Am 3. Juni öffnete die Heidi Horten Collection in Wien. Neun Tage später, am Sonntag, dem 12. Juni, ist die Initiatorin und Stifterin Heidi Goëss-Horten 81-jährig in ihrem Schloss in Sekirn am Wörthersee gestorben. Es war, als hätte sie noch dieses eine Projekt, das so wichtig für sie war, ins Leben rufen wollen. Daraus werden Legenden entstehen.

Überhaupt: welch eine Frau! Die Lebensdaten sind schnell abgehandelt: Geboren am 13. Februar 1941 in Wien als Heidi Jelinek, Tochter eines Wiener Graveurs, von Beruf Sekretärin. In einer Bar in Velden am Wörthersee lernt sie den deutschen Unternehmer Helmut Horten kennen, sie ist 19, er 32 Jahre älter als sie. Sie heiraten 1966. Zu diesem Anlass schenkt er ihr den Blauen Wittelsbacher, einen 35-Karat-Diamanten, ursprünglich im Kronjuwelenschatz Bayerns. Die Ehe bleibt kinderlos. 1987 stirbt Helmut Horten. Seine Frau erbt das gesamte Vermögen aus dem Erlös des noch zu Lebzeiten von Helmut Horten veräußerten Kaufhauskonzerns, geschätzt auf rund eine Milliarde US-Dollar. 1994 heiratet sie den französischen Blumengroßhändler Jean-Marc Charmat und nimmt seinen Namen an. Die Ehe wird 1998 geschieden, Heidi Charmat nimmt wieder den Namen Horten an. Im Juni 2015 heiratet sie den zehn Jahre jüngeren Karl "Kari" Anton Goëss.

Kunst, Tiere und Eishockey standen im Zentrum von Heidi Hortens Mäzenatentum. 
- © apa / Heidi Horten Collection / Ouriel Morgensztern19

Kunst, Tiere und Eishockey standen im Zentrum von Heidi Hortens Mäzenatentum.

- © apa / Heidi Horten Collection / Ouriel Morgensztern19

Den Reichtum nützen

Heidi Hortens Vermögen schätzte Forbes im März 2017 auf 2,8 Milliarden Dollar. Im Februar 2018 galt sie als reichste Österreicherin. Nach ihrem Tod fließt ihr Vermögen in diverse Stiftungen ein. Bedacht sind unter anderem Tierschutz, Eishockey und Kunst. Diese drei waren, neben Investitionen in Forschung und Medizin, für Heidi Horten von größter Bedeutung.
Vor allem Eishockey war eine ihrer Leidenschaften. Der KAC war ihr ein besonderes Anliegen. Drei Millionen Euro pro Jahr hat sie gespendet, und nicht erst, seit sie 2021 dessen Präsidentin wurde, und die Hälfte der Kosten für die Sanierung der Klagenfurter Stadthalle, der Heimat des KAC, wollte sie übernehmen.

Die Leidenschaft für Kunst weckte in ihr Helmut Horten, ihr erster Mann. Gemeinsam legten sie in den 1970er Jahren die Basis für ihre umfangreiche Kunstsammlung.

Horten, der "Kaufhaus-König", war ohne Zweifel ein Profiteur der Arisierungen durch die Nationalsozialisten, und beim Verkauf seines Konzerns nützte er eine Lücke in der Gesetzgebung, durch die er seinen D-Mark-Milliardengewinn steuerfrei einstreifen konnte.

Die Milliardärin Heidi Horten freilich hatte ihren eigenen Kopf: Während ihrer Ehe mit Jean-Marc Charmat etwa bestand sie auf der Anrede mit Frau Charmat. Wer sie mit Frau Horten ansprach, riskierte im milderen Fall, aus ihrem Zirkel verbannt zu werden, im gröberen sogar ein Rechtsverfahren.

Selbstverständlich gönnte sie sich den Luxus mit Schloss und Yacht. Aber sie protzte nicht, und sie mied den High-Society-Glamour. Große öffentliche Auftritte waren selten und fanden meist in Zusammenhang mit Benefiz-Aktionen statt, Interviews gab sie zumeist widerstrebend.

Die Heidi Horten Collection

Trotz ihres eigenen Gespürs für wichtige Kunst, ließ sie sich bei der Erweiterung ihrer Sammlung von Agnes Husslein-Arco beraten, die sie folgerichtig zur Direktorin der Horten Collection machte. Kunst verstand Heidi Goëss-Horten zunehmend als eine Form der Kommunikation. Sie spürte das Bedürfnis, die Öffentlichkeit daran teilhaben zu lassen. Erstmals zeigte sie im Leopold Museum Teile ihrer Sammlung und ermöglichte durch ihre finanzielle Unterstützung Tage mit freiem Eintritt. Auch in der Heidi Horten Collection sind die Eintrittspreise moderat – und so passt es auch, dass in memoriam der Initiatorin die Sammlung bis Sonntag (Schließtag heute, Dienstag) bei freiem Eintritt zugänglich ist.

Lässt man Missgunst und Neidgefühle beiseite, zeichnet sich am Ende dieses Lebens das Bild einer Milliardärin, die es verstand, ihr Vermögen auf eine Weise zu nützen, die auch und ganz besonders der Allgemeinheit zugutekommt. Durch Stiftungen sind ihre wesentlichen Unternehmungen, auch die Horten Collection, auf Dauer abgesichert. Heidi Goëss-Horten wird durch ihre Werke weiterleben.