Die 1970er Jahre waren voller Aufbrüche in Österreich, erweiterte Kunstformen fanden Anschluss an internationales Denken, stark bestimmt von experimentell auftretenden Architektengruppen, von denen eine mit Angela Hareiter auch den Ausbruch aus den sonst nach wie vor dominanten "Boygroups" vorgab: Missing Link. Mit Hareiter traten Otto Kapfinger und Adolf Krischanitz auch mit Gorilla-Signet (frei nach den Guerilla-Girls) in die Medienvielfalt und das Grenzüberschreiten aller Kunstgattungen ein und als Performer (frei nach Valie Exports körperlichen "Einkreisungen" und "Anhockungen" von Wiener Architektur) auf. Dies zuweilen mit Rettungsringen um den Hals, um zu demonstrieren, dass der alltägliche Umgang mit Architektur hier 1970 bis 1980 noch großer Veränderungen bedurfte. Die drei hatten bei Karl Schwanzer an der TU studiert, das von Werner Hofmann gegründete 20er Haus, geführt seit 1969 von Alfred Schmeller, war ihre "Para-Universität" (so Kapfinger). 1973 bekamen sie dort eine erste Ausstellung und zeigten ihre Objekte, Grafiken und Manifeste statt gebauter Architektur.

"The Austrian Phenomenon"

Es war die Zeit, die der meistdiskutierte Architekt 1970, Peter Cook aus London, "The Austrian Phenomenon" nannte. Zwei Jahre nachdem Hans Hollein, zurückgekehrt aus den USA, das Manifest "Alles ist Architektur" in der Zeitschrift "Bau" publizierte und mit Walter Pichler in der Galerie nächst St. Stephan Archiskulptur und Grafik verschmolzen hatte, gab es neben Missing Link die Gruppen Haus-Rucker-Co, Coop Himmelblau und Zünd-up. Günther Domenig und Eilfried Huth hatten erfolgreich neue mobile Wohnformen vorgeschlagen, alternative Möbel, aufblasbare Büros waren geeignet für die Kommunikation im öffentlichen Raum und sie stellten soziokulturellen Überlegungen zu Umwelt, Straßenarbeit, Antidenkmäler und Altstadtsanierung an: Die avantgardistischen Künstler waren sich bei aller Neuerung jedoch einig im Kampf um die Erhaltung der Bauten Otto Wagners oder des Wittgenstein-Hauses. Sie liebäugelten zwar mit Mondfahrt und Astronauten, forderten aber bereits Fußgängerzonen in einer autofreien Stadt.

"Verhütung - Pferd" von Missing Link aus dem Jahr 1972. - © MAK
"Verhütung - Pferd" von Missing Link aus dem Jahr 1972. - © MAK

2014 gaben Missing Link ihren Vorlass mit vielen Zeichnungen, Plakaten, Fotos und Modellen an das MAK. Kurator Sebastian Hackenschmidt hat nun mit Claudia Cavallar und Lukas Lederer einen vorbildlichen Ausstellungsparcours aus teils wiederverwendeten Versatzstücken anderer Präsentationen geschaffen. Er hält sich chronologisch in losen zehn Kapiteln an die kurze Zeit, in der Missing Link zusammen auftraten, denn Hareiter wechselte schon 1974 nach Linz zu ihrem Mann Laurids Ortner und wendete sich mehr der Ausstellungs- und Filmarchitektur zu. Kapfinger und Krischanitz arbeiteten bis 1980 zusammen. Erst 1980 gründete Krischanitz sein Architekturbüro und Kapfinger wuchs in seine Kritikerrolle für "Die Presse" als wichtigster Architekturtheoretiker nach Friedrich Achleitner. Die Secession sanierten sie danach noch gemeinsam, erst den Umbau des von ihnen so geliebten 20er Hauses zum Belvedere 21 verantwortete Krischanitz alleine.

Freche und frische Stationen

Missing-Link-Plakat für eine Diashow und eine Aktion in Wiener Neustadt 1973. - © MAK
Missing-Link-Plakat für eine Diashow und eine Aktion in Wiener Neustadt 1973. - © MAK

Es gibt viele freche und sehr frische Stationen in dieser Ausstellung, vor allem aber sind Missing Link wohltuend in die internationalen Performancekünste, aber auch Tendenzen in Architektur und Neuen Medien wie dem experimentellen Film für das Fernsehen und neue Publikationsformate wie Um-Bau eingebunden. So ist es folgerichtig, dass jenes österreichische Phänomen mit Hollein, Pichler, aber auch Ettore Sottsass beginnt und dann am Schluss die postmodernen Möbel der beiden "A new wave of architecture" verkörpern, wie eine wichtige Ausstellung 1980 in New York City hieß. Die nötige Musikbegleitung von Led Zeppelin, Velvet Underground bis zu New Wave ist inbegriffen.

Holleins "Flugzeugträger in einer Landschaft" wandelt sich bei Missing Link in ein Wiener Gemeindebau-Flaggschiff mit Karl-Marx-Hof-Elementen, an anderer Stelle taucht das Schiff aus einer Zeitungsseite "Zwischen den Zeilen" im Café auf, die typischen didaktischen Engagements in "Die andere Seite" oder "Die verstoßene Stadt" zeigen soziale Lehrstücke. Im Hut "Asyleum" war am Naschmarkt im "Super Sommer" 1976 von ihnen die Sozialreportage des Fotografen Hermann Drawe aus Wien 1904 untergebracht. Urbane Feldstudien und erste Planquadratspiele unter Mitwirkung der Anrainer zeigen das mögliche neue Leben in alten Bauten oder auf Plätzen und sind wie "Vienna‘s Golden Heart" bereits Architekturgeschichte.