Claes Oldenburg ist am 18. Juli 2022 in New York City im Alter von 93 Jahren gestorben. Oldenburg gilt als einer der Gründerväter der Pop Art.

Oldenburg, am 28. Jänner 1929 in Stockholm geboren, trat 1976 bis 2009 mit seiner Frau Coosje van Bruggen aus den Niederlanden als Künstlerpaar auf. Wie Jim Dine, so war auch Oldenburg ein zwischen Europa und den USA korrespondierender Protagonist mit prominenten Sammlern. Als schwedischer Diplomatensohn kam er bereits in den Dreißigerjahren in die USA, studierte 1946 bis 1950 an der Yale University und am Art Institute of Chicago.

"Plantoir, Blue" bei den Channel Gardens in New York City. 
- © apa / Getty Images / afp / Michael M. Santiago

"Plantoir, Blue" bei den Channel Gardens in New York City.

- © apa / Getty Images / afp / Michael M. Santiago

Lippenstifte als Giganten

Anfänglich hielt er sich im Umfeld der abstrakt-expressionistischen Avantgarde um Jackson Pollock und Jasper Jones auf, wechselte aber um 1960 zu Assemblagen aus einfachen Materialien wie Papiermaché und bunt bemaltem Gips, bevor er aus mit Kapok gefüllten genähten Leinwänden oder Vinyl 1963 die ersten "Soft Sculptures" herstellte. Sie und seine ins Gigantische vergrößerten Lippenstifte, Spitzhacken oder Krawatten waren allesamt Alltagsgegenstände, die er zu Kunst mit doppelbödigem Charakter umwandelte: Tortenstücke, Eistüten, Kirschen, aber auch Waffen, Wäscheklammern, Feldstecher.

Oldenburg gründete eine erste Produzentengalerie, den "Store" in New York, in dem auch Happenings stattfanden, um seine trivialen und teils kitschigen Werke zu zeigen. Mitten in deren Warencharakter gab es aber auch ersten Auftritte der Performerin Carolee Schneemann.

Durch die Sammler Peter Ludwig und Wolfgang Hahn besitzt das Wiener Mumok frühe Hauptwerke des Künstlers und konnte 2012 auch die letzte große Retrospektive mit dem Museum Ludwig in Köln ausrichten. Die Materialien, die Oldenburg verwendete, sind heute so fragil, dass auch eines seiner Hauptwerke, das begehbare "Mouse Museum" und sein Flügel "Ray Gun Wing" – ein Raum aus Holz und Aluminiumblech in Form der Ohren von Mickey Mouse und eines Revolvergriffs als Eingang – nicht mehr in einer Dauerausstellung zu sehen sind.

Die "Moveyhouse Masks". 
- © apa / afp / Rafa Rivas

Die "Moveyhouse Masks".

- © apa / afp / Rafa Rivas

1977 hat Oldenburg das 1965 in seinem Studio entstandene Minimuseum erweitert, um im Wing kleine Strahlenpistolen nach Science-Fiction-Filmen zu den Torten, Eisbechern und Fundgegenständen in Spielzeuggröße in eine durchgehende Auslage zu ordnen. Ein Vorläufer der angesammelten kleinen Waffen ist auch die durch die Sammlung Hahn nach Wien gelangte "Ray Gun Rifle" aus bemaltem Zeitungspapier, das mit Maschendraht um ein Holzstück geleimt wurde.

Kritik an Amerika platzierte der Künstler geschickt, er war daher mit Werken auf vielen Documentas in Kassel präsent. 1982 platzierte er eine zwölf Meter hohe Spitzhacke in den Boden vor dem Fluss Fulda, sein erstes gigantisches Objekt war ein Lippenstift, und in Frankfurt zeigt er mit seiner früh verstorbenen Frau den Bürohengsten den Stinkefinger in Form einer Riesenkrawatte.

Aufwertung des Vulgären

Das Echte im Klischee suchen, den Kitsch und das Vulgäre aufwerten, die Grenzen von Hochkunst und Trivialkunst sprengen, aber wie Warhol kritisch gegenüber der Konsumkultur bleiben, indem man ihre Fetische aufbläst: Das war Oldenburgs Methode. Doppelbödig bis grotesk entsteht der zweite Blick auf Gewalt und "derbe Potenz": Oldenburgs Werk ist heute so aktuell wie in Zeiten der Pop Art, als er die Malerei aufforderte aus ihrer goldenen Gruft und gläsernen Sarg herauszukommen und "schwimmen zu gehen" oder "Rad zu fahren". Das Haar der Malerei zerzausen, ihr einen Stoß geben und eine Flasche Bier, waren seine Slogans.

Coosje van Bruggen und Claes Oldenburg verzierten eine Kölner Einkaufsgalerie mit einem Stanitzel Vanilleeis. 
- © apa / dpa / dpaweb / lnw

Coosje van Bruggen und Claes Oldenburg verzierten eine Kölner Einkaufsgalerie mit einem Stanitzel Vanilleeis.

- © apa / dpa / dpaweb / lnw

Das kritische Publikum sah das noch als Skandal. Vor allem 1978 im konservativen Wien, als die Sammlungen Ludwig und Hahn ins Moderne Museum kamen, sprach man von Mist statt Kunst. Heute schätzen wir die Hauptwerke der "Soft Sculpture", die oft Waschbecken oder Möbel darstellen. In einem gibt es ein Foto von Kiki Kogelnik, die in New York mit Oldenburg befreundet war. Sie schuf ihre Hangings aus buntem Vinyl in Form der Umrisse ihrer Freunde, darunter auch Oldenburg.

So bleibt, neben dem Versandhaus für Kunstnippes und Kolossalobjekten in Amerika und Europa, auch das Band der Freundschaft mit österreichischen Kolleginnen, die wie seine Partnerin lange vor ihm verstorben sind.