Dass Tanz schon seit dem Sonnenkönig Ludwig XIV. für politische Zwecke eingesetzt wurde, ist keine Neuigkeit. Doch diente er meist der Machtdemonstration der absolutistischen Herrscher, in der die Auflösung des einzelnen Tänzers in der Masse das Ziel war. Die Pandemie und somit das Verbot per Lockdowns der Ausübung von Kultur, inklusive Club-Kultur, und natürlich Tanz im öffentlichen Raum im Generellen, hat neue Formen alternativer Aktionen hervorgebracht: Performer verbreiteten weltweit Tanz als politisches Statement. Sie nützten dazu Tanzevents auf Zoom, TikTok und anderen sozialen Medien sowie Virtual Reality und digitale Kunst.

Kurator Bogomir Doringer hat in der Ausstellung "No Dancing Allowed" im Wiener Museumsquartier frei_raum Q21 unterschiedliche Projekte zusammengetragen und zeigt einen übersichtlichen sowie breiten Überblick über die gemeinschaftliche Funktion und Bedeutung von Tanz. Auch wird mehrfach verständlich gemacht, dass Tanz als Mittel des Widerstands und des soziopolitischen Wandels zu begreifen sein soll.

In dem großformatigen Wandbild "Where’s Steve" (2022) der Illustratorin Clémence Mira, lädt sie ein, das Porträt von Steve Maia Caniço zu entdecken, einem französischen Party-Besucher, der bei einem Polizeieinsatz bei der "La Fête de la Musique (Music Day)" in Nantes ums Leben kam. - © Clémence Mira
In dem großformatigen Wandbild "Where’s Steve" (2022) der Illustratorin Clémence Mira, lädt sie ein, das Porträt von Steve Maia Caniço zu entdecken, einem französischen Party-Besucher, der bei einem Polizeieinsatz bei der "La Fête de la Musique (Music Day)" in Nantes ums Leben kam. - © Clémence Mira

Das Betreten der Ausstellung ist von beiden Zugängen möglich, doch empfehlenswert ist der nahe der Mariahilfer Straße, da dieser logischer aufgebaut scheint: So werden zu Beginn TikTok-Tanzvideos gezeigt, wie etwa jenes von Popsängerin Britney Spears: Sie konnte damit nicht nur ihre Fans, sondern die Gesellschaft im Allgemeinen auf ihren jahrelangen Kampf um ihre Vormundschaft aufmerksam machen. Spears gilt als Beispiel dafür, welche Mobilisierungskraft von diesen kurzen Tanzvideos in Zeiten der körperlichen Distanz ausgehen kann. "Free Britney" ging nämlich viral.

Auf der Suche nach Steve

Auch ist die Arbeit "Brave" (2021) des ukrainischen Künstlers und Fotografen Anton Shebetko zu sehen: Er filmte, als die Bewegungs- und Versammlungsrestriktionen beendet wurden, Besucherinnen und Besucher eines Nachtclubs beim Brave Factory Festival in Kiew eine Minute lang in Großaufnahme vor weißem Hintergrund. Mit Ausbruch der Kämpfe und der Ungewissheit, wie es diesen Personen ergangen ist, bekommt das Video, das vor Kriegsausbruch aufgenommen wurde, eine zusätzliche - auch emotionale - Bedeutung.

Die Künstlerin Clémence Mira begann während der Pandemie und dem damit zusammenhängenden Social Distancing Menschenmengen zu zeichnen. Wie etwa "Where’s Steve", in dem man Steve Maia Caniço suchen kann. Der französische Party-Gast ist während eines Polizeieinsatzes bei der "La Fête de la Musique" in Nantes ums Leben gekommen.

Auch wird ein Video des Regisseurs und Architekten Liam Young gezeigt: In "Choreographic Camouflage" in der Choreografie von Jacon Jonas werden den Tänzern digitale Vermessungen zugeschrieben, die letztlich ihre Körper verzerren. Inspiriert wurde diese Performance von Technologien, die bei den Protesten in Hongkong verwendet wurden. Ferner gibt es einige multimediale Werke, die sich mit Homophobie und Transphobie, Vergewaltigung, Femizid und Rassismus beschäftigen.