Vor zwei Jahren kamen die Kuratoren Heike Eipeldauer und Franz Thalmair ans Mumok und haben - wohl mit einem Blick auf die kommende documenta 15 und mit einem zweiten auf die Sammlungen des Hauses - begonnen, sich mit dem Thema Kollaborationen in der Kunst auseinanderzusetzen. Damals konnte keiner wissen, dass die documenta derart anecken würde, dass sogar die Diskussion über ihre Abschaffung kursiert. Allerdings ist selbst das eine Attitüde der Moderne und ihrer dekonstruktiven Methodenseite. Dennoch gibt es eine Kollaboration der Ausstellung mit ruangrupa in Kassel, und zwar die Videoreihe "lumbung calling", die das Publikum an die Bildschirme zum Diskurs einlädt. Die fehlenden ästhetischen Aspekte machen die Kritik an einer politisch-sozialen Übergewichtung aus. Das gilt für heute, das gab’s auch in der heißen Phase der Konzeptkunst.

Weit zurück geblickt

Doch die Schau, gestaltet auch von einem Architektenteam (Anetta Chişa & Lucia Tkáčová), das mit Gegensätzen wie alten und neuen Materialien oder transparent und opak arbeitet und schon über 20 Jahre ein Team bildet, blickt weit zurück. Sie ist selbst eine Kunstgeschichte, allerdings doch nur der wenigen: Man bringt zwar mit Teams mehr Positionen unter, und auch im Katalog werden die Werke von vielen beschrieben, aber es bleibt ein Netzwerk, das andere ausschließt, auch wenn die Basisdemokratie hochgehalten und die Distanz zur neoliberalen Schiene außen fast gekappt wird.

Kerstin von Gabain und Nino Sakandelidze: "Dollhouse of a Poem" (2017).
 
- © mumok / deinhardstein19

Kerstin von Gabain und Nino Sakandelidze: "Dollhouse of a Poem" (2017).

- © mumok / deinhardstein19

Irgendwie ist es ähnlich mit der Urdemokratie in Athen, die eigentlich eine Oligarchie war: Das Künstlergenie soll abgeschafft und neue Formen sollen gefunden werden. Jedoch gab es immer Kollaborationen, und sie schützten Perikles und Phidias nicht vor dem Vorwurf der Korruption.

In der Schau greift die Werkstattanspielung auf die Barockzeit zurück mit der roten Neonschriftsignatur von Rembrandt. Sie ist von Robert Watts - und damit sind wir schon mitten in der zentralen Fluxusbewegung.

Die späten 1960er und die 1970er Jahre waren die goldenen Zeiten der Kollaboration. Manch einer, wie Daniel Spoerri, baut zwei Drittel seiner Arbeiten auf Zusammenarbeiten auf - durch die Sammlung Hahn ist er mit seinem Frühwerk vertreten. Dazu kommen Yoko Ono, Ulay & Marina Abramović, Art & Language, Wolf Vostell, auch Haus-Rucker-Co. Das Alter mancher Materialien ist kontraproduktiv zur damaligen Frische, aber der disparat im Rahmen gehängte Appell von Jörg Schlick "Keiner hilft Keinem" für die Gruppe Lord Jim Lodge von 1991 heitert als humoriger Wiedererkennungseffekt auf.

Ree Morton: Something in the Wind (1975). 
- © Estate of Ree Morton

Ree Morton: Something in the Wind (1975).

- © Estate of Ree Morton

Manches Archivmaterial ist noch älter: Die Zusammenarbeit mit der VBKÖ, der ersten etwas nach der Secession 1910 in Wien gegründeten Künstlerinnenvereinigung, ist ein Seitenstrang, der auch wieder dem Verfahren Teamwork Referenz erweist. Daneben machen sich die "Damen" aus den frühen 1990er Jahren sehr gut, denn der Wille zum Konzeptuellen und auch zu Kunstmarkt- und Institutionskritik hielt ja nach den Siebzigern weiter an.

Otto Neuraths Miteinander in der Ära des Roten Wien ist für die künstlerischen Kollaborationen in Ost und West, (hier mehr als Süd und Nord) nach wie vor ein wichtiger Anreger, so auch Friedrich Kieseler mit seinem "Correalistischen Manifest", das bis zu Walter Pichler wirkte, der wie Dieter Roth gerne Kooperationen folgte und doch individualistisch blieb.

Ulay und Marina Abramović: "Breathing In / Breathing Out" (Filmstill, 1977). 
- © MUMOK / Sophie Pölzl

Ulay und Marina Abramović: "Breathing In / Breathing Out" (Filmstill, 1977).

- © MUMOK / Sophie Pölzl

Die große Frage, ob die Kunst durch Kollaboration im Leben aufgeht und jegliche ästhetische Kompetenz verliert, steht zwar in dieser Rückschau bereits im Raum, jedoch versucht sie, der heutigen Kritik, dass sich die Kunst im Teamwork selbst abschaffe, auch einen Gegenpendelschlag zu versetzen, denn im Blick zurück wirkt so manche alternative Feldforschung heute sehr künstlerisch, während der damalige politische Kampf oder ökologische Kommentar zur Landschaftszerstörung längst vergessen ist.