Der 1914 aus Wien nach Los Angeles emigrierte Architekt Rudolph M. Schindler (1887- 1953) hat dort an die hundert Projekte und außergewöhnliche Wohnhäuser geschaffen. Eines davon war sein eigenes Wohnhaus, in dem er nicht nur mit seiner Frau Pauline, sondern auch mit seinem Kollegen Richard Neutra und dessen Familie lebte: Teamwork und moderne Formen des Zusammenlebens waren für ihn ebenso Programm wie die Verbindung von Wohnen und Arbeiten. Schindler hatte in den USA vier Jahre im Architekturbüro von Frank Lloyd Wright gearbeitet und führte seine neuen Raumideen auf dessen legendäre Bauten zurück.

100 Jahre Schindler-Haus

1994 hatte der frühere Direktor des Mak, Peter Noever, mit der Kunstsektion des Bundeskanzleramts und den Friends of Schindler House vor Ort das Wohnhaus wie auch die Mackey Apartments, die 1939 von Schindler errichtet wurden, sowie das Fitzpatrick-Leland House, zu Außenstellen des Mak und einem Ort für Stipendiaten aus dem Kunstbereich gemacht. Das Wohnhaus ist heuer hundert Jahre alt. Daher erinnert, erstmals nach der großen Schindler-Ausstellung 1986 und jener über die "Vertriebenen Visionäre", eine Schau an diesen außergewöhnlichen Ort und seine alten wie neuen Bewohner.

Für die von Bärbel Vischer kuratierte Ausstellung "Schindler House Los Angeles. Raum als Medium der Kunst" hat die neue Direktorin Lilli Hollein die ehemaligen Direktionsbüros im Museum zu neuen Galerieräumen gemacht, sie selbst zog zu ihrem Team ins Dachgeschoß. Auch wenn der gewonnene Raum groß ist, reicht er nicht für die Jubiläumsschau mit historischen Fotos, Filmen, aber auch den Beiträgen wichtiger Kunstreaktionen Jüngerer, sowie den Stipendiaten der letzten Jahre. Daher ist auch der MAK-Kunstblättersaal damit verbunden und der Gang zwischen beiden Räumen - einige Werke wuchern sozusagen aus diesen Geschichten von Räumen, Architektur-Elementen, Modulen und Formideen heraus.

In "Untitled" (2021) erkundet Vincent Fecteau das Interieur mit klienen Details. - © Esteban Schimpf/MAK
In "Untitled" (2021) erkundet Vincent Fecteau das Interieur mit klienen Details. - © Esteban Schimpf/MAK

Schindler war schon für mehrere Generationen von Architekten vorbildlich, davon die wichtigsten sind wohl Philip Johnson, Frank O. Gehry und Hans Hollein. Aber da er auch in der Inneneinrichtung bei Möbeln, Kaminen und selbst der geometrischen Gartengestaltung bis heute wichtige Impulse durch sozialutopische Ideen und hybride Formen gab, übt er auch eine Faszination auf die bildende Kunst aus.

Im Eingangsbereich des Museums hat Marko Lulić in Form eines disparaten Gestänges einen "Corner" als Raumzeichnung und Verweis auf die Schau über den vorbildlichen Visionär platziert. Die pink gestrichenen Möbel, die es auch in den Ladies‘ Rooms seiner Frau Pauline gab, die bis 1977 lebte, haben ihre Anregung von Einbaumöbeln Schindlers für die russische Emigrantin Beata Inaya. Sie nahm Stephen Prina 2011 zum Vorbild, um nach Originalmaßen einen typischen raumbestimmenden Einbau zur Installation "As He Remembered It, Living Room Category" zu wandeln.

Rudolph M. Schindlers Entwurf eines Esstischs. 
- © MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst

Rudolph M. Schindlers Entwurf eines Esstischs.

- © MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst

Dorit Margreiter widmet sich als ehemalige Stipendiatin, die längere Zeit für Recherchen in Los Angeles anschloss, seit 2019 Schindlers speziellen geometrisch abstrakten Formornamenten am Ennis House mit ihren fotografischen "Textile Blocks". Den historischen Innen-Aufnahmen von Julius Shulman folgen die von Candida Höfer 2000. Sasha Pirker erzählt filmisch von Donald Judds Begeisterung für Schindlers Möbel, die er in Mafra in Texas in seinem Whyte Building nachbaute.

Ornamente und Interieur

Neben Florian Pumhösls auffallender Werkserie "Plastik" aus fragilen Gipsornamenten sind auch Andreas Fogarasis Reaktionen auf Schindlers Kupferverkleidungen mit Architekturfotos auf italienischen Marmorplatten zu erwähnen sowie die Altstars Martin Kippenberger - mit seinem Modell für das Kontinente übergreifende "Metro-Net-Projekt" - und Gordon Matta-Clarks herausgeschnittene Gebäudeteile; weiters die Teamarbeit von Raymond Pettibon, Hans Weigand und Jason Rhoades in Los Angeles oder die performative Arbeit von Philipp Timischl.

Den Fetisch Interieur verhandelt nicht nur Vincent Fecteau in kleinen Fotoskulpturen, auch Maruša Sagadin und Ulrike Müller schließen sich der Schindlerverehrung an.