Joseph Rebell (1787-1828) war ein äußerst erfolgreicher Landschaftsmaler um 1800, der anfangs unter dem Einfluss des Klassizismus stand und dabei besonders vom französischen Starkünstler Claude Lorrain das warme Licht südlicher Landschaften in Verbindung mit arkadischen Themen nach Österreich brachte. Seine Netzwerke unter Künstlern, die damals alle nach Italien reisten und von denen er viele bekannte Kollegen in Rom traf, waren ausgezeichnet und er verstand es, auch angesehene Käufer zu finden, viele aus dem Hochadel.

Er studierte an der Wiener Akademie und nahm Privatstunden bei Michael Wutky, dessen Spezialität nächtliche Gemälde des ausbrechenden Vesuvs, also Katastrophenbilder, waren. Als dann 1822 ein neuer Ausbruch stattfand, während Rebell in Neapel weilte, hat er diesen auch selbst gemalt, dazu Schiffsunglücke in wilden Meereswogen, es zeigt sich also dabei bereits seine Wandlung zu romantischen Themen.

Die von Sabine Grabner kuratierte Schau wird auch von einem ersten großen Sammlungskatalog begleitet, besitzt doch allein das Belvedere 23 Werke des Künstlers, im Ganzen sind es 70 Gemälde und 40 Zeichnungen, die in fünf Kapitel, halbwegs chronologisch, einen damals begehrten Spezialisten präsentieren. Am Eingang hängen die großen Auftragsbilder für Kaiser Franz I., der ihn in Rom im Atelier aufgesucht hatte und ihn nach Wien zurückholte, um ihm zum ersten Direktor der Kaiserlichen Sammlungen im Belvedere zu machen. Dazu lehrte er Landschaftsmalerei an der Akademie und hat sich wohl in dieser Dreifachbelastung ziemlich aufgerieben, denn er starb schon im Alter von 42 Jahren.

Die nach seinen Reisen in den Süden gegliederten Kapitel beginnen in Oberitalien, wo er anfangs im Auftrag des Wiener Verlegers Domenico Artaria nach Mailand und an die oberitalienischen Seen ging, um ein aquarelliertes Mappenwerk zu erstellen, wie damals sehr beliebt und von vielen Künstlern ausgeführt. Doch auch Eugène de Beauharnais, Vizekönig von Italien, wurde auf den eleganten jungen Mann mit guten Manieren aufmerksam und orderte selbst Aquarelle dieser Landschaften. Zu den arkadischen Themen kamen also bereits reale Gegenden, wenngleich Rebells Vorliebe für die besondere Hervorhebung des südlichen Sonnenlichts weiter eher das Gefühl der Idealisierung vermittelt.

Erstaunliche Wandlungen

1812 war er in Rom und Neapel, malte auch dort und traf neben Antonio Canova viele deutsche Maler, die sich im berühmten griechischen Café nahe der Spanischen Treppe versammelten. 1813 bis 1816 kamen Aufträge der Königin Caroline Murat, Schwester Napoleons, und auch das bewirkte weitere Anfragen: Rebell wusste sich bestens zu vermarkten, die Seestürme im Golf von Neapel und auch der Ausbruch des Vesuvs gaben als neue Bildtypen ihren Beitrag. Die letzten Räume in der Schau behandeln dann einerseits den weiter als Maler tätigen Galeriedirektor, andererseits seine weiteren Aufträge durch die Habsburger für ihre Schlösser in Persenbeug und Artstetten, im Ersteren stattete er den Kaisersaal aus, malte aber auch die Besitzungen um Emmersdorf in der Wachau. Spannend ist sein Einbeziehen der Beobachtungen im Freien, seine vielen Skizzen der Hafenarbeiter Neapels und diese neue Entwicklung lehrte er auch an der Akademie, trotz seiner kurzen Schaffenszeit erstaunliche Wandlungen, und doch ist jedes Werk von seiner besonderen Gabe für die Lichtführung bestimmt.

1819 sollte er Direktor der Kaiserlichen Galerie werden, bis zum Antritt des Postens dauerte es jedoch bis 1824 im Spitzelstaat des Fürsten Metternich. Danach ließ er die offenen Bereiche im Oberen Belvedere mit Fenstern verglasen, baute eine Heizung ein, seine schwenkbaren Hänge-Vorrichtungen konnten sogar Spiegelungen der Oberflächen verhindern, und er schaffte die Gründung einer Restaurierwerkstatt. Auf einer Reise nach Dresden ist der viel beanspruchte Rebell dann nach kurzer Krankheit 1828 früh verstorben.