Er liebte Pferde. Und Streifen. Daher verwundert es nicht, dass Zebras als Kombination der beiden Faktoren Robert Rauschenbergs Lieblingstiere waren. Somit erklärt sich der Schritt auf eine Metaebene zum Trikot des Fußballstars Zinedine Zidane: Er spielte in den 1990er-Jahren für den italienischen Klub Juventus Turin. Trikotdesign: schwarz-weiß gestreift.

In der Rauschenberg Ausstellung "Japanese Clayworks" in der Galerie Ropac erscheinen diese Elemente - Streifen, Zebras, Zidanes "Zebrastreifen" - neben anderen Bildzitaten als Referenzen im Meisterwerk "Mirthday Man (Ceramic) II." aus dem Jahr 1998. Im Zentrum der monumentalen, atemberaubend-vielschichtigen Arbeit steht ein Röntgenbild Rauschenbergs, was dazu verleitet, das Werk als Selbstporträt des Künstlers zu definieren. Rund um das Skelett sind in einzelnen Streifen, wie Filmstills, Fotografien, Collagen, Papiere aus vergangenen Jahrzehnten in mehreren Schichten auf der Keramik appliziert, mit gestischen Pinselstrichen übermalt und mehrmals gebrannt. Eine fesselnde zeit- wie kunsthistorische Entdeckungsreise - eine bildnerische Biografie des Künstlers auf japanischer Keramik.

Robert Rauschenberg kombiniert seine Motive mit Einflüssen aus Japan: "All Abordello Doze 2 (Japanese Recreational Claywork", 1982) - © The Robert Rauschenberg Foundation / ARS, New York 2022 / Ron Amstutz
Robert Rauschenberg kombiniert seine Motive mit Einflüssen aus Japan: "All Abordello Doze 2 (Japanese Recreational Claywork", 1982) - © The Robert Rauschenberg Foundation / ARS, New York 2022 / Ron Amstutz

Japanische Einflüsse

Was zur handwerklichen Basis der Ausstellung führt: Robert Rauschenberg besuchte in den 1980er-Jahren häufig Japan und beschäftigte sich eingehend mit der Handwerkskunst des Brennens von Keramiken. Gemeinsam mit der Otsuka Ohmi Ceramics Company entwickelte er ein Verfahren, das ihm erlaubte, Siebdruckmotive auf dünne, aber widerstandsfähige keramische Bildträger aufzutragen. Dadurch entstand eine Werkserie, die Elemente der Malerei, Fotografie und Bildhauerei in sich vereinigte. Wobei er regelmäßig Referenzen sowohl zur europäischen Kunstgeschichte wie da Vincis "Mona Lisa", Botticellis "Geburt der Venus" oder das Fahrrad seines Mentors Marcel Duchamp, als auch Elemente zeitgenössischer, japanischer Kunst einfließen ließ. Durch intensive Kontakte zu und künstlerische Auseinandersetzungen mit Kunsthandwerkern und Künstlern integrierte Rauschenberg Ideen, Traditionen in sein Werk. In Japan wie an anderen Plätzen rund um den Globus, die er bereiste. So sind alle Werke der Ausstellung in Salzburg auch mit seinem Namen in japanischen Schriftzeichen signiert. Heute würde sich der Künstler dafür wahrscheinlich den Vorwurf der "kulturellen Aneignung" gefallen lassen müssen.

Die sehenswerte Ausstellung zeigt zum ersten Mal das Gros der Serie außerhalb von Japan. Die Dramaturgie von kleineren Formaten, die mit der Übermalung von sich weiderholenden Grundmotiven arbeiten, über raumgreifende skulpturale Arbeiten, an denen die hohe Handwerkskunst der Keramik eindrücklich zu erkennen ist, bis zu Werken, die durch einen (über-)malerischen, fast expressionistischen Duktus beeindrucken, ergibt letzten Endes eine Präsentation im Museumsformat. Das ist auch die Zielrichtung: Der Fokus der Verkaufsgespräche der Arbeiten, die zwischen 315.000 und 4,5 Millionen Euro veranschlagt sind, liegt eindeutig bei Museen und Institutionen.