Als sich in einem Pariser Café 1930 zwei Männer zufällig kennenlernten, hätte wohl niemand erahnt, dass dies das erste Zusammentreffen der prägendsten Modefotografen des 20. Jahrhunderts sein sollte. George Hoyningen-Huene, Cheffotograf der französischen "Vogue", und der deutsche Horst P. Horst wurden kurz darauf ein Paar. Huene war nicht nur einer der Ersten, der Modestrecken vor der Kamera ablichtete, sondern zählte auch zu den ersten, die Männer für Modefotografie einsetzen. So wurde auch Horst zum Model berufen.

Vom Model zum Fotografen

Das "Mainbocher-Korsett" von 1939 zählt zu den berühmtesten Werken von Horst P. Horst. 
- © Condé Nast / Horst Estate

Das "Mainbocher-Korsett" von 1939 zählt zu den berühmtesten Werken von Horst P. Horst.

- © Condé Nast / Horst Estate

In einer dieser Kollaborationen entstand Huenes bekanntes Bademodenmotiv "Divers", das auch im Museum zu sehen ist. Das Bild, das Horst zusammen mit der späteren Kriegsfotografin Lee Miller zeigt, vermittelt einen idyllischen, geradezu friedlichen Eindruck. Dass die tatsächliche Aufnahme nicht an einem verträumten Sommertag am Meer, sondern über den Dächern der immerzu geschäftigen Champs Élysées entstand, erahnt ein Betrachter beim bloßen Anblick der Aufnahme nicht. Diese paradiesische Inszenierung verdeutlicht, wie stark mit Schein gearbeitet wird, um ein perfektes Modefoto zu erhalten.

Horst P. Horst, um 1930. - © The George Hoyningen-Huene Estate Archives
Horst P. Horst, um 1930. - © The George Hoyningen-Huene Estate Archives

Durch die Zusammenarbeit mit Huene kam auch Horst auf den Geschmack, das Handwerk selbst zu erlernen. Er sollte seinen Mentor sogar bei der "Vogue" ablösen. Während Huene der Fotografie später den Rücken kehrte und zum Film wechselte, blickte Horst am Ende seines Lebens auf 60 Jahre in der Branche zurück.

George Hoyningen-Huene, 1933. - © Condé Nast / Horst Estate
George Hoyningen-Huene, 1933. - © Condé Nast / Horst Estate

Die Ausstellung ist nicht chronologisch angelegt, sondern nach visuellen Referenzen. Dies ermöglicht es, Vergleiche zu ziehen, aber auch Gemeinsamkeiten der Künstler zu entdecken und so einen Dialog zu eröffnen. Ein großer Teil der Doppelausstellung ist den einzigartigen Porträtaufnahmen gewidmet. Besonders in den Studioaufnahmen wird mit Licht und architektonischen Elementen gespielt und die Modelle gekonnt inszeniert. Die zeitlose Eleganz der Fotos schafft eine ideale Illusion, die vom Körperideal und der Architektur stark an die Antike angelehnt wurde. Passend zum Glamour war die Modefotografie eng mit der Gesellschaft verbunden. It-Girls der Zeit wie Gloria Vanderbilt, aber auch Leinwandgrößen wie Marlene Dietrich zählten zu beliebten Motiven der bekannten Porträts. Die engen Verflechtungen von Mode und künstlerischer Avantgarde werden in der Werkschau deutlich.

Coco Chanel, Paris 1937. 
- © Condé Nast / Horst Estate

Coco Chanel, Paris 1937.

- © Condé Nast / Horst Estate

Sie stützt sich jedoch nicht nur Studioaufnahmen mit den aufwendigen Kulissen des Condé Nast Verlags und von "Harper’s Bazaar", sondern beinhaltet auch surrealistische Elemente, die von der Bekanntschaft mit Salvador Dalí geprägt wurden. So wurde 1943 ein Shooting im Apartment von Helena Rubinstein durchgeführt. Die Kulisse bildete die surrealistische Wandbemalung der Luxuswohnung von Dalí höchstpersönlich.

Zusätzlich ist ein Teil der Ausstellung der Inszenierung des männlichen Aktes gewidmet. Neben dramatischen Aufnahmen gezeichnet von Schatten und Licht, wird außerdem farbige Modefotografie gezeigt.

Besucherinnen und Besucher können auch Exemplare alter "Vogue"-Cover bestaunen, die als Beispiele für den Veröffentlichungskontext dienen. Viele der ausgestellten Bilder sind mit Anekdoten und Zitaten von Horst versehen, die die ganz besondere Beziehung von Mode, Hollywoodglamour und Fotografie verdeutlichen.

Wegbereiter der Moderne

Ein Blick in aktuelle Hochglanzmagazine zeigt: Als Wegbereiter der Modefotografie beeinflussen die Arbeiten von Huene und Horst noch heute. Durch ihre zeitlose Interpretation von Eleganz prägten sie nicht nur ein Genre, sondern auch die Entwicklung der Fotografie. Die Doppelausstellung veranschaulicht ihre Bedeutung gekonnt.

Selbst Modeikone Coco Chanel schätzte das Talent der Fotografen. So sehr, dass sie sich selbst mehrmals vor die Linse wagte. Ein Porträt, das von der Modeschöpferin in Paris aufgenommen wurde, zeigt sie, den Blick abgewandt, auf einem prunkvollen Sessel. Das Bild soll der bekannt kritischen Chanel so sehr gefallen haben, dass sie sich gleich mehrere Abzüge bei Horst bestellte. Er sollte sie schließlich über Jahre fotografisch begleiten.