Unschlüssig. Der Begriff umschrieb am Montag treffend die Stimmung der weltweiten Sammler-Elite und teilnehmenden Galeristinnen und Galeristen in Basel. Auf der einen Seite war die Freude deutlich zu spüren, endlich wieder in voller Stärke, Auslastung und ohne Restriktionen hierher gekommen zu sein. Auf der anderen Seite sind die wirtschaftlichen Daten und die globale Gemengelage alles andere als investitions- und stimmungsfördernd.

Das montägige Einchecken in die internationale Kunstwelt erleichterte der Umstand, dass mit Eröffnungen auf Nebenschauplätzen begonnen wurde: Mit den Previews der Satellitenmessen wie Liste und Volta, der Vernissage der Designmesse und der Eröffnung der Art Unlimited. Ein Parcours, den Sammler, Galeristen, Museumsdirektoren und Kuratoren durch - endlich wieder - persönlichen Gedankenaustausch dafür nutzten, den aktuellen Standort des globalen Kunstmarkts auszuloten.

Mit Wasser gekocht

Montagabend war die Resonanz nicht wirklich positiv. Die Mutter aller Satellitenmessen, die Liste Basel, verabschiedete sich vergangenes Jahr von ihrem verwinkelten, oft mühsamen Fabriksgebäude und bespielt nun ebenfalls eine Messehalle. Das tut ihrer Performance nicht gut: In einem regulären Umfeld fällt Besuchern sofort auf, dass auch die Liste nur mit Wasser kocht und die Qualität der Galerien bei Weitem nicht so solitär ist, wie über Jahrzehnte immer hervorgestrichen wurde.

Bei dem vormals meist wirklich beeindruckenden Ausstellungsformat Art Unlimited, wo über Jahre dem Prinzip "klotzen statt kleckern" gehuldigt wurde, stechen Budgetnöte und Qualitätsverlust ins Auge. Da sind Besucher froh, wenn sie mit der ironisch-verspielten Installation von Ernst Caramelle "Forty Found Fakes" (Galerie Schwarzwälder) oder der raumgreifenden, "atmenden" Luftballon-Raketen-Präsentation "Enviroment S.Filklinic.Deaths.F" von Stano Filko (Galerie Layr) konfrontiert werden.

Generalprobe vermasselt, Premiere top: An den Eröffnungstagen der Hauptmesse dominierten Optimismus und Investitionsfreude - selbst wenn der Dow-Jones 800 Punkte Richtung Keller gerasselt ist. "Wir sitzen alle im selben Boot", erzählt ein Private-Banker und Sammler aus Wien. "Die Kursverluste betreffen alle, nicht nur mich. Daher Kunst, die mir in erster Linie Freude macht - und sich nebenbei immer als wertbeständig erwiesen hat", führt er weiter aus, bevor er Informationen zu einer harmonisch-floralen Arbeit von Louise Bourgeois bei Karsten Greve einholt (75.000 Euro).

Auch andere Galerien konnten sich in den ersten Preview-Stunden über maßgebliche Verkäufe freuen: Die Arbeiten der Künstlerin und Aktivistin Malgorzata Mirga-Tas, die heuer den polnischen Pavillon in Venedig bespielt, gehen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Sowohl die Galerie Foksal aus Warschau als auch Karma International aus Zürich sind ratzfatz ausverkauft (40.000 Euro) und verweisen bei Nachfrage auf eine Warteliste.

Die Romni, Sängerin und Auschwitzüberlebende Ceija Stojka (1933-2013) setzte sich Zeit ihres Lebens für Aufklärung und der Akzeptanz von Minderheiten ein. Nun präsentiert die Pariser Galerie Gaillard ihr starkes bildnerisches Œuvre (zwischen 10.000 und 45.000 Euro). Als Kunstaktivist kann der 2020 verstorbene "Sachenmacher" (seine Selbstbeschreibung) Heinz Frank bezeichnet werden. Eine spannende wie charmante Werkschau des Bildhauers, Zeichners und Sprachkünstlers präsentiert die Galerie LambdaLambdaLambda aus Pristina im Zuge der "Features"-Sektion der Art Basel (Preise zwischen 5.000 und 80.000 Euro).

Entdeckungen und Bekanntes

Zu entdecken gilt es des Weiteren einen nicht mehr ganz jungen Architekten und Künstler: Balkrishna Doshi (Vadhera Art Gallery, Neu-Delhi). Der 95-jährige Architekt und einziger Pritzker-Preis-Gewinner Indiens vermag mit seiner vielschichtigen, perspektivischen Malerei zu überzeugen (zwischen 90.000 und 120.000 Euro). Bei der Galerie Elvíra González aus Madrid ist es das superb-nuancierte Kleinformat (20 x 20 cm) "Smart Enough" von Ed Ruscha, das auf starkes Sammlerinteresse stieß (420.000 Euro). Die Galerie Krinzinger überzeugt mit einem fulminanten, großformatigen Waqas Kahn, bei Janda besticht ein farbig-intensiver Jan Merta, Ropac richtet den Fokus erneut auf ein Werk von Martha Jungwirth und die Neo-Wiengaleristin Eva Presenhuber ist mit Tobias Pils (65.000 Euro) und großartigen Arbeiten von Tschabalala Self (215.000 Euro) erfolgreich.

Ein anderer Wienbezug: Für Chikagoer Galeristin Mariane Ibrahim ist es die Premiere an der Art Basel. Aus ihrem Repertoire hat sie eine Arbeit von dem in der Donaumetropole gut bekannten Künstler Amoako Boafo - er studierte an der Kunst-Akademie und gewann den Strabag-Art-Award - verkauft. Eine Leinwand, die einmal mehr zeigt, dass Boafo, wenn er seinen Schiele-Schmäh nicht mehr replizieren kann, ein uninspirierter, gerade einmal mittelmäßiger Maler ist. Der Verkaufspreis von rund 400.000 Euro liegt weit unter den gehypten Auktions-Ergebnissen (zwischen 660.000 und 880.000 USD bei Phillips) aus den Jahren 2020 und 2021. Die Preisentwicklung erweckt den Eindruck, dass Boafo und der Dow-Jones eines gemeinsam haben: Es geht steil bergab.

Die 51. Art Basel findet noch bis 19. Juni statt.
Im Web: www.artbasel.com