Faire Gütertrennung. Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl haben den österreichischen Pavillon zweigeteilt. Das Künstler*innenpaar, das auch im Privatleben eines ist, hat den Bau von Josef Hoffmann klar getrennt: In den beiden Haupträumen sind links die Positionen von Scheirl und rechts jene von Knebl zu sehen. In diesem Fall hilft die Symmetrie der Architektur und zum Glück bleibt das der einzige Diskussionsbeitrag zum Konzept des Pavillons.

Knebl und Scheirl verlieren sich nicht in elendslangen Redereien, wie ein potenzielles Präsentationskonzept auf den Raum zu reagieren habe. Wie es zahlreiche Vorgänger und eine -in getan haben. Das ist der erste Pluspunkt der Schau, die sich den sprechenden Titel "Invitation oft he Soft Machine and her angry Body Parts" gegeben hat. Aber zurück an den Start: Die Direktorin des Mumoks, Karola Kraus, wurde als Kuratorin des Österreichischen Pavillons vor gefühlten Ewigkeiten von Kunststaatssekretärin Ulrike Lunacek auserkoren.

Ejakulierende Muschi

"Soft Soft SoftMachine", von Ashley Hans Scheirl. - © Georg Petermichl Jakob Lena Knebl and Ashley Hans Scheirl
"Soft Soft SoftMachine", von Ashley Hans Scheirl. - © Georg Petermichl Jakob Lena Knebl and Ashley Hans Scheirl

Die 59. Kunstbiennale in Venedig war für das Vorjahr geplant, musste wegen der Pandemie verschoben werden. Kraus nominierte die Künstler*innen Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl. Zwei Transgender-Künstlerpersönlichkeiten, die gerne als Duo präsentiert werden. Die Medien, in denen sie arbeiten, sind allumfassend: von Malerei, über Fotografie und Video, bis zu Design und Rauminstallation.

Die Transgenderpersönlichkeiten Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl teilen sich den österreichischen Pavillon. - © Georg Petermichl
Die Transgenderpersönlichkeiten Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl teilen sich den österreichischen Pavillon. - © Georg Petermichl

In Venedig inszenieren sie ihren originären Kunstkosmos, der wie eine Fahrt mit dem "Yellow Submarine 2.1" anmutet. Klar getrennt, jedoch regelmäßig mit Referenzen auf das Gegenüber. Ein Moment, der die künstlerischen Einzel-Positionierungen von Knebl und Scheirl hervorhebt und unterstreicht. Im linken Trakt eröffnet ein gemalter, roter Vorhang die malerisch-filmische wie verwinkelte Szenerie von Ashley Hans Scheirl, der 1956 als Angela Scheirl in Salzburg geboren wurde. Abseits von bemerkenswerten Leinwänden, dominieren eine weiße, ejakulierende Muschi - über deren Ejakulat mancher Besucher bereits gestolpert ist -, ein wolkiger, gepiercter Penis und Kanonen, die (Prozac-)Pillen in den Raum schießen, die überaus kurzweilige Installation.

Bei Jakob Lena Knebl sind es einerseits Wandtapeten, die ihn/sie in einem privaten Wohnumfeld mit Designerstücken bei der eher lustlosen Verrichtung täglicher Hausarbeit zeigen. Auf der anderen Seite sind es hybride Figuren, die sich aus der Genealogie des Titels herleiten lassen. William S. Burroughs bezeichnete in seinem gleichnamigen Roman aus den 1960er-Jahren den menschlichen Körper als "Soft Machine", die ständig "von einer riesigen, hungrigen Schar von Parasiten" belagert wird. In den vergangenen Jahrzehnten modifizierte sich der Begriff zu einer Körperchiffre des Cyborg-Zeitalters.

Jakob Lena Knebl, die 1970 als Martina Egger in Baden geboren wurde, entwarf poppige, menschenähnliche Skulpturen, die sich zwischen einem Perücke tragenden sowie einem Sessel ausscheidenden, grünen Alien und einer biederen, einen Hausanzug aus den 1970er-Jahren tragenden, gesichtslosen Frauenfigur bewegen. Umrahmt werden die Figuren von weißen Röhren, die der Architektur des Centre Pompidou in Paris entlehnt sind.

Die absolut gelungene, vielschichtige wie kurzweilige Inszenierung von Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl changiert perfekt zwischen den Charakteren von Krystle und Blake Carrington sowie von Edmund wie Toni Sackbauer (Tagesanzug!), zwischen mondänem, barockem Auftreten und enervierender Hausarbeit mit der Zigarette im Mundwinkel - die "Desperate Housewives" aus dem 10. Hieb.

Was unter Umständen als etwas oberflächlich und der Spaßfraktion zuzurechnen anmuten mag, ist es nicht. Zum einen grenzen sich Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl geradezu wohltuend von den oft verkrampften, bemüht korrekten Präsentationen im Österreichischen Pavillon der letzten Biennale-Ausgaben ab. Heuer gibt es keine toxische Männlichkeit, die mit einer schludrigen Schau der weiblichen Ko-Ausstellerin arrogant begegnet. Keine verpasste Chance der Präsentation der ersten Künstlerin, weil die Dramaturgie gar nicht funktioniert hat und eher in den Kitsch abgeglitten ist.

Gerade in Zeiten, wenn der amtierende Gouverneur des amerikanischen Bundesstaats Florida, Ron de Santis, per Gesetz in den Schulen die Verwendung des Wortes "gay" und die Diskussion über Sexualität und Geschlechterrollen - "Gender" - verbietet, beweist es sich, wie wichtig Präsentationen wie jene von Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl, die spielerisch wie vielschichtig für Offenheit und Akzeptanz plädieren, sind.