Wenn man durch die Ausstellung läuft, schaut man danach anders auf seine Bettwäsche, Kleidungsstücke und Bademäntel daheim. Der Berliner Gropius Bau widmet sich der Künstlerin Louise Bourgeois (1911-2010). Die Schau "The Woven Child" zeigt einen besonderen Teil ihrer Arbeit - erstmals werde eine Retrospektive ihrer textilen Arbeiten gezeigt.

Die Künstlerin, die in Frankreich geboren wurde und später in den USA lebte, nutzte Textilien, die man aus dem Haushalt kennt. Bettlaken, Servietten, Handtücher. Sie habe auch Kleidung aus ihrer Kindheit oder von ihrer Mutter behalten.

"Für Bourgeois waren diese Kleidungsstücke so bedeutsam wie die Seiten ihres Tagebuchs", heißt es in der Ausstellung. Weil die Stücke Erinnerungen an Menschen, Orte und Ereignisse sowie das Gefühle ihres eigenen Körpers aufbewahrten. Ein Kleid hängt etwa an einem Knochen, daneben eine Bluse.

Manche der Skulpturen wirken sanft und verstörend, manchmal unheimlich und oft schön. Bourgeois setzt sich mit Beziehungen auseinander, mit Sexualität, Begehren und Trauma, mit Mutterschaft, der komplexen Dynamik von Paaren, mit dem Älterwerden und weiblicher Unterdrückung.

Etwa wenn sie ihre Wäscheaussteuer in Collagen verwandelt. Die Aussteuer habe sie 70 Jahre zuvor bei ihrem Umzug in die USA mitgenommen, wird erklärt. Benannt ist die Arbeit nach einer Romanfigur aus dem 19. Jahrhundert: "Ich habe starke Rachegefühle gegenüber meinem Vater, der versuchte, aus mir eine Eugénie Grandet zu machen", wird Bourgeois dazu zitiert.

In einem Raum hängt eine kopflose Puppe von der Decke. Immer wieder findet man Nähnadeln - und Spinnen. Auch ein Symbol für das Reparieren. "Ich stamme aus einer Familie von Reparateuren. Spinnen sind Reparateurinnen", wird Bourgeois zitiert. Die Ausstellung, die am Donnerstagabend eröffnet werden sollte, läuft bis 23. Oktober. (apa/dpa)