Der 1948 in Lunz am See geborene Hans Kupelwieser zählt zu Österreichs renommiertesten Vertretern der seit den 1970er Jahren erweiterten Bildhauerei. Er arbeitet mit Installationen und dabei verschiedensten Materialien von Stahl über Holz bis Glas, Gummi und Kunststoff. Daneben hat er seit den 1990er Jahren mit dem Fotogramm experimentiert und es auf großen Leinwänden kombiniert zu Objekten, aber auch mit der Befragung malerischer Phänomene. Konzeptuelle Erweiterung und Verschmelzung von Kunstgattungen kann als eine seiner nach wie vor aktuellen Methoden gelten.

Im Oberlichtsaal der Kunsthalle sind zehn großformatige Variationen dieser Lichtmalerei ohne Kamera zu sehen, eines mit den von ihm gerne eingesetzten Stühlen, die anderen mit Lichtlinien und Knäuel, die er mit verschiedenen Schläuchen erzeugt und nach der Belichtung verfremdet oder sogar ausschneidet und mit Kunstharz kombiniert einer neuen plastischen Erscheinung zuführt. Das geschieht ironisch auch einmal mit am Fotopapier gelandeten Spaghetti.

Lichtlinien und Knäuel: Fotogramm von Hans Kupelwieser. - © Kunstmeile Krems
Lichtlinien und Knäuel: Fotogramm von Hans Kupelwieser. - © Kunstmeile Krems

Applizierte Spiegel, im konvexen oder konkaven Schliff zu Lupen gewandelt, tun ein Übriges in ihm wichtigen Raumfragen und -verfremdungen. Diese weisen auf grundsätzliche Überlegung zu Wahrnehmungstheorien hin, seine Werke haben selten Titel, das Offenlassen für Interpretationen macht Beobachtung zur Verführung.

Vom Bagger geknautscht

"Gonflable H" lehnt an der Kunsthalle Krems. - © Kunstmeile Krems
"Gonflable H" lehnt an der Kunsthalle Krems. - © Kunstmeile Krems

Andreas Hoffer hat mit Kupelwieser diese Trias von Ausstellungen mit Werkvariationen als Kurator erarbeitet, bezeichnet sich aber nur als Begleiter von dessen klaren Intentionen. Vor der Kunsthalle, am Museumsplatz, ist einer der für den Künstler typischen Aluminiumpolster an die Wand gelehnt, "Gonflable H" reicht bis zum ersten Geschoß, und ist unter Hochdruck aufgeblasen. Die Arbeit aus Edelstahl daneben ist mittels Bagger geknautscht. Was ursprünglich nötig war, um überdimensional aufgeblasene Skulpturen aus Innenräumen rauszubekommen, hat sich zur künstlerischen Methode verselbstständigt. Eine dieser wunderbaren "Verknautschungen" von Edelstahl in Rot ziert auch die Decke des Tea-Rooms im neuen Horten Museum. Innovative Methode trifft auf Altbekanntes: Wie das Fotogramm seit dem Bauhäusler László Moholy-Nagy oder Man Ray bekannt ist, mag der aufblasbare Polster mit Andy Warhols "Silverclouds" assoziiert werden. Zur Draufgabe wurde von Systemkollektiv am Museumsplatz eine Augmented-Reality-Skulptur von 3D-Künstler Peter Várnai mit Kupelwiesers Installation für das Langhaus der Dominikanerkirche erzeugt. Immaterielles verbindet sich am Smartphone mit dem Betonobelisken samt Kunsthallen-Logo.

Innovativ, sinnlich und nachdenklich nähert sich Kupelwieser der Dominikanerkirche, denn ein Füllen durch Skulpturen wären ihm für den gotischen Kirchenraum zu wenig gewesen. Assoziationen von "Kirchenschiff" in seiner in Holzlisenen gespiegelten Kreuzrippenkonstruktion des Gewölbes sind zulässig - er beobachtete den Schiffsbau aus Holz in türkischen Häfen, machte die Kremser Arche Noah aber begehbar für das Publikum. Dazu kommen im Chor Plexiglasstelen mit variablen Vergrößerungsgläsern, in denen sich die Reste der Wandmalerei hervorhebend dem Auge annähern, je nach Blickwinkel wird der Raum auch entfernt und in der Veränderung sogar aufgelöst.

Harmonisch beunruhigend

Kupelwieser sieht die Kombination in der Apsis als seine Hommage an den von den Dominikanern bestraften Galileo Galilei, denn der Erfinder des neuzeitlichen Fernglases und Kämpfer um das heliozentrische Weltbild gegen die katholische Kirche musste sich damaligen dominikanischen Inquisitoren beugen und widerrufen. Zwei Ideenstränge also, die seine "erste Kirche", in die er eine installative Reaktion einbauen konnte, begleiten. Die Wirkung ist so harmonisch wie beunruhigend. Begonnen hat es mit einem gebauten 3D-Modell, die Nähe zur Donau spielte aber in der Schiffsassoziation natürlich mit. Ein neuer Blick auf alte Symbolik und im Fall Galilei auch auf gescheiterte Wahrheiten.