers "Straßenbahn" (1972). - © Belvedere Wien / Johannes Stoll / Bildrecht

Das Interieur des Café Sperl und die Jazzkeller in New York City sind wohl seine psychologisch interessantesten Szenen, die statt Gewalt in Leerstellen positive Gefühle für das nächtliche Stadtleben übertragen. Der lockere Pinselduktus entspricht hier wohl der Verwandtschaft zum Schlagzeugspielen, das er lange als Musikersohn wie auch den Jazz liebte, so widmen sich die Gemälde gekonnt der Symbiose Mensch-Instrument.