Freude, sichtbare Freude", so beschreibt die Messechefin Alexandra Graski-Hoffmann das gemeinsame Wiedersehen der Kunsthändler und Galeristen beim Aufbau der diesjährigen Art & Antique in Salzburg - nach zweijähriger Zwangspause aufgrund der Pandemie. "Und Erleichterung - endlich wieder analog Kunstwerke mit hoher Qualität einem Publikum anbieten zu können!", fügt sie hinzu. Die Kunstmesse in der Karwoche und gleichzeitig zu den Osterfestspielen ist für die meisten Ausstellerinnen und Aussteller ein Aufbruch und Gradmesser für das kommende Messejahr. "Die elf Tage hier in Salzburg sind immer etwas Besonderes. Das kompakte Kulturangebot an Opern, Konzerten, Ausstellungen und der Messe schätzen alle Teilnehmer und Besucher immens", verweist Graski-Hoffmann auf ihre langjährigen Erfahrungen: "Und die Verkäufe waren durchwegs sehr solide."

Gestrafftes Teilnehmerfeld

Dorothea Apovnik zeigt bei ihrem Einstand ein Meisterwerk: "Madonna und Kind" (ca. 1621) von Guercino. - © Roland Krauss / Dorothea Apovnik Kunsthandel Fine Art
Dorothea Apovnik zeigt bei ihrem Einstand ein Meisterwerk: "Madonna und Kind" (ca. 1621) von Guercino. - © Roland Krauss / Dorothea Apovnik Kunsthandel Fine Art

An diese künstlerischen und finanziellen Erfolge will die 45. Ausgabe der Messe natürlich anschließen. Das Teilnehmerfeld wurde gestrafft: Heuer rittern in der Residenz 40 heimische wie internationale Kunsthändler um die Gunst der Sammlerinnen und Sammler sowie Kunstliebhaber. Einige Premieren wie jene von Dorothea Apovnik aus Wien oder Ira Stehmann aus München gibt es ebenfalls zu vermelden.

Arnulf Rainers "O. T." (1996) wird von Wienerroither & Kohlbacher ausgestellt. - © W&K Wienerroither & Kohlbacher
Arnulf Rainers "O. T." (1996) wird von Wienerroither & Kohlbacher ausgestellt. - © W&K Wienerroither & Kohlbacher

Und von einer Midlife-Crisis ist bei der Mittevierzig-Ausgabe nichts zu bemerken. Im Gegenteil: Bei einigen renommierten und traditionsreichen Galerien und Kunsthändlern steht prominent bereits die nächste Generation im Vordergrund. Wie die Brüder Kohlhammer, Nikolaus und Florian, die gleich mit zwei Galerien vertreten sind, - schon etwas länger - Katharina Zetter von der Galerie bei der Albertina oder Alexander Giese von Giese & Schweiger, der mit seiner spannenden Interviewserie für den gelungenen Podcast "Ausgesprochen Kunst" neues Publikum für seine Galerie, aber auch für die Kunstmesse akquirieren möchte.

Alfons Waldes "Einsamer Berghof", 1935. - © Kunsthandel Freller, Bildrecht Wien
Alfons Waldes "Einsamer Berghof", 1935. - © Kunsthandel Freller, Bildrecht Wien

Die Verjüngung wird unmittelbar im Angebot der Art & Antique sichtbar: Zeitgenössische Positionen sind deutlicher wahrzunehmen. Dass die Messe jedoch in absehbarer Zeit ihr "Antique" verlieren wird, steht nicht zu befürchten. Das sollte sie auch nicht. Denn die Gegenüberstellungen von Werken Alter Meister, des Stimmungsimpressionismus, des Jugendstils und der Klassischen Moderne mit zeitgenössischen Positionen von Rudolf Polanszky, Günther Brus, Martha Jungwirth oder Irene Andessner leisten einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Verständnis der Entwicklung und dem Verlauf der Kunstgeschichte. Ein absolutes Asset der Messe: Sowohl für informierte Aficionados, als auch für zögerliche Interessierte, denen der Schritt über die Bildende-Kunst-Hemmschwelle erleichtert werden muss.

Höhepunkte

Welche Höhepunkte sind am ersten Messe-Wochenende ins Auge gestochen? Dem Kunsthändlerpaar Irene und Josef Schütz waren die Anstrengungen der vergangenen Monate anzumerken, aber sie haben ihren langjährigen Traum realisiert: Im November 2021 wurde ihr Museum für Moderne und zeitgenössische Kunst im oberösterreichischen Engelhartszell eröffnet. "Seitdem hatten wir mehr als 5.000 Besucher", freut sich Josef Schütz, "Und die Radfahrersaison hat noch nicht einmal begonnen." In Salzburg punkten die Schützens mit einer pulsierenden Ansicht des Kurfürstendamms von Albert Birkle aus den 1920er Jahren (78.000 Euro). Die Galerie bei der Albertina hat einen wunderbaren Max Weiler (265.000 Euro) im Repertoire. Beim Standnachbarn, Giese & Schweiger, fanden bereits vor der Preview zwei Waldmüllers einen neuen Platz in der Kollektion eines deutschen Sammlers.

Sehenswerte Einzelpräsentation

Neben Waldmüller erregten bei Giese & Schweiger der exzellente "Platz in Szolnok" (1874) von Tina Blau (18.000 Euro) und ein Mondaufgang von Emil Jakob Schindler (23.000 Euro) das Käuferinteresse. Die Galerie Suppan widmet dem Künstler Alfred Zoff eine sehenswerte Einzelpräsentation. Die Galeristen haben es geschafft mehr als 2.300 Arbeiten Zoffs in zwei Katalogen zusammenzubringen. Eine bewundernswerte Leistung, wenn man bedenkt, dass der Künstler hauptsächlich in Privatsammlungen vertreten ist.

Die ausgestellten Werke in Salzburg bewegen sich zwischen 5.000 und 48.000 Euro. Freller zeigt unter anderem ein Kleinformat von Martha Jungwirth (38.000 Euro) und bei Wienerroither & Kohlbacher ist es eine Zeichnung von Günter Brus, die auf Nachfrage stößt (135.000 Euro). Bei ihrem Einstand präsentiert Dorothea Apovnik ein wahres Meisterwerk: Die "Madonna und Kind" (ca. 1621) von Guercino besticht durch feine Farbdramaturgie und ergreifende Intimität (140.000 Euro).